Radsicherheit

Schweizer Regierung hält Fahrradklingeln für überflüssig

Oliver Huber

Während Freiburger Radler meist ohne Licht und heile Bremsen unterwegs sind, geht die Schweiz noch einen Schritt weiter: Dort dürfen Velo-Fahrer ganz offiziell auf die Klingel verzichten. Wie bitte?!

Ding Dong: Dieses Geräusch wird man in der Schweiz wohl künftig seltener hören. Nicht, dass die Eidgenossen ihr Statussymbol schlechthin, die Kuhglocken, abgeschafft hätten - obwohl diese ja im Verdacht stehen die Rindviecher auf Dauer taub zu machen. Es kommt noch kurioser: Die Bundesregierung hat kurzerhand die altehrwürdige Fahrradklingel für überflüssig erklärt.


Wie bitte? Ja, genau. Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt hat der Bundesrat Mitte Januar die sogenannte Glocken-Pflicht aufgehoben, und kaum einer hat es gemerkt. Selbst Fahrradhändler seien von dem Coup komplett überrumpelt worden, schreibt die Aargauer Zeitung. "Quatsch! Das muss ich jetzt nicht verstehen, oder?", sagt denn auch Johannes Bruns, Vorsitzende der Freiburger Sektion des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Fußgänger würden bei Überholvorgängen ein Signal geradezu erwarten. Mit diesem eingeübten Prozess könnte es in der Schweiz also bald vorbei sein.

Bislang musste derjenige, der dort ohne Klingel unterwegs war, 20 Franken Strafe berappen. Diese staatliche Einnahmequelle versiegt nun auf unabsehbare Zeit. Bleibt die Frage: Warum? Dem verantwortlichen Bundesamt ging es wohl bei dem Schritt in erster Linie darum, einen alten Zopf abzuschneiden, so die Aargauer Zeitung weiter.

Der Wunsch nach Abbau von Regulierungen treibt dabei noch buntere Blühten: Neuerdings ist in der Schweiz sogar der Fahrradsattel nicht mehr ausdrücklich vorgeschrieben. Wohl dem, der seinen Hintern direkt aufs Oberrohr presst.

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