Selbstversuch: Kontrabass lernen - in 20 Minuten

Nora Ederer

Irre Idee der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg: Im Rahmen ihres Workshop-Tages "iCreate" sollten Interessierte in 20 Minuten ein Instrument lernen. Ein Selbstversuch am Kontrabass:



Begonnen hat alles mit der Blockflöte. Die Karriere war kurz und ist dann schnell gescheitert. Besser lief es mit dem Klavier. Acht Jahre lang hatte ich Unterricht. Besonders talentiert war ich zwar nie, Spaß hat es aber immer gemacht.


Nun will ich Kontrabass lernen. Die Idee: In 20 Minuten will die Hochschule für Kunst, Design und Musik in Freiburg Lernwilligen so viel beibringen, wie das in der kurzen Zeit möglich ist. Mein Lehrer für das Experiment ist der Bassist Bernd Heitzler. Er trägt Hut, hellblaues Hemd, Jeans und Converse –  ein lässiger Typ um die 50. Neben Kontrabass spielt Heitzler professionell E-Bass und unterrichtet an verschiedenen Hochschulen.

Ich bin die erste von seinen drei Schülerinnen an diesem Nachmittag. Der Proberaum befindet sich im zweiten Stock eines unscheinbaren Gebäudes in der Haslacher Straße. Grauer Teppichboden, gelbe Wände, ein E-Piano und zwei Sofas. Die Jalousien sind heruntergefahren. Es ist warm und etwas stickig. Heitzler holt seinen Kontrabass aus dem Schrank und ich bin überrascht wie groß das Instrument dann tatsächlich ist. Zugegeben, ich bin mit meinen 1,64 m nicht die Größte, aber ein bisschen handlicher hätte ich mir einen Kontrabass schon vorgestellt. Hetzler erklärt mir, dass es bei Kontrabässen grundsätzlich nur eine Größe gibt. Das sei vor allem bei Kindern (oder kleinen Menschen) von Nachteil.

Körper aufrichten, Po anspannen!

Bevor es mit dem Spielen losgeht, zeigt er mir die richtige Haltung. Stabiler Stand. Dann das Gewicht auf den linken Fuß verlagern. So kann ich mit dem rechten Fuß beim Spielen mitwippen. Den Kontrabass schräg gegen die linke Hüfte lehnen. Dann den ganzen Körper aufrichten und den Po anspannen – dadurch erzeuge ich einen gewissen Gegendruck und wenn alles stimmt, bleibt das Instrument stehen ohne dass ich es festhalte. Was für mich zunächst ein bisschen ungewohnt ist, ist die Nähe zum Instrument. Vom Klavierspielen bin ich eine gewisse Distanz gewohnt. Beim Kontrabass ist das anders.

Als nächstes erklärt mir Heitzler die verschiedenen Zupftechniken. Einerseits gibt es das klassische "pizzicato". Dabei greife ich mit dem rechten Zeige- oder Mittelfinger unter die Saite, sodass sie auf- und abschwingt. Daneben gibt es den angelegten Anschlag. Er wird vor allem in der Pop- und Jazzmusik verwendet und klingt weicher. Dafür streiche ich von links nach rechts über die Saite. Damit ich dabei nicht auch die danebenliegenden Saiten in Schwingung versetzte, dämpfe ich sie mit der linken Hand ab, indem ich die anderen Saiten am Instrumentenhals nach untern drücke. Anfangs finde ich es schwierig, beim angelegten Anschlag nicht zu sehr unter die Saite zu greifen und "pizzicato" zu spielen. Das kräftige Anschlagen geht auch ganz schön in die Finger. 

"With or without you" ist mein Stück - von U2

Nachdem ich ein paar Minuten lang geübt habe, im Takt von einer Saite zur anderen zu wechseln, sucht Heitzler auf seinem Laptop die Melodie der ersten Takte von U2s "With or Without You". Ich soll den Bass dazu spielen. "Beim Bass ist man halt immer auf andere angewiesen", sagt Heitzler. "Aber auch die anderen haben ja etwas davon. Ohne Bass würde einfach etwas fehlen." Das Originaltempo von "With or Without You" ist zunächst ein bisschen zu schnell für mich, aber mit der Zeit gelingt es mir im Takt zu bleiben.

Einsundzweiunddreiundvier und einsundzweiunddreiundvier – ich muss mich ganz schön konzentrieren. Oft vergesse ich auch die nötige Körperspannung zu halten und sacke zusammen. Dann klingen die Töne zu dumpf. Aber mit ein bisschen mehr Übung würde ich das sicherlich hinbekommen.

Insgesamt habe ich einen guten Einblick in das Bassspielen gewonnen. Wirklich spielen kann ich natürlich noch nicht, aber es hat viel Spaß gemacht. Vor allem habe ich aber wieder Lust bekommen, mehr Klavier zu üben.



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