Selbstversuch Floating: Entspannung wie im Mutterleib?

Felix Klingel

Im Salzwasser schweben, bei absoluter Dunkelheit und Stille: Floating-Tanks versprechen Entspannung und Geborgenheit "wie im Mutterleib". Felix hat sich in einen Tank in Freiburg gelegt – und herausgefunden, was man darin besser nicht machen sollte.

Meine Augen brennen wie Hölle! Ich reiße sie auf – es ist stockduster. Blind taste ich nach einem Waschlappen, finde ihn und reibe mir die Augen aus. Langsam vergeht der Schmerz – was bleibt ist das Adrenalin. Ich lege mich zurück ins Wasser. Das soll also entspannend sein?


Ich liege in einem sogenannten Floating Tank. Frei schwebend in 600 Liter Wasser, also etwa zwei Badewannen voll. 350 Kilogramm Salz sind darin gelöst. Das Salz brennt heftig, wenn man etwas ins Auge bekommt – das sollte man vermeiden. Um mich herum ist es komplett duster und still. Das Wasser hat Körpertemperatur. Durch den Reizentzug soll man in eine Art Trance verfallen, die gegen Allerlei helfen soll: Stress, Verspannungen im Körper, hoher Blutdruck, Rheuma, Kreativlosigkeit und so weiter.

Der einzige Floating-Tank in Freiburg steht in der Eisenbahnstraße neben dem Colombi-Park in der Gesundheitspraxis Prana von Heilpraktiker Sven Kühnöl. 30.000 Euro kostet so ein Tank. Er ist eiförmig und deutlich größer, als er auf Bildern erscheint.

So sieht die Prana-Praxis von innen aus:



Sven Kühnöl gibt mir eine Einweisung: 50 Minuten soll ich mich einfach reinlegen, nichts tun, mich entspannen. "Eine Stunde im Tank sind wie 5 Stunden Tiefschlaf", sagt er, man fühle sich "geborgen wie im Mutterleib". Neben dem Tank stehen CDs wie "Meditation pur. Heilsame Klänge für tiefe Entspannung". OK, das reicht mir schon an Esoterik – ab in den Tank.

Wer schon im Toten Meer gebadet hat, weiß wie sich das Schweben im Salzwasser anfühlt: Am Anfang irgendwie befremdlich. Nicht so bequem, wie man gedacht hat. Nach ein paar Minuten kann man sich aber darauf einlassen. Die komplette Schwerelosigkeit stelle ich mir aber anders vor.

Statt Entspannung stellt sich Langeweile ein

Dann ist man also mit sich alleine. Zuerst stellt sich keine Entspannung ein, sondern Langeweile. Und was nun? Es ist ein bisschen wie vor dem Einschlafen, wenn einem tausend Gedanken durch den Kopf gehen. War’s das schon?

Das Floating kommt ursprünglich aus den USA. Der Gehirnforscher John C. Lilly entwickelte den ersten Floating-Tank Mitte der 50er Jahre. Er wollte widerlegen, dass der Mensch bei Reizentzug seinen Verstand verliert – das glaubten einige seiner Kollegen. Also zimmerte sich Lilly einen Tank und legte sich hinein. Statt den Verstand zu verlieren bemerkte er einen eigenartigen Entspannungszustand.

Auf LSD in den Tank?

In den 60er und 70er Jahren kamen dann einige Hippies auf die Idee, ihr Floating-Erlebnis mit diversen psychedelischen Drogen zu erweitern. Auch dem Erfinder Lilly schreibt man solche Experimente zu. Auf LSD, Pilzen oder Ketamin in den Tank? Anfragen in diese Richtung habe er schon bekommen, sagt Sven Kühnöl. "Ich würde aber keinen unter Drogen in den Tank lassen – wer weiß was für einen Film die schieben". Tatsächlich gibt es sogar einen Horror-Film aus den 80ern, der sich um Bad-Trips in Floating Tanks dreht.

Video: So sieht der Horror-Trip in einem Floating Tank im Film "Alterd States" aus.



Angeblich kann es auch ohne Drogen in den Tanks zu Halluzinationen kommen. Was sich das Gehirn eben so zusammen spinnt, wenn es keine äußeren Einflüsse mehr zu verarbeiten hat. Ich bekomme davon allerdings wenig zu sehen. Hier und da ein Lichtblitz vor dem inneren Auge – das war’s schon fast. Einmal denke ich kurz durch ein Sternenfeld zu fliegen. Es sieht so aus wie auf einem alten Windows 98-Bildschirmschoner. Das Bild verschwindet aber schnell wieder und alles was ich sehe ist: Schwarz.

"Welche Erfahrungen man im Tank macht, hängt auch damit zusammen, mit welcher Einstellung man reingeht", sagt Sven Kühnöl. Außerdem sei es wichtig, sich zu entspannen – wer zu sehr auf etwas wartet, hat es schwer. Vielleicht habe ich wirklich nicht die besten Voraussetzungen mitgebracht: Ich komme gestresst aus dem Büro und weiß, dass ich einen Artikel schreiben will. Also warte ich im Tank darauf, dass etwas passiert und versuche mir alles zu merken.

Am Ende ist man doch entspannt

Als ein hell blinkendes Licht mich darauf hinweist, dass 50 Minuten vergangen sind, würde ich trotzdem gerne noch im Tank bleiben. Alles da draußen erscheint irgendwie fremd und kalt – der leichte Nieselregen vor dem Fenster macht alles noch schlimmer. Der Mutterbauch-Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt – aber trotzdem befremdlich. Entspannt bin ich allerdings , der Stress des Tages ist fast vergessen.

Überraschend ist außerdem, wie schnell die Zeit vergangen ist: 50 Minuten Nichts-Tun – im Voraus habe ich mir das langweilig vorgestellt. Tatsächlich gerät man im Floating-Tank in einen Zustand, in welchem man die Zeit fast vergisst. Irgendwas zwischen Schlafen und Wachsein – auf jeden Fall entspannt.
Info

Floaten kann man in Freiburg in der Gesundheitspraxis Prana. 30 Minuten im Tank kosten 38 Euro, eine Stunde gibt es für 58 Euro. Studierende und Schüler erhalten eine Stunde für 39 Euro. Außerdem können Massagen vor dem Floaten gebucht werden. Wer etwas besonderes möchte, kann auch das Hypno-Floating ausprobieren, das mit hypnotischer Begleitung abläuft.

Inhaber der Praxis ist Sven Kühnöl, der zuvor lange Zeit im Marketing-Bereich gearbeitet hat. Nach einem Burn-Out hat er gekündigt und ist sechs Monate durch Indien gereist. Dort hat er die traditionelle Heilkunst Ayurveda kennengelernt und sich entschieden, die Praxis in Freiburg zu eröffnen.

Mehr Informationen auf der Website von Prana Freiburg