Schwarz-Gelb geht bei "Nachgefragt" am Rotteck unter

Frank Zimmermann

Die Bundestagskandidaten der fünf großen Parteien haben sich bei der Schülertalkshow "Nachgefragt" im Rotteck-Gymnasium den jungen Zuschauern gestellt. Diese gaben am Schluss ihre Stimme ab. Mit eindeutigem Ergebnis.



Daniel Sander reißt die Arme hoch und lächelt ins Publikum. Ist’s ein gequältes Lachen oder Galgenhumor? Immerhin wurde der CDU-Bundestagskandidat von den Wählern soeben kräftig abgewatscht – 1,2 Prozent der abgegeben Stimmen, das nennt man ein politisches Fiasko. Es bedeutet den letzten Platz, noch hinter FDP und Linken.


"Aber es hat trotzdem Spaß gemacht", versichert Sander. Sascha Fiek, Konkurrent von der FDP, demonstriert ebenfalls Gelassenheit: "Mit drei Prozent Platz drei, das ist schon eine spannende Geschichte." Fiek, Sander und Linke-Kandidatin Uta Spöri hatten im übervollen Foyer des Rotteck-Gymnasiums keinen leichten Stand gegen die beiden Berlin-Routiniers, Staatsminister Gernot Erler (SPD) und die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Kerstin Andreae.

Vor allem Andreae traf den richtigen Ton fürs junge Publikum: Sie konnte binnen 100 Minuten ihren Stimmenanteil von knapp 40 auf 54 Prozent steigern. Und Gernot Erler (SPD), der vor der Veranstaltung 50 und am Ende 38,8 Prozent bekam, warf seine ganze Regierungserfahrung in die Waagschale. Zu spüren war das etwa beim Thema Afghanistan, wo beide gegen einen Sofortabzug der Truppen plädierten, wie ihn Uta Spöri forderte, weil das einen blutigen Bürgerkrieg im Land am Hindukusch zur Folge hätte.

Spöri stand auch allein mit ihrer Meinung, dass der Terror des 11. September von Saudi-Arabien ausging. Derweil sammelte CDU-Mann Sander mit seinem Plädoyer für eine längere Nutzung der Atomkraft und Sätzen wie "Niemand hat in Deutschland Probleme, sein Studium zu finanzieren. Ich habe auch Studiengebühren bezahlt" nicht gerade Pluspunkte.

Während sich "Nachgefragt" stets durch freche und mutige Fragen an den Gast auszeichnet, blieb diese "Nachgefragt"-Ausgabe relativ konventionell. Was wohl daran lag, dass gleich fünf Gäste möglichst gleich lang befragt werden und ein heilloses Chaos à la Anne Will vermieden werden sollte.



Die gut vorbereiteten Fragestellerinnen Ines Kehl und Judith Wenner, 18 und 19 Jahre alt und beide Abiturientinnen, bündelten ihre Fragen thematisch: Abwrackprämie und Atompolitik, Staatsverschuldung und Steuern, Bankenpleite, Mindestlohn, innere Sicherheit und soziale Gerechtigkeit.

Steuersenkungen hin oder her, diese "Nachgefragt"-Ausgabe hatte auch amüsante Momente. Vor allem an der "Angreif-Bar", an der die fünf Kandidaten, wahlweise bei Berliner Weiße oder Bionade, Gegenstände in Säckchen ertasten mussten, die mit ihrem Leben zu tun haben. Daniel Sander zog – in Anspielung auf ein Foto in der BZ – eine Münsterwurst. Was ihm das Geständnis entlockte, dass er sie gerne von beiden Seiten anknabbert. Überraschendes ertastete Kerstin Andreae: Handschellen. Die Grünen-Politikerin war erstaunt. Was sie fessle? der "Tatort" mit Maria Furtwängler. "Ich wäre gerne Kommissarin geworden", gestand Andreae. "Aber ich bin ein fürchterlicher Angsthase."

[Fotos: Thomas Kunz ]

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