Scrubber will dein Facebook-Profil von Peinlichkeiten befreien

Fabian Fechner

Der Online-Dienst Scrubber verspricht, anstößige Inhalte in Social Media-Profilen zu finden. fudder-Autor Fabian Fechner hat versucht, seinen Ruf zu säubern. Ob's geklappt hat:



Fast täglich wird uns eingetrichtert, uns im Internet doch bitte zu benehmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man hemmungslos posten konnte, was man gerade dachte. Klar, gibt es Privatsphäre-Einstellungen, aber denen traut die überwachungsgebeutelte Generation PRISM schon lange nicht mehr. Deswegen halten wir uns lieber zurück, denn schließlich wird da immer ein zukünftiger Chef, eine neue Freundin oder auch nur die internetaffine Oma sein, die die Partybilder vom letzten Wochenende nicht sehen sollte.


Dienste wie Scrubber versprechen potenziell anstößige Postings auf Facebook und Twitter zu finden und dem Nutzer so die Möglichkeit zu geben diese zu löschen. Schon seit Anfang 2009 bin ich bei Facebook und kann mich natürlich nicht mehr an jeden einzelnen Post erinnern. Zeit also, das Profil mal gründlich auf Hochglanz zu schrubben.

Nach dem Start des Programms folgt gleich das erste Hindernis: Man muss der Anwendung den Zugriff auf das Facebook-Profil genehmigen, inklusive Freundesliste, Interessen und Statusmeldungen. Finde ich doof, macht aber Sinn. Dann hat man noch die Möglichkeit, den Peinlichkeitscheck auf andere soziale Netzwerke wie Twitter, LinkedIn oder Instagram auszuweiten. Ich gebe mich aber zunächst einmal mit Facebook zufrieden.

Dann startet das Screening. Ich fühle mich irgendwie nicht gut dabei, obwohl es nur ein Testversuch ist. Trotzdem versuche ich mich zu erinnern, was ich so gepostet habe, das das Programm finden könnte. Es läuft sehr lange. Dann das Ergebnis: "So far, we have scanned 792 total pieces of information. 20 of those were flagged by Scrubber." What the f... (Uh, aufpassen!) Dabei gebe ich doch immer Acht bei der Wortwahl, so von wegen "das Internet vergisst nie". In letzter Zeit habe ich außerdem sehr wenig auf Facebook gepostet.

Da ich mich vorher mit einer Frage an Scrubber gewendet hatte, schaltet mir mein Ansprechpartner Ryan freundlicherweise den Premium-Zugang frei. Normalerweise kostet dieser 4,99 Dollar. Alternativ kann man das Scrubber-Ergebnis zur Freischaltung auch mit seinen Freunden teilen und vergleichen. Guter Witz.

Der Anreiz zum Premium-Upgrade ist groß, denn was nützt es mir zu wissen, dass Scrubber 20 kompromittierende Posts gefunden hat, wenn ich nicht weiß, welche?! Also sehe ich mir die Details an, aufgeteilt in vier Kategorien. In 17 Posts wurden potenziell obszöne Inhalte gefunden, drei weitere Male soll ich etwas geschrieben haben, was mit dem Thema Alkoholkonsum zu tun hat. Immerhin hat Scrubber keine Statusmeldungen registriert, die in Las Vegas gegeotagged wurden und meldet: null Check-ins in Stripclubs. Da hätte ich mich auch dran erinnert.

Bereits bei den identifizierten Begriffen werden erste Schwächen des Programms auffällig: "Fuck", "Arschloch" und "Shit" können – je nach Zusammenhang – tatsächlich ein Problem darstellen. Aber "Flasche", "geil", "Fresse" und "Sense"?



Ich schaue mir jeden einzelnen identifizierten Post an und stelle fest: Bei 80 Prozent der gefundenen, potenziell obszönen Inhalte handelt es sich um Worte (Shit, geil, sexy, xx), die nicht ich selbst, sondern Freunde von mir in Kommentaren unter meinen Posts verwendet haben. Da sie dabei meist nur einen Sachverhalt kommentieren und sich nicht direkt an mich wenden, ist kaum etwas davon für mich bedrohlich. Ein Erasmus-Freund schreibt zum Beispiel unter eine meiner Statusmeldungen, dass wir mal wieder eine "Flasche" Bordeaux zusammen trinken sollten und schon stuft mich Scrubber als Alkoholiker ein. Selbst wenn diese Kommentare wirklich anstößig wären: Ich kann ja nichts für das, was meine Facebook-Freunde posten. Mit sehr viel gutem Willen beweist dies höchstens, dass ich die falschen Freunde habe – was sehr weit hergeholt ist.

In einem weiteren Post kommentiere ich die Aufstellung eines Fußballspiels und erwähne den Spieler "Bender", was Scrubber wiederum zu folgender Warnmeldung veranlasst: "We tag these words as drug/alcohol related." Hier verlassen mich kurzzeitig meine Englischkenntnisse, aber ein Klick auf das Wort führt mich zum Urban Dictionary, einem hilfreicher Service: Demnach ist ein "Bender" jemand, der länger als einen Tag von Alkohol und Marihuana berauscht ("bent") ist, verbunden mit dem Verlust von Geld und Erinnerung. Der Roboter in Futurama heißt also nicht umsonst so.



Mein schlimmster Post ist nach sorgfältiger Durchsicht der Ergebnisse schließlich: "Who the fuck is Real Madrid?", geschrieben nach einem völlig überraschenden Sieg meiner Lieblingsmannschaft über die Madrilenen. Solange ich nicht für einen Fan der Königlichen aus Spanien arbeiten will, brauche ich mir damit keine Sorgen zu machen. Nochmal Glück gehabt.

Der Nutzen von Scrubber ist also noch sehr begrenzt. Weder waren die identifizierten Schlüsselwörter wirklich obszön (zumindest im jeweiligen Zusammenhang), noch habe ich einen Großteil davon überhaupt selbst gepostet. Darüber hinaus kann Scrubber auch keine Bilder identifizieren, auf denen man zum Beispiel alkoholische Getränke in der Hand hält und diese ganz offensichtlich auch schon konsumiert hat. Für den ernsthaften Nutzer wäre das sehr hilfreich. Das größte Manko bleibt jedoch: Man kann Scrubber zwar für deutschsprachige Profile laufen lassen, es verheddert sich aber immer wieder in der deutschen Sprache. Unterhaltsam ist das trotzdem.

Mehr dazu:

[Foto 1: Photographee.eu/Fotolia.com, Foto 2 & 3: Screenshots]