Schwimmbad-Liebe

Fabienne Hurst

Alle Jahre wieder nimmt sich fudder-Autorin Fabienne vor, nicht ins Schwimmbad zu gehen, wenn das Thermometer die 27 Grad überschritten hat. Denn sie weiß, dass dort Gefahren lauern: kreischende Kinder, kickende Prolls und gaffende alte Männer. Von der Hitze getrieben, ist sie am Dienstag dann doch hingegangen.



Viel zu spät fällt mir ein, dass ein Gespenst namens Fußpilz immer noch umhergeht – meistens erst dann, wenn meine Füße den glitschigen Toilettenboden bereits berühren. Spätestens wenn ein benutztes Pflaster im Wasser an mir vorbeischwimmt, frage ich mich: Warum tue ich mir das an.


Und erst der Anblick all dieser dicken Kinder, die abwechselnd Colakracher und Wienerle in sich reinschieben und dann alles mit viel Capri-Sonne runterspülen. Es sind dieselben, die eine Arschbombe im Schwimmer-Becken platzen lassen und so laut prustend wieder auftauchen, dass man ihnen schon jetzt einen frühen Herzinfarkt diagnostizieren möchte. Die ganz Schlauen stopfen auf der großen Rutsche die Badehosen zwischen beide Po-Backen – „für mehr Speed, weisch!"

Bademeister sehen das nicht gern, aber was sollen sie machen. Sie müssen ja schon den ganzen Tag, die Arme vor der Brust verschränkt, am Beckenrand stehen und böse gucken. Können die überhaupt etwas anderes? Habt Ihr schon mal einen Bademeister schwimmen sehen? Bademeister machen mich nervös.

Doch was wäre der Sommer ohne Freibad? Ohne den Duft von Pommes Rotweiß, Sonnencreme und Chlorwasser? Ohne Nogger Choc, Flutschfinger und die Süße Tüte? Doch das allein ist es nicht, was mich so anzieht. Es sind diese besonderen Menschen, die sich in Schwimmbädern tummeln. Diejenigen, die den Sommer regelrecht inkarnieren.

Da ist zum Beispiel Ringer-Weltmeister Adolf Seger, der in seinen knappen Badehöschen den ganzen Tag im Strandbad Tischtennis spielt. Wie er das wohl schafft? Mit 66 Jahren, sieben Tage die Woche, zehn Stunden am Tag? Oder die so seelig dahindösende Burkini-Frau am Beckenrand, die man jedes Mal fragen möchte, warum sie denn ausgerechnet im Damenbad einen Ganzkörper-Schleier trägt.

Auch die Putzfrau im Strandbad in Littenweiler, die immer kurze Kittelchen zu Gummistiefeln trägt, wenn sie die Duschkabinen ausspritzt. Sie sieht dabei so adrett aus, dass man sie fragen möchte: „Was ist Dein Stil, Strandbad-Putzfrau?“

Wenn man diesen Menschen begegnet, weiß man: jetzt ist er da, der Sommer. Er geht so schnell nicht mehr weg. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl - und deswegen gehe jedes Jahr wieder ins Schwimmbad.

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[Foto © dpa]