Sechs aktuelle politische Dokus, die man dieses Wochenende schauen sollte

Gina Kutkat

Radikale Rechte marschieren in Charlottesville auf und in Syrien herrscht immer noch Bürgerkrieg. Wir empfehlen sechs Dokumentationen, die sich mit aktuellen politischen Themen beschäftigen – und die jeder schauen sollte.

Charlottesville: Race and Terror, 22 Minuten

Vergangenes Wochenende marschierte Amerikas radikale Rechte im amerikanischen Unistädtchen Charlottesville auf. Am Rande einer Kundgebung eskalierte der Aufmarsch, als ein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten raste und eine 32-jährige Frau tötete. Reporterin Elle Reeve des Vice-Magazins war mit einem Kamerateam das ganze Wochenende dabei – auf der Seite der Rechten. In ihrer Kurzdoku kommen Neonazi wie der Sprecher von "Unite the right", Christopher Cantwell, oder Ku Klux-Klan-Mitglied David Duke zu Wort. Welche Sätze sie in die Kamera sagen und wie sie die Fahrerflucht zu rechtfertigen versuchen, lässt einen schaudern.

Charlottesville: Race and Terror – VICE News Tonight on HBO



Aufstieg der Rechten – vierteilige WDR-Dokumentation, jeweils 29 Minuten

"Statt Nazis nennen sich meine Freunde jetzt Patrioten. Machen Spaziergänge, statt Pogrome. In ganz Europa haben rechte Parteien Aufwind", spricht der Erklärnazi zu Beginn jeder der vier Folgen von "Aufstieg der Rechten". Im ersten Teil der WDR-Doku geht es um die Identitären Bewegungen in Deutschland, Österreich und Frankreich. Der zweite Teil befasst sich mit Europas Populisten wie Geert Wilders, Marine Le Pen oder Jörg Haider. Teil drei widmet sich den Frauen von rechts und in der letzten Folge geht es um Antworten auf rechtsextreme Aktionen. Spannend und erschreckend zugleich.
I am not your negro, 89 Minuten

James Baldwin war schwarz, schwul und einer der bedeutendsten afroamerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Nur eines war er nicht: "I am not your negro". In der gleichnamigen oscarnominierten Dokumentation verfilmt Raoul Peck einen 30-seitigen Text des Schriftstellers Baldwin aus den 70er Jahren. Er geht mit dem Film der Frage nach, woher der Hass gegen Schwarze stammt. Peck erzählt die Geschichte Baldwins anhand seiner ermordeten Freunde Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King nach. Der Film gilt schon jetzt als Meisterwerk, also unbedingt anschauen. Spiegel Online zeigt ihn komplett als Film zum Wochenende.
Mädchen oder Junge? Aufwachsen als Transgender-Kind, 44 Minuten

"Ich heiße Klara und seit ich 13 bin lebe ich als Mädchen. Davor habe ich zwölf Jahre als Junge gelebt." Die WDR-Doku "Mädchen oder Junge" porträtiert zwei Transmädchen und zwei Transjungen und begleitet sie und ihre Familien auf ihren Lebenswegen. So beschloss die achtjährige Sophia mit vier Jahren, dass sie kein Junge mehr ist. Sie ließ sich rote, lange Haare wachsen und verbot ihrer Familie, sie mit ihrem alten Namen anzusprechen. Fynn hat gerade sein Abitur gemacht und nimmt seit drei Jahren männliche Hormone. Eine wichtige und gute Doku, um sich mit dem Transgender-Thema zu beschäftigen, das in der Öffentlichkeit noch unterrepräsentiert ist.
Die letzten Männer von Aleppo, 104 Minuten

Eine Doku, die immer noch so wichtig ist. Denn sie zeigt auf erschütternde Art und Weise, wovor die Menschen aus Syrien fliehen. Zwei Jahre lang begleitet der Film "Die letzten Männer von Aleppo" Khaled und Mahmoud, die zu den Weißhelmen gehören. Ihre Aufgabe ist es, nach Bombenangriffen oder Anschlägen zur Unglücksstelle zu eilen, um Menschenleben zu retten, Tote zu bergen oder Leichenteile einzusammeln. Es handelt sich um lebensgefährliche Einsätze für die Helfer, die vor dem Bürgerkrieg normale Berufe hatten oder studierten.
Verschwörungstheorien – Leben im Wahn, 43 Minuten

Die Welt ist in Wahrheit hohl. Politische Machthaber sind in Wahrheit außerirdische Reptilienwesen. Der Holocaust wurde von den Juden erfunden, um die Deutschen schlecht darstehen zu lassen. Noch mehr gefällig? Die ZDF-Dokumentation "Verschwörungstheorien – Leben im Wahn" befasst sich mit einem zunehmenden Problem des Internets: Den Verschwörern. Youtuber Rayk Anders versucht, ihrem Weltbild auf dem Grund zu gehen. Ob ihm das innerhalb der 43 Minuten gelingt? Mehr zum Thema: