Selbstversuch: Kann man in einer Stunde Beatboxen lernen?

Lisa Göllert

Beatboxer erzeugen Sounds, die kaum vom wirklichen Instrument zu unterscheiden sind. Kann man das in einer Stunde lernen? fudder-Autorin Lisa Göllert stellt sich dem Selbstversuch – und merkt, dass sie wohl doch nicht die nächste Nicki Minaj ist.

Ich und Beatboxen? Niemals!

Beatboxen: Versuchen da nicht ein paar Typen die Töne von Instrumenten nachzumachen? Zugegeben, mein Wissen über Beatboxen hält sich in Grenzen. Ich bin nicht mal musikalisch, wie soll ich eine Gitarre oder ein Schlagzeug imitieren? Und doch stellt sich meine eingerostete Artikulation dem Selbsttest des Beatboxen.

Die Übungsstunde

Das Tonstudio meines Beatbox-Lehrers Julian Knörzer ist gemütlich, aber funktional eingerichtet: Sofa, Mikro und Keyboard. An der Wand hängt eine weiße Tafel und ein Poster von seiner Band Accoustic Instinct. Genauso leger in Kapuzenpulli, Jeans und Sneakers empfängt mich Julian. Irgendwie fühle ich mich wie eine Spießerin in Rock und karierter Bluse – die absolute Anti-Hip-Hopperin, die Radiohörerin, die bis vor ein paar Monaten nicht mal 187 Strassenbande kannte.

Es konnte nur peinlich werden

Und die Übungsstunde fängt gleich etwas holprig an: "Erklär mir doch mal, aus was ein Schlagzeug aufgebaut ist. Das ist wesentlich für das Beatboxen", sagt er. Mein Hirn rattert. Es konnte nur peinlich werden. Zum Glück hilft mir Julian: "Beim Beatboxen werden vor allem die Klänge des Schlagzeugs imitiert. Also die Bassdrum, Snaredrum und die Hi-Hat. Die Bassdrum ist die größte Trommel, die Kleinere ist die Snaredrum. Hi-Hat werden die zwei Becken genannt, die mit den Sticks der Schlagzeuger gespielt werden. Die Bassdrum erzeugt den tiefsten Ton, die Hi-Hat hat die höchste Frequenz."

"Du presst deine Lippen aufeinander, so dass diese vibrieren, und lässt die Luft explosionsartig entweichen." Julian Knörzer
Zur Veranschaulichung malt Julian den Viertvierteltakt auf die weiße Tafel, den wir zusammen üben wollen. "Für die Bassdrum ist es wichtig, dass du nur die angestaute Luft aus dem Mund für die Sounds verwendest. Du presst deine Lippen aufeinander, so dass diese vibrieren, und lässt die Luft explosionsartig entweichen. Der Sound klingt ähnlich wie der Buchstabe B."



Bei ihm sieht das irgendwie so leicht aus. Er drückt mir das Mikro in die Hand und ich lasse meinen kläglichen Bassdrum-Sound ertönen. Der klingt zugegeben eher nach einem Spuckgeräusch als nach der tiefsten Schlagzeugtrommel. Aber Julian bleibt geduldig. "Um einen richtigen Beat zu basteln, kommen jetzt noch die Sounds der Snaredrum und der Hi-Hat dazu. Eine Variante der Snaredrum klingt ähnlich wie der Buchstabe K, die kurze Hi-Hat wie ein T." Immerhin schaffe ich es bei unserem Beat im Takt zu bleiben – die Luft bleibt mir aber schnell weg.

Beatboxen: Woher kommt das?

Beim Ursprung von Beatboxen denke ich stereotypisch an Hip Hop, New York, die Bronx. Julian erklärt mir: "Nachahmung von Sounds der Musikinstrumente kann man schon im Jazz und sogar grob in afrikanischer Musik vorfinden. Beatboxen, wie man es heute kennt, kommt allerdings wirklich aus dem Hip Hop. Als Leute damals Hip-Hop-Beats nachmachen wollten, hatten sie häufig keinen Plattenspieler oder Drum-Computer, und haben versucht, die Sounds mit Mund und Stimme zu imitieren. Beatbox steht somit umgangssprachlich für den Drum-Computer, der die Bässe erzeugt hat. Heutzutage sind Beatboxer aber nicht mehr reine Hip-Hopper – es gibt beispielsweise auch Einflüsse aus der elektronischen Musik."

Fazit

Nach einer Stunde steht für mich fest: Beatboxen ist nicht so leicht, wie es bei den Profis aussieht. Obwohl ich im Takt bleibe, waren meine Sounds meistens eher Fremdschämen als wirkliche Beats. Leider steckt also doch nicht mehr Nicki Minaj in mir als erwartet. Somit macht Übung wohl den Meister – und aller Anfang ist ja bekanntlich schwer. Lustig war es trotzdem.
Zur Person:

Julian Knörzer ist ein echter Freiburger und beatboxt schon seit über 15 Jahren. Der 31-Jährige hat schon immer gern Beats und Rhytmen imitiert, und ist schlussendlich über den Hip Hop zum Beatboxen gekommen. Der hauptberufliche Musiker ist in zwei Bands aktiv: dem Beatbox-Duo Accoustic Instinct und der A-Capella-Band Unduzo. Die Sounds dafür produziert er in seinem Tonstudio im Kulturbahnhof in St. Georgen. Ansonsten unterrichtet er an der Musikhochschule in Freiburg Beatbox und Gesang. Für Interessierte gibt Julian Beatbox-Workshops auf Anfrage.


Beatbox-Profi Julian Knörzer: www.julianknoerzer.de

Kulturbahnhof St. Georgen: www.kulba-freiburg.com/das-kollektiv

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