Selbstdefinition: Heulsusen-Songwriting - Die Freiburger Band Godot

Julia Mungenast

Die Freiburger Band 'Godot' ist multiinstrumental: Sie musiziert mit Cello, Gitarre, Mundharmonika, Melodika, Geige, Akkordeon und Gesang. Ihre Musik nennt sie selbst 'Heulsusen-Songwriting'. Von Hallösen, liebsten Liedzeilen und Samuel Becketts Theaterklassiker 'Warten auf Godot':



Nicoletta März (23) lässt die ersten Töne des Cellos erklingen und Jonas Krainbring (29) fängt an den Song 'Kaffeesatz' zu singen: "Wir sind so verdammt vernünftig. Hier wird nichts ohne Verstand gemacht. Es ist schwer zu übersehen; wir haben studiert." Jonas und Nicoletta sind zusammen mit Rabea Dolle (25) und Juliane Ried (27), den selbsternannten 'Hallösen' (vom Hallen im Hintergrund) die Band 'Godot' aus Freiburg. Bald erweitert sich die Besetzung Godots noch um Geige und Akkordeon.


"In dem Lied sind das meine Lieblingszeilen", sagt Rabea. Sie singt und hat extra für die Gruppe das Spielen der Melodika gelernt. "Als ich die Zeilen das erste Mal gehört habe, hat mich das unglaublich angesprochen, weil ich so viele Leute kenne, auf die das zutrifft".

Als kleiner Junge hatte Jonas dem unmusikalischen Vater, der liebgemeinte Gute-Nacht-Lieder für ihn sang den Mund zugehalten, weil er den schiefen Gesang nicht mochte. Er erlernte Klavier, Saxophon und Gitarre spielen und fing zunächst an allein Musik zu machen. "Aber in der Gruppe proben und auftreten, ist viel lustiger". Seit einem Jahr besteht 'Godot' in dieser Besetzung.

Was sie für Musik machen? Jonas nennt es liebevoll Heulsusen-Songwriting. Die Gruppe hat noch immer eine MySpace-Seite und beschreibt dort: "Musik wie ein verregneter Sonntagmorgen mit verkatertem Kopf". So schwer und melancholisch, dass ein Bandmitglied sogar schon ausstieg. Die Texte zu traurig, die Stimmung zu depressiv. Die Musik nahm sie zu sehr mit. "Ihr Ausstieg hat uns mitgenommen", sagt Rabea und lacht. 

Jonas sagt: "Ich schreibe deutsche Texte, die nüchtern sind. Beschreibe Alltagssituationen und hoffe, dass meine Texte nicht hochtrabend wirken, wie von einem geschrieben, der denkt, er wäre der große Poet." Schön und nicht banal sollen sie sein. Jonas schreibt unregelmäßig und schmeißt viele Ideen und erste Ausarbeitungen unfertig in den Müll. "Lieber wenig, und dafür Sachen, mit denen man voll und ganz zufrieden ist."



Während den Proben improvisiert 'Godot'. Sie probieren viel aus und einigen sich, was gut klingt.  "Wir arbeiten zusammen an der Musik. Ich finde es gut, dass wir nicht nach Noten spielen", erzählt Nicoletta. "Wir machen das nach Gefühl." 'Godot' vergleicht ihre Musik mit dem Lesen von Gedichten - bewusst die Musik hören, einen guten Rotwein dazu trinken und den schwermütigen Klängen lauschen - und Jonas ergänzt: "Es ist alles gar nicht so tragisch gemeint, wie es manchmal klingt. Wir mögen die Stimmung gern."

Godot ist 2011 beim ZMF und in diesem Sommer auf dem Omaha-Records-Festival in Leipzig gewesen. Aber wenn man sie fragt, wo am liebsten auf der Welt sie mal auftreten würden, antworten sie: "In Rabeas Garten (Freiburg-Haslach)." 

Die Band ist Teil von Omaha - Records, das Musikernetz veröffentlich Musik im Internet, organisiert Kollektiv-Auftritte und stimmt demokratisch über einen Beitritt einer Band ab. Jonas findet, dass es einen besseren Eindruck macht, sich als Omaha-Records-Band vorzustellen, als zu sagen 'Wir sind Godot'. 

'Godot' reizt die Idee vom Nichtstun und dem Hoffen, dass das Leben besser wird. Solange man nur hier bleibt, wird alles besser. Die Lektüre 'Warten auf Godot' war Jonas in der Schule noch verhasst, mittlerweile findet er sie wahr.

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