Seit einem Monat rauchfrei

Kristina Bieda

Seit knapp einem Monat darf man in Kneipen und Bars in Baden-Württemberg nicht mehr rauchen. Kristina hat für fudder in einer Shisha-Bar, diversen Kneipen, Cafés und Discotheken und beim Ordnungsamt nachgefragt, wie der erste rauchfreie Monat gelaufen ist.

 

Café Istanbul

Özgur Güleryüz klingt ziemlich besorgt, wenn man ihn auf die Zukunft seiner Shisha-Bar am Friedrichsring anspricht. „Wenn schlechtes Wetter ist, haben wir schon einen Kundenrückgang von bis zu 50%.“ In der Tat, das Café Istanbul wirkt ziemlich verlassen so ohne Shisha-Raucher.

„Selbst wenn viele Leute kommen, es ist einfach nicht genug Platz für alle da. Die Leute kommen extra aus Offenburg oder Lörrach in unsere Bar.“ Seine Gäste finden es natürlich schade, dass das Rauchen in den Shisha-Bars verboten wurde. Mittlerweile hat Güleryüz schon knapp 1200 Unterschriften gesammelt, um auf die Existenznot der Shisha-Bar-Betreiber aufmerksam zu machen. „Doch eigentlich haben wir keine Hoffnung mehr, dass das Land uns das Rauchen in den Bars wieder erlaubt“ sagt Güleryüz.



Schlappen

Die Angestellten im Schlappen geben eine durchmischte Bilanz. „Mittags gibt es definitiv viele positive Rückmeldungen von Gästen, weil sie natürlich nicht mehr in verrrauchten Räumen essen müssen,“ sagt eine der Kellnerinnen. „Doch dafür bleiben viele nicht mehr bis zum Kaffee danach. Da haben die meisten eben immer noch eine Zigarette geraucht,“ sagt hingegen ihr Kollege.

Zu Problemen mit Rauchern, die in der Kneipe rauchen wollten, ist es bis jetzt noch nicht gekommen. Ein Problem, das allerdings entstanden ist, ist die Tatsache, dass die Hemmschwelle sinkt seine Getränke nicht mehr zu bezahlen. „Wenn abends viel los ist, ist es schon schwer, den Überblick zu behalten. Das wird vermutlich im Winter noch schlimmer. Denn dann werden die Gäste ihre Jacke zum Rauchen anziehen und dann, wenn sie einmal draußen sind, sehen sie sich vielleicht nicht mehr gezwungen nochmal rein zu gehen und zu bezahlen“, sagt ein anderer Kollege.

Maria

Das gleiche Problem beschäftigt auch Fred Killig, Mitbetreiber des Maria, nur wenige Meter entfernt. Er überlegt, zusätzlich jemanden einzustellen, der aufpasst, dass niemand ohne zu zahlen geht. Vor allem auch, weil nach 23 Uhr unter der Woche beziehungsweise Mitternacht am Wochenende, draußen nicht mehr bedient werden darf. Dann dürfen auch keine Getränke mit hinaus genommen werden. „Denn sonst kriegen wir Probleme mit unserer Konzession“, sagt Killig.

Seine Bilanz zum ersten rauchfreien Monat ist durchmischt: „Es sind zwar nicht weniger Gäste geworden, aber ich frage mich, wo denn die Nichtraucher sind, die sich davor immer beschwert haben.“ Mittlerweile überlegen sich die Betreiber des Maria auch, ob sie nicht im hinteren Bereich einen Raucherraum eröffnen wollen. Doch erst einmal will man noch abwarten, wie sich das Ganze entwickelt.

Agar

Für Frank Joos, Geschäftsführer des Agar, ist es noch zu früh, um eine Bilanz ziehen zu können. Klar ist, dass es einen Türsteher mehr gibt, der darauf achtet, dass drinnen nicht geraucht wird und dass die Raucher draußen sich ruhig verhalten. „Natürlich finden es die meisten doof, dass sie zum Rauchen raus müssen, aber wir haben deswegen keine Probleme mit unseren Gästen.“



Club Kamikaze

Einer der Betreiber des Club Kamikaze, Jan Ehret, kann im Gegensatz zu seinen Gastro-Kollegen nur Positives berichten: „Die Luft ist viel besser, die Bedienung fühlt sich besser, die Leute sind zufrieden und es kommen jetzt auch Gäste, die früher nicht gekommen sind. Und die Klimaanlage verrußt nicht mehr so schnell.“ Aber auch das Kamikaze hat jetzt zusätzlich einen Ordner auf der Straße, der aufpasst, dass es bei der Rauchpause nicht zu laut daher geht und dass keine Getränke mit nach draußen genommen werden.

Café Schmidt

Im Traditions-Café Schmidt in der Bertoldstraße gibt es keine Probleme mit den Rauchern. „Die, die vorher gekommen sind, kommen auch jetzt noch,“ sagt Susanne Mattern, Angestellte des Cafés. „Nur einmal sind zwei Gäste reingekommen, haben gesehen, dass man nicht rauchen darf und sind wieder gegangen. Sie sind auch nicht wieder gekommen.“

Amt für öffentliche Ordnung

Laut Pressestelle des Amts für öffentliche Ordnung halten sich die Beschwerden durch Anwohner rund um die verschiedenen Kneipen noch in Grenzen.

„Natürlich gehen bei uns ständig Beschwerden ein wegen Lärmbelästigung. Aber es lässt sich natürlich nicht eindeutig feststellen, ob da nun die Raucher dran Schuld sind, die jetzt draußen stehen müssen.“ Schließlich kam es schon vor dem Rauchverbot immer wieder zu Beschwerden und Auseinandersetzungen rund um das Bermudadreieck. Die jetzige Situation sei jedoch noch eine Übergangsphase; Im Winter, wenn keine Außengastronomie mehr stattfindet, könnte es zu mehr Beschwerden kommen.

Fazit

Für die meisten Betreiber ist es noch zu früh, um eine Bilanz zu ziehen. Der befürchtete Rückgang der Gästezahlen ist jedoch wohl bisher ausgeblieben.
Auch die befürchtete Zunahme von Beschwerden durch Anwohner wegen Lärmbelästigung ist bisher nicht eingetreten. Für die Shisha-Bars, deren Gäste hauptsächlich zum Wasserpfeiferauchen kommen, sieht es dagegen nicht so gut aus. Ihre Existenzen sind durch das neue Rauchverbot weiterhin am stärksten bedroht.

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