Ende der Fastenzeit

Selbstversuch: Bringt Fasten überhaupt noch etwas?

Leona Strohm

Früher wollte man mit dem Fasten das Gespräch mit Gott suchen. Heute hat es oft andere Gründe, warum Menschen in der Fastenzeit Verzicht üben. Doch verliert die Tradition damit nicht Sinn und Zweck? Unsere Autorin hat 6 Wochen auf Fleisch verzichtet.

40 Tage, knapp 6 Wochen oder 1,3 Monate. Egal wie man diesen Zeitraum ausdrückt, es ist im Jahr eine recht kurze Zeit, die mir bei meinem Verzicht auf Fisch und Fleisch aber länger vorkommt. Ich spreche von der Phase zwischen Aschermittwoch und Ostern: eben der Fastenzeit.


Wenn wir heute von der Fastenzeit reden, dann müssen wir uns zunächst überlegen, welche wir eigentlich meinen. Die Zeit des islamischen Fastens, also dem Ramadan? Des Fastens, das nur aus Suppen und Säften besteht? Oder sprechen wir von der christlichen Fastenphase, in der man 40 Tage auf etwas Wichtiges in seinem Leben verzichtet?

Was bringt Fasten heute noch?

Ich habe mich mit Letzterem beschäftigt und wollte wissen, ob der eigentliche Grund dahinter immer noch präsent ist und ob wir das Fasten noch genauso praktizieren wie früher. Die Antwort ist pauschal gesagt: Nein. Doch was bringt es uns dann heutzutage noch?

Das traditionelle Fasten, das an die 40 Tage Wüstenaufenthalt von Jesus erinnern soll, bezieht sich auf den Verzicht von Fleisch. Früher ging es vor allem darum, Dingen zu entsagen, die dem Glauben im Weg stehen. Man sollte durch die Enthaltung in ein Gespräch mit Gott kommen, dem man seine Fragen stellen kann.

Oft geht es nur um schlechte Angewohnheiten

Mittlerweile geht es eher um den bewussten Verzicht auf Konsumgüter. Das Fasten soll uns weniger in die fragende Haltung vor Gott bringen, sondern zu uns selbst. Wir stellen uns also die Frage, was passieren würde, wenn wir nicht unseren gewohnten Alltag erleben. Damit kann bei übermäßigem Fleischkonsum ebenso auf Fleisch verzichtet werden. Heutzutage möchte man sich aber eher von schlechten Angewohnheiten wie dem Rauchen, dem Internet oder - wie es bei Kindern oft der Fall ist – den Süßigkeiten entfernen.

Aber erfüllt diese neue Form des Fastens denn auch wirklich ihren Zweck? Meine Familie ist nicht streng religiös und doch war uns das Fasten seit ich klein war sehr wichtig, weshalb wir es jedes Jahr in unseren Alltag integrierten.

Auf Fleisch zu verzichten, war für mich nicht die anspruchsvollste Aufgabe

Dieses Jahr hatte ich mich für die traditionelle Weise entschieden, und verzichtete bis Karfreitag auf Fleisch jeglicher Art, aber auch zusätzlich auf Fisch. Tatsächlich war diese Form der Abstinenz weniger problematisch, als ich zunächst dachte. Das liegt auch daran, dass ich auch ohne das Fasten – wenn überhaupt – nur einmal die Woche Fleisch oder Fisch esse. Es war also nicht die anspruchsvollste Aufgabe. Dennoch konnte ich in meinem Alltag einige Schwierigkeiten erkennen.

Vor allem beim Einkaufen musste ich mir anfangs relativ oft vor Augen führen, dass ich momentan faste. Dabei war es für mich schwieriger am Fisch vorbeizulaufen und mir zu überlegen, was ich stattdessen essen könnte, als die Blicke von der Fleischtheke zu lassen. Es hatte aber genauso seine Vorteile mit der "kein Fisch/Fleisch"-Einstellung in die Lebensmittelgeschäfte zu gehen. Ich habe mich bewusst nach vegetarischen Alternativen umgeschaut und mich an Tofu-Hackfleisch und Sojabällchen probiert.

Hat das Fasten mir nun geholfen, mich der Lebensmittel bewusster zu werden?

Auch beim auswärtigen Essen, fand meine vegetarische Seite ganz neue kulinarische Eindrücke. Ich denke, ich hätte mich vorher nicht für den Veggieburger entschieden, der durch den frittierten Blumenkohltaler viel saftiger schmeckte. Hat das Fasten mir nun geholfen, mich der Lebensmittel bewusster zu werden? Ich habe tatsächlich das ein oder andere Mal darüber nachgedacht, ob ich nicht Vegetarier werden sollte. Aber in dem Punkt bin ich noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Ich kann schon jetzt sagen, dass der Verzicht wohl um einiges anspruchsvoller wäre, wenn man auf sein Handy oder das Internet verzichten würde.
Aber seien wir mal ehrlich: Könnten wir das überhaupt?

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