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Sechs aktuelle Gesellschafts-Dokus, die man jetzt schauen sollte

Gina Kutkat

Ein Mensch stirbt, weil er sich nur noch von Licht ernährt. Frauen in Indien stellen Binden her, um gegen das Tabu der Menstruation anzukämpfen. Sechs Dokus, die sich mit spannenden Themen beschäftigen – und die jeder schauen sollte.



1. Period – End of Sentence/ Stigma Monatsblutung, 26 Minuten

"Ich kann nicht glauben, dass ein Film über Menstruation einen Oscar gewonnen hat." Diesen Satz sagte die Regisseurin Rayka Zehtabchi, kurz nachdem ihr Dokumentarfilm im Februar einen Oscar gewonnen hatte. Und sie hat Recht: Schließlich ist die Menstruation vielerorts immer noch ein Tabuthema. Vor allem im ländlichen Indien, wo Frauen als unrein und krank gelten, wenn sie ihre Regel haben. "Period – End of Sentence" verdeutlicht, dass noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Die 26-minütige Doku begleitet einen Kleinunternehmer und eine Gruppe Inderinnen, wie sie Billigbinden in die Dörfer bringen – im Rahmen des sogenannten "Pad Projekts".

2. Was Deutschland bewegt – Heimatland, 44 Minuten

Meistens merkt man schon nach den ersten Szenen, welch Potential eine Doku hat. So ist es auch bei "Was Deutschland bewegt – Heimatland". Da sieht man in der ersten Einstellung ein Ehepaar, das seit 30 Jahren in dem Örtchen Widdersdorf lebt und sich über 7000 neue Nachbarn aufregt. Während sich die beiden mit ihren Bienenstöcken beschäftigen fallen Sätze wie: "Bei den Bienenvölkern ist es nicht so wie in Deutschland. Da kommt nicht jeder rein." Julia Friedrichs, Fabienne Hurst und Andreas Spinrath sind für ihre Doku in eine Vorstadt gefahren und haben Alteingesessene und Zugezogene besucht. Außerdem haben sie Politikern die Frage gestellt: "Ist Deutschland ein Einwanderungsland?". Spannend und erschütternd zugleich.
3. Die Lichtnahrung, 29 Minuten

Finn Bogumil aus Hamburg war schon immer ein neugieriger Junge. Mit Anfang 20 reist er nach Südamerika und kommt "verändert zurück", wie sein Bruder rückblickend sagt. Auf seinen Reisen ist er mit der Idee der "Lichtnahrung" in Berührung gekommen. Dahinter steckt eine riesige Bewegung von Menschen, die tatsächlich glaubt, dass Licht als Nahrung ausreicht. Finn begeistert sich für die Idee, ernährt sich wochenlang nur von Licht und Wasser – bis er stirbt. Seine Eltern wollen seine Geschichte öffentlich machen, um andere zu warnen.
4. Fyre: The Greatest Party That Never Happened, 97 Minuten

Verzweifelte Menschen tun verzweifelte Dinge. Dieses Zitat aus der Netflix-Doku steht für die Farce, die in diesen 97 Minuten aufgearbeitet wird. Ein amerikanischer Unternehmer kauft eine Insel in den Bahamas, um dort das teuerste und exklusivste Musikfestival der Welt zu veranstalten. Die Tickets für das Fyre-Festival waren innerhalb von 48 Stunden ausverkauft. Supermodels machten Werbung, auch Rapper Ja Rule spielt keine unbedeutende Rolle. Wie der Titel verrät, fand das Festivals niemals statt. Was hinter den Kulissen passierte, ist unglaublich.

5. Mein Leben als Cyborg, 30 Minuten

Cyborgs sind Menschen, die ihre Körper technisch aufrüsten lassen. Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine also. Die "RE:"-Doku begleitet den britischen Künstler Neil Harbisson, der als Vorreiter der Bewegung gilt. Weil er von Geburt an blind war, ließ er sich eine Antenne mit Farbsensor einpflanzen. Der Sensor erkennt Farben und übersetzt sie in Töne. Harbisson gründete in Barcelona die Transspecies Society, deren Mitglieder zusammen neue Sinnesorgane entwickeln und sich diese einpflanzen lassen.
6. Lehrkraft im Vorbereitungsdienst, 80 Minuten

Wenn man diese Doku schaut und schweißnasse Hände bekommt, als die Protagonistin in ihre Lehrprüfung muss, hat der Filmer etwas richtig gemacht. Die etwas spröde betitelte Doku "Lehrkraft im Vorbereitungsdienst" begleitet eine Frau und zwei Männer auf ihrem Weg zum Lehrerdasein und zeigt eindrucksvoll, was dieser Beruf einem abverlangen kann. Der preisgekrönte Dokumentarfilmer Timo Großpietsch ist mit seiner Kamera bei den Beurteilungsgesprächen und schlecht gelaufenen Unterrichtsstunden dabei, immer nah und authentisch.

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