Sea of Love 2012: Ortschaftsrat gibt grünes Licht

Julius Steckmeister

Das Elektronik-Festival "Sea of Love" soll 2012 ohne Chaos über die Bühne gehen. Der neue Veranstalter Koko hat sein Konzept vorgestellt - und musste in der March das Vertrauen der Ortschaftsräte gewinnen. Koko-Chef Marc Oßwald: "Wir fangen so an, als ob es die Sea of Love noch nie zuvor gegeben hätte". Wann das Line-up bekannt gegeben wird:



Da Holzhausen als Anliegergemeinde unmittelbar vom Musikfestival "Sea of Love" am Freiburger Tunisee betroffen ist, stellte der Veranstalter Koko & DTK Entertainment sein Konzept dem Ortschaftsrat vor. Zu dem mehrtägigen Event waren im Juli 2011 rund 25 000 Menschen pro Veranstaltungstag gekommen. Aufgrund von Fehlern und Pannen bei der Organisation war das Festival im Vorjahr beinahe kollabiert (Stellungnahme der Veranstalter).

Während das juristische Nachspiel der letzten Sea of Love zwischen der Stadt Freiburg und dem damaligen Ausrichter, der MehrSeen GmbH, noch in vollem Gange ist, bereitet sich der Konzertveranstalter Koko, der die Open-Air-Technoparty in diesem Jahr ausrichten möchte, unter Hochdruck auf die Neuorganisation des Festivals vor. Dazu gehört neben einem runderneuerten Konzept auch ein Zug durch die Gemeinden, um den Anliegern das nicht unumstrittene Großereignis schmackhaft zu machen

"Wir fangen so an, als ob es die Sea of Love noch nie zuvor gegeben hätte", betonte Marc Oßwald, Geschäftsführer von Koko. Seit mehr als 30 Jahren zeichnet seine Firma neben Konzerten auch für Großveranstaltungen wie das Freiburger "Zelt Musik Festival" oder das "Southside Festival" in Neuhausen ob Eck verantwortlich. In Freiburg hatte die Firma 2011 den Besuch von Papst Benedikt XVI federführend organisiert. "Bei keiner unserer Veranstaltungen kam es bisher zu Unglücksfällen. Falls doch etwas passiert, haften wir selbstverständlich für die Schäden. Alle Auflagen werden erfüllt und vorab mit ihnen durchgesprochen", versicherte Oßwald den Ortschaftsräten und anwesenden Bürgern.

Das Festival am Tunisee, so Oßwald über die Kernprobleme des Vorjahres, sei zu schnell gewachsen. Waren im Anfangsjahr 2002 gerade mal 2500 Besucher an den Badesee gekommen, hatte sich die Besucherzahl in nur 10 Jahren verzehnfacht. Wichtigster Ansatz von Koko sei daher eine "Redimensionierung" der Veranstaltung. "Bei 20 000 Besuchern pro Tag ist Schluss", versprach Oßwald. Und auch ein Event am Messplatz wird es 2012 nicht geben.

Noch mehr Zahlen hatte der technische Leiter, Tobias Botzenhardt, mitgebracht. Das Programm umfasst das Wochenende am Samstag, 14. und Sonntag, 15. Juli. Von 11 beziehungsweise 10 bis 23 Uhr werden die Konzerte laufen. Anschließend wird es samstags bis 1 Uhr und sonntags bis Mitternacht ein "deutlich lärmreduziertes Nachprogramm" geben. Neben 6000 Mehrtagesgästen, die auf dem Campingplatz Silbersee (1000 Besucher) sowie auf einer Fläche bei Reute (5000 Besucher) zelten sollen, kommen noch mal 14 000 Tagesgäste hinzu, rechnete Botzenhardt vor.

Viele der Camper werden bereits am Donnerstag und vor allem am Freitag anreisen, räumte Botzenhardt ein. Für den Freitagabend ist daher ein "extrem leises Warm-up" vorgesehen, um die Besucher vor Ort zu halten. Ein Ausschwärmen in die umliegenden Gemeinden soll während des gesamten Festivals möglichst vermieden werden. Zu diesem Zweck ist auch ein Shuttlebusservice nach Freiburg eingerichtet, damit die Festivalgäste in der Stadt einkaufen können.

Um den An- und Abreiseverkehr zu leiten, soll der Tunisee ausschließlich von Norden über die Autobahnausfahrt Teningen angefahren werden, mit einer Streckenführung über Emmendingen-Wasser und Reute. Von den Parkplätzen zwischen Reute und Schupfholz verkehren Busse über Holzhausen und Benzhausen zum Seegelände. Sie werden an der Seestraße zwischen der Autobahn und dem Autobahnzubringer Nord wenden.

Dazu soll die Unterführung der Seestraße von Benzhausen herunter der Autobahn sogar noch etwas abgefräst werden, damit keinesfalls Busse in dem Straßendurchlass unter der Autobahn hängen bleiben. Wer bei Reute zeltet oder dort mit dem Auto anreist, kann auch zu Fuß an der Marcher Grünschnittsammelstelle vorbei zum Festgelände. Mit einer durchgängigen Beschilderung soll der Individualverkehr dabei an er Marcher Grünschnittsammelstelle vorbei gelenkt werden, wobei Zäune dafür sorgen sollen, dass die Fußgänger nicht quer über Äcker und durch den Wald stapfen.

Allerdings müssen die Holzhauser voraussichtlich vom Abend des Donnerstag, 12. Juli, bis zum Mittag des Montag, 16. Juli, mit der Sperrung der Kreisstraßenbrücke nach Reute leben. Für die Anwohner wird es ein 24-Stunden-Beschwerdetelefon geben. Zum Schutz der Gemeinden werden die Wege und Begrenzungen von Streifen eines Sicherheitsdienstes abgegangen. "Wir werden nicht alles verhindern können, aber viel Geld und Mühen verwenden, um die Schäden möglichst gering zu halten", versprach Botzenhardt. Dem Festival mit neuem Konzept stimmten sechs Ratsmitglieder zu. Zwei Ortschaftsräte enthielten sich.

[dieser Artikel erschien heute auch in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung]