Second-Hand-Läden für Kinder: Momo und Kunterbunt

Rebekka Sommer

Second-Hand-Läden für Kinder kommen und gehen. Das ist kein Wunder, neuwertige Marken-Kinderkleider kriegt man für wenige Euro bei eBay oder auf Flohmärkten. Trotzdem gibt es in Freiburg zwei gallische Dörfer in Sachen gebrauchte Kinderkleider: "Momo" und "Kunterbunt".



Kunterbunt

Seit sechsundzwanzig Jahren gibt es das Kunterbunt in der Zasiusstraße, und selbst im Hochsommer – das ist im Second-Hand-Geschäft Nebensaison – ist es an einem Werktagvormittag mit zwei bis drei stöbernden Eltern ganz gut besucht. Kinderkleidung ist teuer, wird rasch zu klein und verliert mit dem ersten Kauf extrem an Wert. Außerdem, so der Gedanke, der in den 80er Jahren mit zum Boom der Second-Hand-Läden führte, lösen sich erst durch mehrmaliges Waschen die Schadstoffe aus den Textilien. Ein Second-Hand-Kauf tut dem Kind und der Umwelt gut.



Als überschaubaren, gut sortierten und übersichtlichen Laden sieht die Geschäftsführerin Helga Nagel ihr „Kunterbunt“ selbst. Nach wie vor, sagt sie, verbänden viele Menschen Second-Hand-Geschäfte mit Chaos, Mief und alten Klamotten. Da überrascht das „Kunterbunt“ positiv – hier muss  man nicht lang suchen, um fündig zu werden. Im Schaufenster und im Ladenraum hängen besondere Schmuckstücke, das Nebenzimmer birgt Stapel an Alltagskleidern, die übersichtlich nach Anlass und Größe sortiert sind und im Hinterzimmer stößt man auf die größeren Funde, wie hier einen Hochstuhl, dort einen Fahrradhelm, einen Kinderglobus und andere, besondere Spielsachen.

„Dass der Laden seit fast dreißig Jahren gut läuft, liegt einfach auch daran, dass wir auf die Situation und auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen“, sagt Nagel. Das bedeutet zum Beispiel, dass hier für jeden Geldbeutel etwas zu finden ist, und nicht etwa nur Stücke besonderer Marken.  „Wir versuchen, die Waage zu halten“, sagt Nagel, die das Kinderwarengeschäft als Quereinsteigerin nebenberuflich begonnen und schrittweise ausgebaut hatte. „Nimmt man nur Markensachen, ist die Auswahl zu begrenzt. Nimmt man zu viel an, herrscht gleich wieder Chaos im Laden.“ Da ist die Ladenbesitzerin trotz einer Teilzeit- und einer Aushilfskraft eine gefragte Frau. „Die Arbeit ist intensiv und aufwendig, auch abends und am Wochenende sitze ich oft hier“, sagt sie. Den heutigen Tag wird sie mit einer Freundin im Lager verbringen, um die nicht abgeholten Ladenhüter des vergangenen Sommers auszusortieren.



„Diese Arbeit will nicht jeder leisten“, vermutet Nagel. Doch wahrscheinlich trägt auch der Standort eine nicht unwesentliche Rolle zum Erfolg bei. Zwar ist die Geburtenrate in der Wiehre nicht so hoch wie im Rieselfeld oder der Vauban, doch insgesamt leben in Freiburgs größtem Stadtteil auch die meisten Kinder. Helga Nagels Kunterbunt mit seinen berüschten Pampolina-Kleidchen und Strohhüten im Schaufenster passt sich jedenfalls hervorragend ins Bild der kleinen Lädchen in dem Akademiker-Viertel ein.

Ein Kunde verlässt den Laden. „Ich bedanke mich herzlich für Ihren Einkauf – und bitte denken Sie daran, dass wir in den Ferien nur vormittags geöffnet haben!“

Adresse

Kunterbunt
Zasiusstr. 70
79102 Freiburg
0761.702075

Wegbeschreibung: Von der Haltestelle Schwabentorring (Linie 1) an der Arena-Bar in die Hildastraße einbiegen. Diese immer gerade aus laufen, die Talstraße überqueren und am Kolping-Kolleg vorbei. Links in die Zasiusstraße einbiegen.

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag, 10 bis 12:30 Uhr und 15 bis 18:30 Uhr
Samstag, 10:30 bis 12:30 Uhr



Momo

Stadtteilwechsel. „Momo Kindersachen“ in der Klarastraße wird im nächsten Jahr seinen 30. Geburtstag feiern. Als echtes Stühlinger Urgestein führt die gelernte Jugend- und Heimerzieherin Elke Pfeuffer hier seit den 80er-Jahren die Geschäfte. Durch ihre schwungvolle, etwas resolute Art herrscht eine ungezwungene Atmosphäre. Wer beim Stöbern um die Ecke lauscht, bekommt schnell mit, dass „die Elke“ von vielen ihrer Kundinnen geduzt wird, und an der Preisbestimmung neu eingetroffener Umstandsmode darf der ganze Laden teilhaben. Was soll der Umstands-Tweed-Hosenanzug kosten? 30 Euro? „Ich würde auch 35 bieten“, meint eine Kundin. Damit sind alle einverstanden. 

850 Verkäufer hat Momo in der Kartei, manch eine Weggezogene kommt sogar aus Lörrach, um Waren zu bringen. Pfeuffer verkauft gut, höchstens 20 bis 30 Prozent der Verkaufsstücke werden Ladenhüter. „Das liegt am Nein-Sagen und am Aussortieren“, erklärt Pfeuffer. Wer in den Kreis der Verkäufer aufgenommen werden will, sollte im Januar oder Juli in Erscheinung treten, wenn die jeweilige Saison vorbei ist, außerdem immer einen Termin vereinbaren und gut vorsortieren: Sommerkleider nimmt Momo zum Beispiel ab Anfang August schon nicht mehr an. Schließlich soll die Ware rotieren und keinen unnötigen Platz besetzen. Das ist auch die einzige Möglichkeit, den second-hand-typischen Mief zu vermeiden. Dass „Neuware“ frisch gewaschen sein muss, ist  selbstverständlich, und ab Größe 146 geht nix mehr, denn „Teenies wollen neue Sachen“.



Nach zwei Monaten geht der Preis eines jeden Stücks um 20 Prozent herunter, nach dem dritten Monat wird aussortiert: „Entweder die Sachen gehen gleich, oder gar nicht“, das ist Pfeuffers Erfahrungswert. Abgesehen von Besonderheiten sind die Kleidungsstücke bei Momo höchstens drei Jahre alt und absolut fleckenfrei. „Als mein Sohn klein war, mussten Kinder einfach etwas an haben“, meint Pfeuffer, „aber heute gehen Kleider mit den kleinsten Mängeln nicht mal zu reduzierten Preisen weg.“ Nur der sogenannte „Schlamperkorb“, in dem solche Kleidungsstücke für einen Euro angeboten werden, zieht den ein- oder anderen Käuferblick auf sich.

Die Verkäuferin, die unter anderem den Umstands-Tweedanzug in ihrer Reisetasche hatte, stellt sich Pfeuffers Scannerblick - und nimmt einen Teil ihrer Kleidung wieder mit nach Hause. „Ich mache Schwachstellenkontrolle, sag ich immer“, erklärt Pfeuffer. Das eine Hemd hat einen kleinen Fleck - Pfeuffer empfiehlt Gallseife. Einige sommerliche Teile wird die Frau – „aber bitte gebügelt“ - im Frühjahr nochmal bringen. Für die Verkäuferin ist das ein wenig umständlich, doch ist die Chance hoch, dass die Ware dann rasch verkauft wird.  



Auch das „Momo“ ist nach so vielen Jahren aus der Klarastraße nicht mehr wegzudenken. „So ein-, zweimal im Jahr kriege ich schon den Rappel, dass mich alles ankäst“, gibt Pfeuffer freimütig, aber mit einem Augenzwinkern zu. Doch das gehört bei solchen Jobs dazu, meint sie. Das Momo wird es geben, so lange es ihr möglich ist. Leicht ist das nicht immer für die Alleinstehende. Eine Angestellte kann das „Momo“ sich schon lange nicht mehr leisten, und in den umsatzschwachen Sommermonaten bangt sie trotz sechs-Tage-Woche regelmäßig um ihren Lebensunterhalt.

Deswegen verkauft „Momo Kindersachen“ seit einigen Jahren nicht mehr nur gebrauchte Kleidung, Spielwaren und Bücher, sondern auch süße Mitbringsel wie Glitzer-Tattoos und Hexenbrotdosen. Auch die atmungsaktive dänische Regenkleidung, Cosilana-Seidenwäsche und Hausschuhe laufen ganz gut. Immerhin ist „Momo“ der einzige Kinderwarenladen im Stühlinger; dem Stadtteil, in dem – man mag es nicht glauben – nach der Wiehre, dem Rieselfeld und Haslach insgesamt betrachtet die viertmeisten Kinder leben.

Adresse

Momo Kindersachen
Klarastr. 5
79106 Freiburg
0761.272119
Wegbeschreibung: Von der Haltestelle Eschholzstraße aus stadteinwärts gesehen links neben den Straßenbahnschienen in Richtung des Hauptbahnhofs  laufen (Wannerstraße). Kurz vor der Stühlinger Apotheke links in die Klarastraße einbiegen. Am Café Einstein vorbei laufen, „Momo Kindersachen“ befindet sich links am anderen Ende der Klarastraße.

Öffnungszeiten

Montag und Dienstag, 11 bis 18 Uhr
Donnerstag und Freitag, 9:30 bis 12:30 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Mittwoch bis Samstag 10 bis 13:30 Uhr

Mehr dazu: