Segway-Video: Mischung aus Go-Kart und Rolltreppe

Lorenz Bockisch

Seg-was? In Amerika fahren schon massenweise davon herum und auch auf deutschen Straßen sind die zweirädrigen Elektro-Vehikel, die selbstständig das Gleichgewicht halten, seit ein paar Monaten erlaubt. fudder-Autor Lorenz testete in Schluchsee das neuartige Gefährt und knipste dabei die Videokamera an.



Einfach draufsteigen und los – wer als Kind so Fahrradfahren lernen wollte, lag schnell auf der Nase. Doch bei einem Segway ist das anders: Dieser Elektro-Gaul steht vor einem und hält von allein das Gleichgewicht. Mit einem Fuß nach dem anderen aufgestiegen, Hände an den Lenker und das Ding bleibt stehen wie ein gut trainiertes Pferd. Ein kleines Beugen nach vorn und es fährt mit einem leise surrenden Summen los. Wie diese "dynamische Stabilisierung" genau funktioniert? Geheimnis des Herstellers.


Zur Seite gelehnt und er dreht sich – prinzipiell auch wie bei einem Pferd. Eine Einweisung braucht man eigentlich nicht, um so ein Gerät zu bewegen. Um es zu bedienen, schon: Ein bestimmtes Anschaltritual braucht der 48 Kilo schwere Roller, damit er sein Gleichgewicht einstellen kann. Und eine Notabschaltung hat er, bei der er wilde Töne von sich gibt und vibriert. Aber das führt Sascha Kreutzmann von der Firma MyWay-Schwarzwald, die Segway-Touren am Schluchsee veranstaltet, nur vor, damit man weiß wie's geht. Bei einer solchen Tour durch die Berge muss man dieses Wissen eigentlich nie einsetzen.



Aber für das Wichtigste, nämlich das Bremsen, sollte man in der ersten "Reitstunde" schon ein bisschen üben. Auf der Trainings-Wiese gleich hinterm Bootsverleih gibt es kleine Hindernisse und eine Brücke, auf denen das Bremsen und Wenden im Schildkröten-Modus geübt wird. Mit maximal 10 km/h geht es die Wiese auf und ab, während der Elektromotor klingt wie ein leiser Trabbi von der Ferne. Es gibt keine Handbremse, sondern man muss sich zurücklehnen um das Ding zu zügeln. Insgesamt ist die Steuerung so intuitiv, dass man nach fünf Minuten freihändig fahren und stehen kann.

Also geht es ab auf die Straße. Mit Moped-Kennzeichen und Helm darf man überall so fahren, wie Fahrradfahrer das sollten. Der Gesetzgeber hat seit Juli 2009 erlaubt, diese "elektronischen Mobilitätshilfen" auf öffenlichem Gelände zu fahren. Im schnellen Modus schafft der Segway immerhin 20 km/h. Geht es bergab, lädt er seinen Akku wieder auf und bremst dabei selbstständig – was manchmal eigentlich schade ist, der Übergang vom Trab in den Galopp fehlt irgendwie. Bergauf hingegen ist es wunderbar unanstrengend, an den Lenker gelehnt kann man problemlos freihändig fahren. Das Fahrgefühl lässt sich am besten umschreiben als eine Mischung aus Go-Kart und Rolltreppe. Man hat nicht das Gefühl, dieses Gerät könnte einen abwerfen.



So vergeht die Stunde Panorama-Tour wie im Fluge, auf Schotterpisten fährt es sich genauso sicher wie auf Asphalt. Die gute Schwarzwaldluft weht frisch durch die Löcher der Fahrradhelme. Und wir zwei einsamen Segwayer ernten viele staunende Blicke von Passanten: "So ein Ding könnte ich jetzt auch brauchen", raunt uns eine wandernde Dame um die 70 zu, die mit Rucksack und Nordic-Walking-Stöcken recht erschöpft von ihrer Tagestour wirkt.

Aber sich so ein Gefährt selber anschaffen? Das ist nur etwas für Leute mit einem Geldbeutel von der Größe einer Satteltasche. 6000 bis 8000 Euro muss man mindestens ausgeben. Dafür ist es recht umweltfreundlich – es braucht nur Strom und kein Stroh. Und die Akkus halten je nach Fahrweise bis zu 38 km.

Nach der Rundfahrt kommen die Segways wieder in ihren Stall an die Steckdose. Spaß macht es auf jeden Fall: Es fühlt sich an wie Sport, ist aber keiner. Radfahren wäre in jedem Fall gesünder. Reiten auch.



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