Selbstversuch: Bei einer freien Tanzmeditation die Sorgen wegtanzen – geht das?

Christina Braun

Yoga machen oder Mandalas malen: Es gibt immer mehr vermeintliche Entspannungsstrategien. Mit der Tanzmeditation soll man seine Sorgen einfach wegtanzen können. Klingt esoterisch? Ist es irgendwie auch. Warum es trotzdem Spaß macht.

Bass, Bunte Tücher, Lichterketten. Ein Raum voller Männer und Frauen, die wild zu elektronischen Beats tanzen. Jung neben alt, Anzug neben geblümten Leinenhosen, meditatives Sitzen neben unkontrolliertem Gezappel. Die Musik wird lauter, der Beat schneller. Dann Ekstase, Freudenschreie, noch mehr Schwitzen. Hört sich an wie eine Goa-Party. Ist aber die "Thank God it’s Friday – Wave" – eine Mischung aus freiem Tanz, Meditation und Atem in einem Raum des Sportpark Cityclubs über den Dächern von Zähringen: Tanzmeditation, die den Kopf ausschalten soll.


"Put your brain in your feet and feel the beat"

Seit 2015 veranstaltet die ausgebildete Tanz- und Körperpsychotherapeutin Anouk Heike Maucher die freitaglichen Waves, öffentliche Tanzabende zu denen jeder kommen kann. Zwei Stunden lang sollen die Teilnehmenden für 15 Euro (ermäßigt 12 Euro) mal so richtig aus sich raus tanzen. "Ich will die Leute aus dem Kopf bringen", sagt die Tanztherapeutin. Das Ziel: Alle Gedanken zu vergessen und den Körper einfach mal machen lassen.

Es geht allein darum der Bewegung zu folgen, die von innen kommt, so Maucher. "Weil Tanzen etwas sehr Natürliches ist." Tanz - das sei ihre Faszination und Leidenschaft. Neben den Waves, die jeden Freitag stattfinden, gibt sie auch mehrtägige Workshops in Freiburg und ganz Deutschland. Durch die Bewegung zur Musik hat sie zu sich gefunden – und das will sie jetzt auch anderen Menschen ermöglichen.

Die Philosophie der Entspannung im Tanz

Die Tanztherapeutin arbeitet mit dem Ansatz der fünf Rhythmen. Das ist eine Tanzpraxis, die Bewegungsmeditation und Spiritualität zusammenbringt. Entwickelt wurden die fünf Rhythmen von der amerikanischen Tänzerin Gabrielle Roth und werden heute weltweit unterrichtet. Fünf Rhythmen – das sind fünf verschiedene Bewegungsabläufe, die mit fünf verschiedenen Energien assoziiert sind.

Wie eine Welle bauen sich die Bewegungen langsam auf. Alle fünf Rhythmen bilden eine "Wave". Der erste Rhythmus ist der Weibliche, der von sanften Melodien begleitet wird. Dann kommt der Männliche, bei der die Musik lauter und die Beats stärker werden. Der dritte Rhythmus ist das Chaos, die Entladung. Hier geht es darum, zum pumpenden Beat hemmungslos drauflos zu tanzen und alle Regeln hinter sich zu lassen. Im vierten Rhythmus, dem Lyrical wechselt die Musik in leicht fließenden Electro. Der fünfte und Letzte Rhythmus ist die Stille, die Entspannung und das eigentliche Ziel der Übung.

Tanzen ohne Regeln und Konzept

Das mag zunächst alles ziemlich esoterisch klingen und das ist es irgendwie auch. Während der Wave läuft Maucher mit einem Mirko durch den Raum und spricht davon sich auf den Beat einzulassen und den Atem zu fühlen. Sonst sagt sie nicht viel, Regeln gibt es nicht.

Die Musik läuft, steigert sich und wird wieder leiser. Irgendwie wissen die Teilnehmenden, wie sie sich zu bewegen haben. Und das kann noch so komisch aussehen: Ein Mann springt wie eine Balletttänzerin auf Zehenspitzen quer durch den Raum, eine junge Frau wälzt sich auf dem Boden. Alles ist möglich, richtig und falsch existiert hier nicht. Genau so wenig wie Schamgefühl oder Hemmschwellen.

Irgendwann fliegt man wie ein Derwisch über die Tanzfläche

Dass dazu immer auch eine gewisse Portion Mut gehört, ist klar. Und ein wenig Übung braucht es auch. Nach der ersten Welle ist es schon leichter sich auf die Musik einzulassen. Irgendwann fliegt man wie ein Derwisch in endlosen Drehungen über die Tanzfläche, bis der Schwindel kommt. Dann hat man auch die anderen um sich herum vergessen, lässt die Hüften kreisen, springt, hüpft, hampelt herum bis die Füße schmerzen. Mit dem fünften Rhythmus, der Stille, kommt auch die Erschöpfung – und die Entspannung. Und dieses Gefühl ist unbezahlbar.
Was: Thank God it´s Friday – Wave
Wann: Freitags von 19.30 -21.30 Uhr
Wo: Sportpark Cityclub III im Komturm, 8. OG, Karlsruherstraße , 79108 Freiburg
Kosten: 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Keine Anmeldung notwendig.

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