Sea of Love 2012: Diese Künstler dürft ihr nicht verpassen

Bernhard Amelung

Ein Festival, zwei Tage feiern, House, Techno und Elektro, gespielt von über drei Dutzend Bands und DJ: das ist die Sea of Love 2012. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Wohin ihr euch treiben lasst und wo ihr bleiben werdet, entscheidet ihr selbst. Diese fünf Acts dürft ihr unserer Meinung nach auf keinen Fall verpassen:



The Oakwoods: Live-Elektronik für Frickelverliebte

   
Hype hin oder her, das weite Umfeld der Berliner Clubinstitution Berghain zählt seit jeher zu den fruchtbarsten Nährböden für elektronische Clubmusik, die standhalten kann vor den kritischen Ohren Rave-erprobter Festivalgänger und dem launischen Charakter der schreibenden Zunft. Irgendwo dort, zwischen der nachmittäglichen Verlorenheit in einem Sonntagsset und der Realität harter Studioarbeit, haben auch Daniel Eichholz - Schlagzeuger der Formation 2Raumwohnung - und Heinrich Schiffers - Gitarrist ebendort - sowie der DJ und Produzent Koljah Stottmeister zueinander gefunden, ihre Fähigkeiten in die Drechselbank gespannt und daraus das Projekt The Oakwoods herausgearbeitet.

Dort sorgt nun Koljah Stottmeister, der in der Vergangenheit wunderschöne, zwischen melancholischem Dub Techno und auf den Punkt gebrachte Deep House-Stücke veröffentlicht hat, für das elektronische Fundament, während Daniel Eichholz und Heinrich Schiffers sämtliche Materialien und Gegenstände, die ihnen zwischen die Finger geraten, für Beat- und Perkussionselemente verwenden. Bierdosen, Benzinkanister, Blumentöpfe und Kokosnüsse, aber auch Schranktüren oder gar Rolltreppenstufen werden unendlich viele Klänge entlockt, die das Publikum zunächst verführen oder abschrecken, begeistern oder verängstigen, aber schon nach kurzer Zeit elektrisieren und mitreißen.

The Oakwoods live 2011

Quelle: YouTube


Was:
The Oakwoods live
Wann: Samstag, 14. Juli 2012, 12 Uhr
Wo: Mainstage

Bodi Bill: Indie-Folk-Elektronik für glückliche Melancholiker

Dass man eine dunkle Melancholie feiern kann, wissen sowohl vollbärtige Indie-Folk-Sänger mit Gitarre und dem stets weltfernen Blick, als auch Elektronikmusiker, deren Klangbilder, meist pulsierende oder schwebende Flächen, Verfilmungen traurigster Erinnerungsromane unterlegen könnten.

Und was, wenn beide Genre, Indie-Folk und elektronische Musik, aufeinandertreffen wie bei Bodi Bill, der 2005 in Berlin von Fabian Fenk, Anton Feist und Alex Stolze gegründeten Band? Dann gibt es nur zwei Dinge: Entweder begibt man sich an seinen Lieblings-Rückzugsort, gibt sich dem Herzschmerz hin und lässt die Tränen fließen, oder man setzt die tiefe, schwere Weltmelancholie in Tanzschritte um und bewegt sich, bis einen die sanfte Euphorie erfasst, die nur durch die Musik ausgelöst werden kann.

Bodi Bill live at Weekend Club (Berlin)

Quelle: YouTube


Was:
Bodi Bill
Wann: Sonntag, 15. Juli 2012, 13 Uhr
Wo: Mainstage

Azari & III: House und Disco für Realkeeper

Ein letztes Mal: House und Disco sind der Soundtrack und das Lebenselixier der schwarzen, schwulen und hispanischen Subkulturen Chicagos und New Yorks der Siebziger und Achtziger Jahre, und haben nichts gemeinsam mit dem Vanilla-Glitzer-Sound, wie er seit Jahren rund um das überflüssigste Label der Welt, Bar25, gefeiert wird. Wahre House- und Disco-Musik ist lasziv, schmutzig und anstößig - genau wie der Sound von Dinamo Azari, Alixander III, und Starving Yet Full, die sich mitte der Nullerjahre in der kanadischen Stadt Toronto zusammengefunden und von dort unter dem Künstleralias Azari & III zunächst die Herzen sämtlicher Realkeeper, später auch einiger weniger Club- und Festivalbesucher mehr, erobert haben. "Hungry For The Power" hieß ihre erste Platte. Die Synthesizer darauf strotzen nur so vor Pheromonen, die Bässe verfügen über phallische Kräfte und die Beats fordern auf, sich der Fleischeslust hinzugeben. Nichts für Perlen-Paulas und wohlfrisierte Hipster!

Azari & III - Hungry For The Power

Quelle: YouTube


Was:
Azari & III
Wann: Sonntag, 15. Juli2012, 14:30 Uhr
Wo: Mainstage

 

Fritz Kalkbrenner: Der SUOLmate großer Festivals

Der Berliner Musiker und Produzent Fritz Kalkbrenner hat, was seinem Bruder inzwischen zur Gänze fehlt: Soul. Während der Unbenannte und doch Erwähnte Ausschau hält nach übergroßen Festivalwiesen und Fußballstadien in Schwellenländern und bald in einem Atemzug mit Culture Beat oder 2 Unlimited genannt werden wird, taucht Fritz Kalkbrenner mit jeder weiteren Veröffentlichung tiefer ein die Grundlagen der Dance Music und fördert aus Funk, Soul und Disco Elemente zu Tage, die Einfang finden in seinen waffelleichten, fluffigen House-Sound. Perfekt für einen Sommerabend, wenn die Sonne untergeht und die Landschaft mit ihren letzten Strahlen wärmt.

Fritz Kalkbrenner - Facing The Sun

Quelle: YouTube


Was:
Fritz Kalkbrenner live
Wann: Sonntag, 15. Juli 2012, 19:45
Wo: Mainstage  

Monika Kruse: Die Festival-Evergreen-Queen

Monika Kruse, geboren in Berlin, aufgewachsen in München, dort prägende Figur der Technoszene zu Beginn der Neunziger Jahre, steht länger an den Decks als manch ein Festivalbesucher alt ist und hat erst kürzlich mit dem Longplayer "Traces" gezeigt, dass ihr Energie- und Leidenschaftskonto noch lange nicht ausgeschöpft ist. Vielmehr füllt sich dieses von Gig zu Gig wieder auf, um - zurück in Berlin - noch kleine Spontansets unter freiem Himmel oder im Garten des anfänglich erwähnten Clubs zu spielen. Dort macht ihre Musik am allermeisten Spaß, weil sie ohne Veranstalterdruck im Nacken aufspielen kann.

Zwischen Karotte und Carl Cox am Sonntag packt sie allerdings die Peaktime-Knüppel raus und lässt sie auf die Tanzenden los. Denn eine verkopfte Spielverderberin war Monika Kruse noch nie.

Monika Kruse - Robot Heat (Edit Version)

Quelle: YouTube


Was:
Monika Kruse
Wann: Sonntag, 15. Juli 2012, 18 Uhr
Wo: Big Tent Stage

Sea of Love 2012 - Die Fakten

Wann: Samstag 14. und Sonntag, 15. Juli 2012

Line-Up: Carl Cox - Mr. Oizo - Carl Craig - Fritz Kalkbrenner - Birdy Nam Nam - Bonaparte - Turntablerocker - Seth Troxler - Frida Gold - Ellen Allien - Lexy & K Paul feat. Marteria - Moonbootica - Karotte - Monika Kruse - Pan Pot - The Koletzkis - Dominik Eulberg - AKA AKA feat. Thalstroem - Bodi Bill - Andre Galluzzi - tINI - Daniel Bortz - Sascha Braemer - Left Boy - Santé - Chopstick & Johnjon - Till von Seins - Rampa - Steve Blunt - Acoma - Phuture Traxx - Sebastian Gnewkow - Macos Del Sol - Fenomen - Mlle Magali - Pete Curleen 

Tickets:
Festivalticket (beide Tage): 76,45 Euro
Tagesticket (ein Tag): 54,45 Euro

Mehr dazu:

  [Bilder: Promo]