Selbstversuch: Beim Baseball-Training der Freiburg Knights

Konstantin Görlich

Obwohl er in den frühen Neunziger Jahren Jugendlicher in Brandenburg war, hat fudder-Autor Konstantin Görlich noch nie einen Baseballschläger in der Hand gehabt. Jetzt hat er das nachgeholt: beim Baseball-Training der Freiburg Knights im Dietenbach-Park.



Es ist zwar nur ein Trainings-Dienstag, aber ich sitze bei den Knights auf der Bank: irre! Der riesige, von einem Fangnetz gekrönte Zaun, steht plötzlich hinter mir. Sonst schaue ich hindurch, als Zuschauer.

Der Platz wirkt viel größer, wenn man ihn überquert, als wenn man ihn von der Nordtribüne (dem Hügel neben Gästebank) aus überblickt. Rasen wechselt sich ab mit den Schotterbereichen, die das Infield vom Outfield trennen. Hier liegen die Bases, hier wird gesprintet. Los geht es mit der obligatorischen Aufwärmrunde und einigen Dehnübungen.

Die Freiburg Knights gibt es inzwischen seit 25 Jahren, und noch immer kommen Leute am Gelände vorbei und fragen erstaunt, ob Baseball in Freiburg neu sei. Dabei spielten die Knights einst sogar in der 2. Bundesliga! Aber die Ausstattung des Geländes entsprach nicht den Regeln des Verbands, das Spielfeld war zu kurz, ganz zu schweigen von einem Baum kurz hinter der ersten Base. Und so drohten Strafen, ähnlich wie beim ebenfalls zu kurzen Dreisam-Stadion. Die Knights meldeten sich aus der Bundesliga ab.

Nachdem ein Blitzschlag dem etwas ungünstig stehenden Baum den Garaus gemacht hatte, baute die Stadt den alten, staubigen Fußballplatz zum Baseballfeld mit offiziellen Maßen um. Was nun noch fehlt, sind Umkleiden, Duschen und Toiletten – sowie Strom- und Wasseranschluss. WLAN gibt’s auch keins.



Entlang einer Seite des Feldes stellen sich die Knights einander gegenüber auf und beginnen das Wurf- und Fangtraining. Ich stehe neben Jonathan Schlee (21, oben im Bild Mitte). Der Abiturient aus Müllheim zieht den riesigen Baseballhandschuh auch zum ersten Mal an. Rauhes, dickes Leder, dazwischen Taschen für die Finger. Offensichtlich ist er für Hände gemacht, die größer sind als meine. Er passt trotzdem, und lässt nur eine Bewegung zu: Daumen zu Zeigefinger. Dazwischen muss der Ball hin, alles andere tut weh.

„Aber nicht zuschnappen, einfach reinfallen lassen, den Rest macht der Handschuh alleine“, rät uns Holger Templ (31, oben im Bild rechts). Der Freiburger Jurist wirft uns abwechselnd die Bälle zu. Und tatsächlich: Der Handschuh klappt um den Ball herum zu. Gefangen. Und zwar sicher gefangen. Beinahe jeden Wurf. Ein ermutigendes Gefühl für jemanden wie mich, der mit keiner Art Ball jemals irgendetwas gekonnt hat, auch wenn die untrainierte Hand spüren lässt, was sie getan hat. Auch Jonathan ist begeistert: „Wenn’s richtig knallt, und man merkt, man hat da was gefangen, was richtig schnell war. Das ist beeindruckend.“



Wichtig ist aber, wie so oft, aufm Platz. Im Spiel werden ganz andere Geschwindigkeiten erreicht, wirken ganz andere Kräfte. Und es sind noch mehr Eigenschaften wichtig: „Ein guter Baseballspieler muss vor allem vielseitig sein: Kraft, Technik, Spielverständnis“, sagt Templ, der selbst seit fast 20 Jahren spielt, seit 2003 bei den Knights.

„Baseball ist ein sehr technischer Sport. Man kann mangelnde Kraft mit Technik ausgleichen und dann auch mal einen Homerun schlagen.“ Das ist auch ihm mit seiner schlanken Statur schon mal gelungen. „Der Schlag geht wie einen heißes Messer durch Butter, und du merkst nach wenigen Sekunden: Okay, der ist drüber. Ein wahnsinnig tolles Gefühl!“

Um die 30 Zuschauer kommen bei gutem Wetter zu den Heimspielen, auch manche Auswärtsmannschaften haben vereinzelte Schlachtenbummler dabei. Es könnten natürlich mehr sein, aber es reicht schon für die typische Baseballstadionatmosphäre, bei der sich ruhige mit höchst spannenden Phasen abwechseln. „Wenn die Zuschauer Stimmung machen, pusht mich das schon. Man merkt, wenn es auf einmal ruhig wird, das macht einen dann schon so ein bisschen hibbelig“, sagt Templ.

Angesichts der Knights gibt es wohl keine typische Baseballspielerstatur: Viele sind dünn, beinahe schlacksig, manche eher kräftig und einige furchteinflößend muskulös. Sie sind unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell. Manche haben Tattoos. Es finden sich kurze, lange oder bunte Haare. Sie sind Schüler, Studenten oder berufstätig, 14 bis 44, meistens um die 30 Jahre alt, kommen aus Freiburg oder dem Umland. Und sie funktionieren als Team, das merkt man im Training, wenn sie quasi gegen sich selbst spielen, wie auch bei den Ligaspielen am Wochenende. Dabei sind die schnellen Zurufe nur für Team-Insider zu verstehen.



Von außen, das muss Templ zugeben, ist das Spiel ohne Erklärung schwer zu entschlüsseln. Seine Ultrakurzform „You hit the ball, you catch the ball, you throw the ball“ reicht dafür zwar knapp nicht aus, die Grundzüge sind aber bekannt. „Jeder hat in der Schule schon mal Brennball gespielt, da ist das Grundprinzip ähnlich.“ Er erklärt das Spiel so:

Der Pitcher wirft vom Hügel aus zum Catcher. Dabei muss er ein gedachtes Fenster treffen, das sich über der Homeplate und zwischen Knie und Brust des Batters befindet. Sonst ist der Wurf ungültig. Der Batter ist vom gegnerischen Team, muss den Ball wegschlagen und dann zur ersten Base loslaufen. Wenn der Batter das Feld einmal umrundet hat, gibt es einen Punkt. Schwingt der Batter auf einen gültigen Ball nicht, oder trifft er einen Ball nicht, dann nennt man das Strike. Nach drei Strikes ist der Batter Out (Strike out). Wirft der Pitcher vier mal schlecht, darf der Batter direkt auf die erste Base. Das ist das Grund-Duell.

Die verteidigende Mannschaft muss versuchen, drei Batter des angreifenden Teams Out zu machen, um dann selbst an den Schlag zu kommen und angreifen zu können. Außer per Strike out geht das dadurch, dass entweder ein geschlagener Ball aus der Luft gefangen wird (Fly out), oder ein Ball, der schon den Boden berührt hat, vor dem Batter an der Base ist, zu der dieser gerade läuft (Ground out). Wenn beide Mannschaften am Schlag waren, also nach 2 mal 3 Outs, ist ein Inning rum. Davon werden 9 gespielt. Das ist – in Grundzügen – der Spielablauf.

Beim Training geht es inzwischen um das bekannteste Ausrüstungsteil: den Baseballschläger. Er besteht aus einer Aluminiumlegierung oder aus Holz (meistens Esche), ist bis zu 107 Zentimeter lang, höchstens sieben Zentimeter dick und 800 bis 1000 Gramm schwer. Er wird mit beiden Händen ganz am unteren Ende gehalten und lässt sich dabei erstaunlich einfach kontrollieren. Er ist viel leichter, als er aussieht.

Mein Schwung, aus der Hüfte, mit dem ganzen Oberkörper, läuft ganz automatisch ab, beinahe natürlich, und trifft den Ball, der auf einem Gummipfosten bereitliegt, jedes einzelne Mal. Erst wenn dieser vom Netzkäfig, der uns umgibt, aufgehalten wird, zeigt sich die Power, die dahintersteckt. Auch die eingeworfenen Bälle befördere ich fast alle in die angepeilte Ecke. Jonathan ergeht es ähnlich. „Das war das Gefühl, das mir gesagt hat: Hier bist du richtig.“

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Fotogalerie: Miroslav Dakov


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