Selbstbewusstsein ist Menschlich

Philipp Aubreville

Bevor Menschlich morgen beim ZMF mit Band auftreten werden, haben wir die Hip-Hop-Gruppe in ihrem Proberaum in der March besucht. Konti, Balance und Emi machen im folgenden Interview klare Ansagen: zu Freiburgs "sehr flacher" HipHop-Szene, der die Competition fehle, und zu ihrem Selbstverständnis: "Jetzt sind wir die Besten! Da kann man uns ruhig dissen."



Konti, Balance, wie würdet ihr einem tauben Menschen eure Musik beschreiben?

Konti: Ich würde ihn mit in unseren Proberaum nehmen und mitten reinstellen. Dann würden wir die ersten fünf Stücke von unserem ZMF-Set spielen und er würde merken, was für eine Energie darin steckt.

Balance: Ich würde sagen -  treibend, aber manchmal auch nachdenklich. Unsere Songs gehen in alle Richtungen. Wir machen zum Beispiel sehr viele persönliche Texte, Sachen über Politik, Sachen mit Witz. Uns kann man nicht in Schubladen stecken wie "Wir kommen von der Straße"- Rap oder "Wir machen nur Sachen über Autos, Geld und Schlampen"-Rap.



Bei eurem Auftritt auf dem ZMF tretet ihr erstmals mit einer Live-Band und Sängerinnen auf. Reichen euch die Studiobeats nicht mehr?

Emi: Bisher habe ich immer die Beats gemacht - aber nur mit einem DJ und drei, vier Rappern auf der Bühne zu stehen, ist für mich kein richtiges Musikmachen. Erst mit einer Live-Band groovt es richtig.

Balance: Die Show lebt von Live-Musik. Wenn davon die Hälfte Samples sind und den einzigen Live-Anteil unser Rap bildet, dann ist das für mich nicht live genug. Wir hatten Glück, dass wir fähige Musiker für diesen Gig gefunden haben. Dadurch kann man mehr variieren und das Publikum ist stärker animiert, sich zu bewegen.

Emi: Vor neun Jahren war ich in der alten Stadthalle bei Freundeskreis, die nur mit einem DJ vor einem Vorhang standen. Ich dachte: Dafür habe ich nicht 30 Mark gezahlt! Dann kam aber ihr Song "Wenn der Vorhang fällt". Es fiel tatsächlich der Vorhang und dahinter stand ihre Band. Die gehört für mich einfach dazu.



Was können die Zuschauer von eurem ZMF-Auftritt erwarten?

Konti: Fette, extreme 90 Minuten.

Balance: Rumgespringe, Arschbewegen, Rhythmik, Gefühl, Arme-in-der-Luft. Also nicht nur dieses Kopfnicker-Zeug. Das ist Elektro-Hip-Rock-Pop, was auch immer. Ich wage mal zu behaupten, dass die Leute das, was wir auf der Bühne machen werden, noch nicht gesehen haben.

Was versprecht ihr euch vom ZMF?

Konti: Getränke!

Balance: Wir hoffen dass mindestens 100, 200 Leute kommen werden.

Emi: Wir sind ja vergangenes Jahr das erste Mal beim ZMF aufgetreten und sonst eher in den Freiburger Standard-Kellergewölben zu Gast. Das ZMF ist für Musiker schon etwas Besonderes. Du kriegst einen Soundcheck, Catering, Backstage-Bereich.

Wie ist das so, als Rap-Gruppe in der Provinz?

Emi: Ich würde schon gern nach Berlin umziehen. Aber das geht ja nicht.



Wie schätzt ihr die regionale HipHop-Szene ein?

Balance: Ich finde schon, dass die HipHop-Szene in Freiburg sehr flach ist, ohne zu behaupten, dass wir besser wären oder uns davon absetzen. Ich denke aber, wir machen es ein Stück weit professioneller, ernsthafter. Wir proben öfter und geben uns mehr Mühe, auf der Bühne etwas zu bewirken und die Texte etwas spannender zu gestalten. Wir wollen das Publikum auch mal überraschen. Damit tun sich in Freiburg meiner Meinung nach viele Leute schwer. Die haben ein bestimmtes Bild von ihrem Ding und weichen davon nicht ab. Im Übrigen gibt es in Freiburg wenige Locations, in denen man deutschen HipHop darbieten kann.

Emi: Eigentlich müsste man als südbadischer Rapper in die Großstädte gehen. Wenn du dort als Nummer drei oder vier in einem Konzert auftrittst, siehst du erst, wie gut oder schlecht du wirklich bist. In einer Großstadt gibt es Competition. Entweder du wirst ausgebuht oder du bist gut! In Freiburg fehlt diese Competition.

Balance: Jetzt, mit der Band, sind wir die Besten! Da kann man uns ruhig dissen, das ist schließlich auch Competition. Wir sind jetzt die professionelleste Band in Freiburg!

Wie habt ihr die Band denn kennengelernt?

Emi: Ich habe ein Tonstudio und dort kam eines Tages Benny, unser Schlagzeuger, vorbei und wollte was aufnehmen. Von seinem Spiel war ich begeistert und so haben wir uns kennengelernt. Ich spielte ihm meine Sachen vor und er sagte, dass er sich das vorstellen könne. Benny kannte die anderen Bandmitglieder: Ralph (Gitarre), Srinath (Keyboard) und Ben (Bass), der wiederum seine Freundin Wessi als Sängerin dazu holte. Wessi brachte dann ihre Freundin Dalia mit. Eine Kettenreaktion.



Ihr habt euch vor einiger Zeit von eurem Sänger getrennt. Inwiefern hat sich euer Sound seitdem verändert?

Emi: Lou hat unserem bisherigen Sound durch seinen Gesang schon einen Stempel aufgedrückt und das war gut so. Die neuen Lieder klingen anders. Deshalb habe ich auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn wir morgen unsere CDs verkaufen. Denn der Sound hat sich stark gewandelt.

Wie sieht es mit eurem neuen Album aus?

Emi: Die Lieder stehen mehr oder weniger. Allerdings möchte ich die nicht elektronisch, sondern mit der Band machen. Das sollte in den nächsten zwei Monaten passieren. Dann kommt noch das GEMA-Prozedere und der Weg ins Presswerk hinzu. Spätestens im September ist die Platte draußen. Unser Auftritt am Freitag ist auch ein Stimmungstest für die einzelnen Songs. Davon  machen wir auch abhängig, ob ein Stück auf das Album kommt.



Strebt ihr danach, von der Musik leben zu können?

Emi: Früher war das so. Aber mittlerweile kann man dsa wohl abhaken. Beim letzten Album dachten wir noch: Wir kommen groß raus! Aber das kannst du vergessen. Und wenn man einen Deal bekommt, ist der richtig schlecht. Ich mache das nächste Album aus persönlicher Freude.

Balance: Wenn es reichen sollte: Warum nicht? Wir lassen uns aber nicht verformen. Wir machen das Ganze aus Spaß.

Mehr dazu:

Menschlich: Web & MySpace & Bandnamenskunde
Was: Menschlich feat. DJ BahS (Paris); Special Guests Hip-Hop-Crew Ortega (Paris)
Wann: Morgen, Freitag, 26. Juni 2009, 20.30 Uhr
Wo: ZMF, Spiegelzelt
Eintritt: 9,40 € (VVK)
  • FR-Rap-Interview 2: Malik