Selbstversuch Schneeschuhwandern: Im Zwiebellook und im Gänsemarsch auf den Feldberg

Carolin Johannsen

Schneeschuhtouren sind hoch im Kurs – aber was verbirgt sich wirklich hinter dem Trend, stundenlang mit schweren Schuhen durch den Schnee zu stapfen? fudder-Autorin Carolin Johannsen hat es ausprobiert.

Der Himmel ist strahlend blau, keine Wolke ist zu sehen und die Sonne lässt die Schneedecke glitzern. Die Tannen sind schneebedeckt, es sieht aus als seien sie in dicke, weiße Wintermäntel eingepackt und an den Spitzen der Äste hängen Eiszapfen. Es ist eine Winteridylle wie aus dem Bilderbuch, die sich vor mir erstreckt – ganz genauso, wie ich es mir ausgemalt hatte, als ich die Schneeschuhwanderung gebucht habe. Nur hat es leider eine ganze Weile gedauert, bis die Tour so schön werden konnte.


Auf zur Schneeschuhwanderung

Eine Schneeschuhwanderung im Selbstversuch war der Plan, denn ich bin noch nie mit Schneeschuhen gewandert. Allzu schwer kann es ja nicht sein, war mein Gedanke bei der Buchung. Ich gehe ja regelmäßig joggen und bin sonst auch fit. Da sollte also nichts schiefgehen.

Gebucht über das Studierendenwerk Freiburg konnte ich gleich noch ein paar Euro sparen, die Wettervorhersage für diesen Samstag ist ausgezeichnet und ich habe es rechtzeitig aus dem Bett geschafft, um mit dem Shuttlebus der Outdoor- und Schneesportschule Blackforest Magic, die die Schneeschuhtour veranstalten, mitzufahren. Aber jetzt steht der Bus im Stau. Grund dafür: ein liegen gebliebener Kleintransporter, der nicht zügig abgeschleppt wurde. Das Warten dauert, die Luft ist stickig und meine Motivation sinkt. Blackforest-Magic-Geschäftsführer Thomas Bührer, der ebenfalls im Bus sitzt, erzählt Anekdoten, um die angespannte Stimmung zu lösen.

Outdoorsport seit fast 30 Jahren

Bührer ist Geografielehrer und Outdoorfan durch und durch. In seiner Jugend lebte er ein Jahr in Kanada, "dort sind Schneeschuhe teilweise etwas Notwendiges, das hat mich auf die Idee gebracht, hier in Deutschland geführte Touren anzubieten", erinnert sich Thomas Bührer.Vor 28 Jahren gründete er die Outdoor- und Schneesportschule. Ursprünglich war Blackforest Magic eine reine Snowboardschule, "dann kamen Ski und Schneeschuhe und zum Schluss Langlauf und Skating im Wintersportbereich dazu", erzählt er.

Während der Bus langsam weiterfährt, tut sich die Sicht auf Feldberg und Seebuck auf – es herrschen optimale Bedingungen. Dennoch, "wir spüren den Klimawandel", sagt Thomas Bührer. Das scheint angesichts des ganzen Schnees absurd, allerdings steht der Klimawandel nicht nur für Erwärmung. Am Feldberg zeigt er sich in Form von "deutlich mehr Niederschlägen und viel mehr Sturm", sagt Bührer. Die Winter werden kürzer und oft extremer mit teilweise viel mehr Schnee als früher oder mit Stürmen wie Lothar oder Kyrill.

"Die Technik beim Schneeschuhwandern ist, dass es keine Technik gibt." Willi Schnitter

Als der Bus schließlich mit fast drei Stunden Verspätung auf der Passhöhe hält, habe ich schon fast gar keine Lust mehr. Ich bin müde und erschöpft von der Fahrt und jetzt soll ich auch noch mehrere Stunden durch den Schnee stapfen.

Auf der Terrasse am Hotel Kokoschinski verteilt unser Schneeschuh-Guide Willi Schnitter Schneeschuhe und Stöcke, dann geht es auf die gegenüberliegende Straßenseite. So langsam habe ich wieder Lust auf die Tour. Inzwischen ist es Mittag und ich will endlich anfangen. Mit eiskalten Fingern schnalle ich die Schneeschuhe zu und bin startbereit. "Die Technik beim Schneeschuhwandern ist, dass es keine Technik gibt", erklärt Willi. Praktisch, denn so kann sich unsere Gruppe aus fast 20 Personen sofort in Bewegung setzen.

Spuren zeichnen im Schnee

Es geht im Gänsemarsch bergauf in den Wald hinein. Die Schneeschuhe an meinen Füßen sitzen ungewohnt locker und ich ziehe sie zur Sicherheit fester. Schon seit dem Anziehen bin ich froh, die Schneeschuhe zu tragen. Während ich noch damit beschäftigt war, den einen Schuh festzuzurren, sank ich mit dem anderen Fuß mit meinen Stiefeln knöcheltief in den Schnee ein. Auch auf der Tour hört es sich noch mehrfach so an, als sei der Schnee unter mir nur an der Oberfläche fest und ich bin froh, dass sich mein Gewicht durch die Schneeschuhe verteilt.

Wir wandern weiter durch den Wald, überqueren einen Bach und bleiben auf einer kleinen Lichtung stehen. Zum Glück scheint die Sonne, sonst würde ich es wohl nicht aushalten zu warten, so ist es aber gerade noch okay, wenn ich meine Finger die ganze Zeit in den Handschuhen bewege, während Willi erzählt.

Geschichten über Fauna und Flora

Wer das erste Mal auf Schneeschuhen unterwegs ist, der sollte auch wirklich eine geführte Tour machen, hat Thomas Bührer im Bus noch gesagt. Einerseits wegen des ständig wechselnden Wetters und dem damit verbundenen Sicherheitsrisiko, andererseits aber auch, "weil hier Naturschutzgebiet ist und es schädlich für die Tiere ist" die vorgegebenen Pfade zu verlassen.

Deswegen erzählt Guide Willi an dieser Stelle auch ausführlich über Flora und Fauna um uns herum und lässt auch witzige Geschichten nicht aus. So langsam wird die Tour immer angenehmer und macht wirklich Spaß, vor allem, als es jetzt den Hang durch Tiefschnee hochgeht. Immer wieder sinke ich ein Stück ein, aber ich freue mich über die Anstrengung – so bleibt es wenigstens warm.

War der Zwiebellook richtig?

An dieser Stelle ist es ausnahmsweise erlaubt querfeldein zu gehen, da hier kein Wild gefährdet werden könnte. Trotz Schneeschuhen ist es anstrengend durch den Tiefschnee zu stapfen, aber es ist auch wunderschön, die erste Person zu sein, die Spuren in die unberührte Schneedecke zeichnet.
Nach dem Anstieg ist erst einmal Verschnaufpause angesagt. Ich bin ein wenig außer Atem, denn es ist warm geworden und ganz kurz zweifle ich daran, ob mein Zwiebellook aus zwei Shirts, Pulli und Wintermantel obenrum und Thermostrumpfhose, Wollsocken und Jeans nicht doch etwas zu warm war.

Von der Stelle, an der wir warten, ist die Sicht perfekt. Willi zeigt einige Gipfel der Alpen. "Es ist so schön", höre ich von mehreren Gruppenteilnehmern – fast schon eine Untertreibung.

Weiter geht es über Seebuck-Gipfel, durch das Grübele und dann auf den Feldberggipfel. "Es ist ungewöhnlich windstill, ihr habt wirklich Glück heute", sagt Willi. Kein Wunder, dass so viel los ist. Zahlreiche Ski- und Snowboardfahrer, aber auch Wanderer mit und ohne Schneeschuhe, Langläufer und Rodler sind unterwegs. Ich vermisse schon die Idylle des Waldes, jetzt geht es aber erst einmal weiter zur Todtnauer Hütte für die Einkehr.

Wohlverdiente Pause nach der Hälfte der Tour

Meine Füße tauen langsam auf, während ich in der Hütte sitze und meine Hände an einem Tee wärme. Die Pause tut gut, dabei sind wir gerade erst vier Kilometer gewandert. Mit Schneeschuhen ist es dann doch irgendwie anstrengender.

Nach unserer Pause ist es schon Nachmittag und spürbar kühler. Da der Bus wartet, machen wir uns nur noch zügig auf den Rückweg. Schade eigentlich, ich hätte gerne noch ein wenig den Schnee genossen. Meine Eisfüße raten mir aber eher dazu, weiter zu gehen.

"Dort unten findet in ein paar Wochen der FIS-Skisprung-Weltcup statt", erklärt Willi und zeigt ins Tal. Die Aussicht ist grandios und im Westen färbt sich der Himmel bei der untergehenden Sonne rot-orange. Es ist ein schöner Abschluss, eine Entschädigung für den holprigen Start.

7,5 Kilometer Wanderung

Unten angekommen schnallen wir die Schneeschuhe ab, Thomas Bührer ist schon da und verpackt sie in Kisten. Die Sonne ist inzwischen untergegangen und die Bässe von Après-Ski-Musik hallen über die Passhöhe. Ich bin müde und erschöpft – nach 7,5 km Schneeschuhwanderung in knapp drei Stunden merkt man doch irgendwie, dass man etwas getan hat. Wobei es natürlich auch an meinem Lauftraining am Tag zuvor liegen könnte. Dennoch war es ein tolles Erlebnis, das ich definitiv wiederholen möchte.

Auch dem italienischen Erasmus-Studenten Simone Riga, hat die Tour gefallen. "Es sind meine letzten Wochen in Freiburg, da wollte ich einmal eine Wanderung im Schnee machen", erzählt er. Die Landschaft und die Tour seien "wirklich wunderschön" gewesen – da kann ich ihm nur zustimmen.

Studierende können geführte Schneeschuhtouren am Besten über das Studierendenwerk Freiburg buchen , für alle anderen erfolgt die Buchung direkt über Blackforest Magic.
  • Was: Schneeschuhwandern auf dem Feldberg
  • Wann: immer samstags und sonntags, Treffpunkt ist 9.30 Uhr in Feldberg
  • Wo: Black Forest Magic – August-Euler-Platz 1 – 79868 Feldberg (Schwarzwald)
  • Kosten: 35 Euro inklusive Ausrüstung, Studierende zahlen über das SWFR 27 Euro

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