Schulen halten’s mit dem Unterrichtsbeginn nach dem Halbfinale flexibel

Simone Höhl

Mit dem Einzug von Jogis Jungs ins WM-Halbfinale steigt das Fußballfieber – auch unter Schülern. Doch das heutige Spiel beginnt wegen der Zeitverschiebung wieder erst um 22 Uhr. Einige Schulen wollen daher die erste Stunde ausfallen lassen



Allerdings wird’s an vielen Freiburger Schulen wohl keinen Anpfiff geben, wenn Schüler am Morgen danach verschlafen. Einige streichen diesmal gleich die erste Stunde.


Je später das Spiel am Abend, um so interessanter wird die Möglichkeit, die das Kultusministerium eröffnete: Während der Weltmeisterschaft dürfen die Schulen den Unterrichtsbeginn verlegen. Das Angebot zur Schiebung stieß anfangs nicht auf Gegenliebe.

Inzwischen sieht’s für die Jüngsten etwas anders aus, zeigen Stichproben bei Grundschulen: In Vauban müssen Karoline-Kaspar-Schüler, die das Halbfinale gucken wollen, erst zur zweiten Stunde anrücken. Für alle anderen sind Lehrer da. Auch am privaten Angell dürfen Grundschüler eine Stunde später kommen. "Aber es ist normaler Betrieb, die Betreuung wird angeboten", sagte Angell-Sprecher Claude Kuhnen. Für die 950 Realschüler und Gymnasiasten streicht das Angell die erste Schulstunde nach dem Halbfinale ganz, wobei’s auch Betreuung gibt. Kuhnen drückt der deutsche Elf die Daumen, macht den Schülern fürs Finale aber keine Hoffnung: "Das beginnt ja eine Stunde früher."

Die meisten anderen Schulen bleiben bei den offiziellen Zeiten, aber locker. Die Anne-Frank-Grundschule in Betzenhausen reagiert flexibel, sagte Rektor Edgar Bohn: "Wenn ein Kind später kommt, ist das ok, wenn es müde ist, suchen wir ihm eine Möglichkeit zum Ausruhen." Bohn ist auch geschäftsführender Leiter aller städtischen Grundschulen und meint, dass sie es größtenteils ähnlich halten. "Wir müssten ja den Unterricht nachholen und nach hinten verlegen", erklärte Ingrid Buttmi, Leiterin der Clara-Grunwald-Schule im Rieselfeld.

Das kollidiere dann mit Hort und Programm am Mittag. "Zu schwierig", sagt ihre Kollegin Christine Fischer von der Johannes-Schwartz-Schule in Lehen: Und so läuft auch beim amtierenden Freiburger Grundschul-Fußballmeister die Schule normal an. "Die Kinder kommen auch aus anderen Gründen mal müde in die Schule", sagt Rektorin Fischer: "Und wenn wir gewinnen, sind sie euphorisiert." Das können sie übrigens jetzt schon sein: Das Schulteam hat’s am Wochenende im Landesfinale der Mini-WM des Drei-Löwen-Cups bis ins Viertelfinale geschafft.

Auch das Kepler-Gymnasium im Rieselfeld ändert seine Linie nicht. "Es hat kein Schüler und kein Elternteil angefragt", sagte Direktor Rolf Behrens. Er ist gleichzeitig Geschäftsführer aller städtischen Gymnasien und hat nur von einer Anfrage fürs Finale gehört. Sein Realschul-Kollege winkt ab: "Bisher war’s kein Thema", sagt Peter Stehle. Er will in seiner Weiherhof-Schule nochmals darauf hinweisen, nicht gerade in den ersten beiden Stunden Klassenarbeiten anzusetzen: "Ansonsten ist business as usual."

Spontan bleiben die Werkrealschulen, sagt ihr geschäftsführender Leiter Hansjörg Nievergelt. "Wenn’s Verlängerung und Elfmeter gibt, wird’s individuell gehandhabt." Allerdings sind an seiner Karlschule ab 8 Uhr Prüfungen. "Aber Fußballspiele gibt’s ja noch viele im Leben, Abschlussprüfungen nicht – hoffentlich."

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