Bonndorf / Freiburg

Selbstversuch: Ein Leben ohne Handy – geht das?

Philip Schäuble

Unser Mitarbeiter Philip Schäuble macht den Selbstversuch und schließt sein Smartphone eine Woche lang weg. Der 19-jährige Bonndorfer ist skeptisch. Lässt sich der Alltag noch managen?

"Ich bin gespannt auf den Moment, in dem ich eine Telefonzelle suchen muss!" Diesen Satz sagte ich aus Spaß zu den meisten Leuten, denen ich von meinem Experiment "eine Woche ohne Handy" erzählte. Die Reaktionen waren mehr oder weniger dieselben. "Haha ja genau! Viel Spaß beim Suchen!" "Gibt es das überhaupt noch?" Es soll wohl noch welche geben, in Bonndorf ist mir allerdings keine bekannt.


Eine Woche ohne Handy. Als mir die BZ-Redaktion diesen Selbstversuch vorschlug, war ich zunächst skeptisch. Das Erste, was mir in den Sinn kam, war die Frage: Wie soll ich ohne Handy meinen Alltag organisieren? Planung, Absprachen, Kontaktpflege, Informationssuche und Freizeitbeschäftigung – all das findet inzwischen hauptsächlich über das Handy statt. Schnell, flexibel und einfach. Ohne Handy wäre das alles überaus kompliziert.

Will ich mir das wirklich eine Woche antun?

Nachdem ich einige Zeit überlegt und mich mit ein paar Freunden darüber unterhalten hatte, entschied ich mich, den Selbstversuch anzunehmen. Eine sehr gute Freundin entschloss sich sogar, sich mir anzuschließen. Unser Ehrgeiz war geweckt. Zum einen freuten wir uns darauf, nicht immer und überall erreichbar zu sein und zum anderen wollten wir uns beweisen, dass wir nicht auf das Handy angewiesen sind. Es muss möglich sein, ohne Handy zu überleben. Der Versuch begann am Sonntag, 11. November. Ich gab mein Handy in der BZ-Redaktion ab.

Bevor es jedoch so weit war, musste ich noch die eine oder andere Vorbereitung treffen. Unser Alltag ist schlicht und einfach nicht mehr darauf ausgelegt, dass man ohne Vorbereitung sein Smartphone für eine Woche beiseite legen kann. Man muss den wichtigsten Kontakten Bescheid geben, weshalb man "weg" ist, damit sie nicht besorgt oder verärgert sind. Damit man weiterhin seinen Alltag organisieren und sich mit anderen absprechen kann, muss der inzwischen schon etwas eingeschlafene Kommunikationsweg des Haustelefones reaktiviert werden.

Nummern müssen aufgeschrieben werden

Dazu müssen aber erstmal die wichtigsten Nummern aufgeschrieben werden. Schließlich sind diese ja auch ausschließlich im Handy gespeichert. Ist die Kommunikation dann sichergestellt, gilt es all die Gegenstände wieder zusammenzusuchen, die Stück für Stück durch das Smartphone ersetzt wurden. Allen voran der Wecker.

Am Tag 1, durch ein ungewohntes Geräusch aus dem Schlaf gerissen, versuche ich, den noch unbekannten Wecker und seinen grässlichen Ton auszuschalten. Missmutig stelle ich fest, dass das Ding sieben Minuten zu früh geklingelt hat, weil ich den Zeiger für die Weckzeit nicht exakt auf die volle Stunde gestellt habe. Fünf Minuten später klingelt er noch einmal. Ich hatte ihn unabsichtlich nur auf "schlummern" gestellt. Etwas genervt von diesem neuen alten Wecker starte ich in die handyfreie Woche. Beim Frühstück hellt meine Stimmung auf. Nachdem ich ein paar mal erfolglos reflexartig mein Handy in der Hosentasche suchen wollte und mich schließlich damit abgefunden habe, mich auf meine Armbanduhr verlassen zu müssen, beginne ich mich auf die handyfreie Zeit zu freuen.

Überweisungsträger zur Bank fahren

Kein Multitasking, keine Informationen und Nachrichten, mit denen man sich schon beim Frühstück beschäftigen muss, und vor allem kein ständiger Blick auf den Bildschirm. Da ich den Tag über viel zu tun habe, vermisse ich das Handy kaum. Auch die sozialen Medien fehlen mir nicht unbedingt, weil ich sie auch ansonsten wenig zum aktiven Zeitvertreib nutze. Vielmehr wird mir bewusst, wie viele Funktionen ein Smartphone auf sich vereint. Die 10 Euro für das Parken ohne Parkscheibe kann ich nicht per Banking-App überweisen, sondern muss nach einem Überweisungsträger suchen, alle Daten eintragen und zur Bank fahren, um ihn einzuwerfen.



Die Vorbereitungen meiner Freundin sahen ähnlich aus. Nummern notieren, Freunde informieren und Termine in den Kalender eintragen. Da sie allerdings noch zur Schule geht, musste sie vor allem auf den digitalen Vertretungsplan verzichten. Die Frage, ob die ersten beiden Stunden entfallen und man länger schlafen kann, beantwortete sich erst in der Schule, wenn man vor dem ausgedruckten Vertretungsplan stand. Um noch einmal ins Bett zu liegen, ist es dann bereits zu spät.

Gefühl der Entspannung und Entschleunigung

Als wir am Abend des ersten Tages telefonierten, waren wir uns einig. Ein Tag ohne Handy ist vor allem eines: entspannt. Zwar machte es vor allem am Morgen noch nervös, sich nicht noch einmal vergewissern zu können, ob die vereinbarte Uhrzeit noch gilt, oder nicht, und das Gefühl zu haben, sich auf spontane Planänderungen nicht einstellen zu können. Allerdings wich diese Nervosität im Laufe des Tages zunehmend einem Gefühl der Entspannung und Entschleunigung. Die vielen reflexartigen Blicke auf den Sperrbildschirm fielen weg und eine Masse an unnötigen Informationen zogen an einem vorbei und das Gefühl, etwas zu verpassen, hörte auf. Man könnte fast sagen, man begann wieder, im hier und jetzt anzukommen und sich zu verabschieden, von der allgegenwärtigen Omnipräsenz durch das Smartphone.
Der Autor

Philip Schäuble ist 19 Jahre alt, wohnt in Bonndorf und hat am Kolleg in St. Blasien sein Abitur gemacht. Derzeit studiert der junge Mann in Freiburg.

Am nächsten Tag besuchte ich einen Freund in Tettnang am Bodensee, um mit ihm unsere gemeinsame Reise auf die Philippinen zu planen. Den Termin hatten wir bereits in der vorherigen Woche vereinbart und diese Verabredung galt. Bevor ich mich ins Auto setzte, um loszufahren, packte ich sicherheitshalber unser altes Familiennavi mit ein. Normalerweise hätte ich mich blind auf das Handynavi verlassen und gar nicht erst versucht, den Weg komplett alleine zu finden.

Da ich das Smartphone aber ohnehin nicht benutzen konnte, versuchte ich, mein Ziel nur mithilfe der Straßenschilder zu finden. Es klappte ohne große Probleme. Gleichzeitig stellte meine Freundin in der Schule fest, dass man nicht mehr einfach Heftaufschriebe abfotografieren oder seinen Freunden schicken kann. Um einer Freundin zum Geburtstag zu gratulieren, musste sie – anstatt eine Nachricht über WhatsApp zu schicken – bei ihr anrufen. Auf diese Weise ergab sich ein nettes Telefonat, welches eben mehr bedeutet, als auf der Busfahrt nach Hause noch kurz Glückwünsche zu versenden. Fortsetzung folgt.