Sea of Love: Veranstalter sollen 100.000 Euro zahlen

Joachim Röderer

Jetzt geht es um die finanziellen Folgen der Sea of Love 2011: Die Stadt Freiburg fordert von den Veranstaltern 100.000 Euro. Das Konto der Mehr-Seen-GmbH wurde eingefroren – die legte Beschwerde ein.



Auf die Summe von 100.000 Euro taxiert die Stadt den wirtschaftlichen Vorteil, den sich die Mehr-Seen-GmbH verschafft haben soll, indem sie Auflagen missachte. Das Amtsgericht Freiburg hat einem Antrag des Rathauses stattgegeben und erst einmal das Bankkonto der Mehr-Seen-GmbH eingefroren, die das Festival Mitte Juli ausgerichtet hat. Die Veranstalter haben Beschwerde gegen die Gerichtsentscheidung eingelegt.


Das Gericht hat vor wenigen Tagen ohne vorherige Anhörung der Betroffenen einen sogenannten dinglichen Arrest angeordnet. Damit sollen mögliche Ansprüche gesichert werden. Offensichtlich fürchtete man im Rathaus, die Mehr-Seen-GmbH könnte aufgelöst werden, nachdem für die Sea of Love 2012 ein neuer Veranstalter gefunden wurde. Das Bankkonto der Mehr-Seen-GmbH bei der Raiffeisenbank Gundelfingen ist nun gesperrt. Die Bank muss der Freiburger Stadtverwaltung Auskunft geben, wie viel Geld sich noch auf dem Konto befindet und ob es noch weitere Konten der GmbH bei dem Geldinstitut gibt. Der dingliche Arrest würde dann ausgesetzt, wenn ein Betrag von 100.000 Euro hinterlegt wird.

Die Stadtverwaltung bestätigte am Mittwoch den Vorgang, wollte aber keine weitere Stellungnahme abgeben. Fest steht, dass die Stadt die nach ihrer Ansicht unrechtmäßig entstandenen Einnahmen abschöpfen will: Hier geht es vor allem um das Trinkwasser, das laut städtischer Auflage hätte kostenlos abgeben werden sollen. Ein zweiter, deutlich weniger gewichtiger Punkt ist die zu niedrige Zahl an eingesetzten Ordnern.

Alexander Simon, der Anwalt der Mehr-Seen-GmbH, bezeichnet das Vorgehen der Stadt als ungewöhnlich und rechtswidrig. Die Bank habe vier Tage vor den Betroffenen selbst von dem Gerichtsbeschluss erfahren. Zudem habe die Stadtverwaltung zum Wasserverkauf "wilde Berechnungen angestellt, die ich nicht nachvollziehen kann", so Simon.

Strittig sei ohnehin die Rechtmäßigkeit der Gratiswasser-Auflage. Er beklagt, dass es nie zu einem geforderten Runden Tisch mit allen Beteiligten gekommen ist. Stattdessen habe die Stadtverwaltung sich für ihre schriftlichen Antworten immer sehr lange Zeit gelassen, der Gegenseite aber immer nur kurze Fristen eingeräumt. Simon: "Es ist bei dem Festival sicher nicht alles optimal gelaufen, aber man muss jetzt mit Maß und Ziel vorgehen". Einen dinglichen Arrest in dieser Form hat er in seinen 20 Berufsjahren bislang jedenfalls noch nicht erlebt.

Die Sea of Love 2011

Die "Sea of Love" feierte vom 15. bis 17. Juli ihr Zehnjähriges: An den Tunisee kamen Weltstars der elektronischen Musik wie etwa David Guetta. Rund 25.000 Fans strömten am Samstag und am Sonntag zu dem Festival am See nahe Hochdorf. Die Besucher reisten aus ganz Süddeutschland an, etliche sogar aus dem Ausland.

Veranstalter war die "MehrSeen GmbH" um Festivalgründer Bela Gurath. In diesem Jahr zog sich das Festival erstmals über drei Tage hin. Bereits am Freitagabend und dann auch am Samstagabend fanden zu später Stunde als Aftershowparty auch Veranstaltungen in den Hallen der Messe Freiburg statt.

Auf dem Freigelände der Messe war ein großer Campingplatz angelegt. Bei der Anreise der Camper am Freitagnachmittag brach der Verkehr im Freiburger Westen komplett zusammen, es gab massive Staus. Die Anreise war der erste von mehreren Zwischenfällen, über deren Ausmaße der Veranstalter, die Polizei und die Stadt bis heute streiten.

Am Tag nach dem Festival hat die Stadt in einer schnell einberufenen Pressekonferenz dem Veranstalter alle Schuld zugeschoben. Die "MehrSeen GmbH" war zu diesem Termin nicht eingeladen worden.

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