Selbstversuch Biathlon: Jeder Schuss ein kleiner Adrenalinkick

Maike Sommer

Ausatmen, konzentrieren, schießen: Und das alles nach einem anstrengendem Langlauf mit Skiern. Biathlon fordert Ausdauer und die Konzentration – und ist vielleicht deswegen so beliebt. Unsere Autorin hat die Sportart ausprobiert.

Athleten und Athletinnen im Biathlon haben bereits seit längerer Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland. Spitzensportler wie Magdalena Neuner, Kathi Wilhelm oder Laura Dahlmeier sind inzwischen über die Sportart bekannt. Dadurch ist das Interesse gestiegen, den Biathlonsport auch selbst kennenzulernen. In einem zweieinhalbstündigen Schnupperkurs kann man sich im Loipenzentrum am Notschrei in der Kombination aus Langlaufen und Schießen versuchen. Ich habe an dem Kurs teilgenommen – kann mich das Biathlon-Fieber anstecken?


Das Loipenzentrum, in dem auch Weltmeister Benedikt Doll ergänzend trainiert, befindet sich bei der Nordic-Schule in Todtnau und ist mit dem Bus ab Freiburg erreichbar. Langlaufausrüstung, zu welcher Ski, Schuhe und Stöcke gehören, kann man entweder selbst mitbringen oder tageweise ausleihen. Im Biathlonkurs ist das Langlaufen sowohl in der klassischen als auch in der Skatingtechnik möglich.

Das Skaten ist anstrengender als es aussieht

Ich habe mich wie im professionellen Biathlonsport für das Skaten entschieden. Mit zwei Trainern und in einer Gruppe von 14 Teilnehmern, bestehend aus Langlaufanfängern und Fortgeschrittenen, beginnt der Kurs direkt praktisch, indem wir bis zum Stadion und dem Schießstand skaten sollten. Das ging nicht so schnell wie erwartet. Nach einem Sturz direkt zu Beginn musste ich erst einmal ein Gefühl für die Langlaufskier entwickeln und die leichten Steigungen auf der Strecke waren ohne Technikkenntnisse schwierig und anstrengend.

Langlaufskier sind schmaler, leichter und länger als Alpinski und haben keine Kanten. Ist man das alpine Skifahren gewöhnt, muss man erst mal seine Balance auf den Brettern finden und lernen, das Skilaufen mit dem Stockeinsatz zu kombinieren und zu koordinieren.

Kraft sparen ist angesagt, denn die braucht man später noch

Trainerin Melanie Müller, ehemalige Profilangläuferin und Sportmanagement-Studentin, gibt hilfreiche Tipps: Beim Skaten soll die Ferse des Fußes, der in der Luft ist, nah an der Verse des gleitenden Skis geführt werden. Außerdem ist es wichtig möglichst kraftsparend zu laufen, um noch Kraft für die restliche Strecke übrig zu haben. Dafür soll man die Gleitbewegung des Skis möglich lange halten, um Oberschenkelmuskulatur-beanspruchende kleine Schritte zu vermeiden.

Außerdem hat man in der Regel ein bevorzugtes Bein, auf dieser Seite kann man sich mit dem Stock stärker abstützen, um die Gleitbewegung länger auszuführen. Dadurch ist es einfacher, Hänge hinauf zu steigen. Allerdings habe ich die Steigungen trotzdem als sehr anstrengend empfunden. Die richtige Technik zu erlernen braucht Zeit und Übung.

Wir schießen mit Laser – statt mit Munition

Angekommen beim Schießstand erklärte uns Müller die Anlage. Geschossen wird wie in einem richtigen Biathlon- Wettkampf aus einer Entfernung von 50 Metern auf fünf schwarze Scheiben. Im Stehendschießen haben diese Scheiben einen Durchmesser von 11,5 Zentimeter, im Liegendschießen 4,5 Zentimeter.

Aus Übungszwecken haben wir erst einmal nur auf die größeren Scheiben gezielt. Die Waffen sind Kleinkalibergewehre, für die man normalerweise einen Waffenschein benötigt. Statt mit Munition haben wir allerdings nur mit Lasern geschossen. Um die Schüsse möglichst realitätsgetreu zu initiieren gibt es im Stadion Lautsprecher, die bei einem Treffer den Sound der Munition auf die Scheibe verlauten lassen.

Ausatmen, konzertieren, schießen

Während des Liegendanschlages liege ich auf einer Matte auf dem Schnee, als Hilfestellung verwenden wir am Anfang Holzblöcke, auf die wir die Waffen ablegen können. Später probieren wir das Schießen auch ohne Hilfsmittel. Es gibt sowohl Rechts- als auch Linkshändergewehre, aber wichtiger als die favorisierte Hand ist es, ob man besser das rechte oder das linke Auge zukneifen kann, um das Ziel anzuvisieren.

Die Waffe ist mit fünf Schuss geladen, Nachlader ermöglichen weitere 5 Schüsse. Vor jedem Schuss muss man repetieren. Ich schaue durch das Visier, atme aus, bleibe ruhig und ziele vor meinem nächsten Atemzug auf die Scheibe. Diese klappt runter. Das hat besser funktioniert als erwartet.

Jeder Schuss ein kleiner Adrenalinkick

Mir persönlich hat das Schießen sehr viel Spaß gemacht, es erfordert viel Konzentration und Nervenstärke und das kurze Bangen, ob die Scheibe fällt oder nicht ist ein kleiner Adrenalinkick. Die Kombination aus Ausdauer, Kondition und Technik beim Langlaufen und die Notwendigkeit von Präzision und Ruhe beim Schießen machen für mich den Reiz des Biathlons aus.

Besonders nach dem Laufen den Puls schnell wieder zu beruhigen um zielgerichtete Schüsse setzen zu können ist viel schwieriger als es aussieht. Das Liegendschießen war für mich einfacher als das Stehendschießen, liegend konnte ich einige Treffer erzielen während beim Stehen die Scheiben nicht fallen wollten.

Man landet immer mal wieder im Schnee

Nach dem Schießen folgte eine Einheit in der Skatingtechnik. Je länger ich auf den Brettern stand desto besser klappte es, aber dennoch bin ich einige Male im Schnee gelandet. Der Kurs endete mit einem Staffel-Wettkampf. Wir haben uns in drei Gruppen eingeteilt, eine Strecke von etwa 500 Metern und eine Strafrunde eingegrenzt und sind gegeneinander angetreten.

Für jeden Fehlschuss musste eine Strafrunde gelaufen werden, der nächste durfte erst loslaufen, nachdem er korrekt abgeschlagen wurde. Meine Zeit am Schießstand verbrachte ich angespannt. Mein Ehrgeiz war geweckt, wollte ich doch für mein Team eine gute Platzierung erlaufen. Mit einer Strafrunde konnte ich meine Teampartnerin abschlagen. Trotzdem stand in der Staffel natürlich der Spaß und nicht das Gewinnen im Fokus.
Der Biathlon Schnupperkurs findet jeden Samstag und Sonntag ab 14 Uhr statt. Er kostet 49 Euro. Wer die komplette Ausrüstung ausleihen möchte, muss dafür 15 Euro bezahlen.

Treffpunkt: Büro der Nordic-Schule Notschrei am Loipenhaus, Notschrei-Passhöhe 6, 79674 Todtnau

Weitere Infos gibt's auf der Website der Nordic-Schule Notschrei