Umweltprojekt

Schule vergräbt Unterhosen, um die Bodenqualität zu erforschen

Anna Castro Kösel

Unterhosen für die Bodenqualität: Schülerinnen und Schüler des Deutsch-Französischen Gymnasiums in Freiburg haben Unterhosen auf dem Schulgelände eingebuddelt. Nach zwei Monaten werden sie ausgegraben, sie sollen Rückschlüsse auf die Bodenqualität geben.

Unterhosen auf dem Schulhof vergraben? Das klingt zunächst total verrückt. Doch die Schülerinnen und Schüler des Deutsch-Französischen Gymnasiums (DFG) machen das nicht nur, weil es eine witzige Idee ist. Sie möchten damit die Qualität des Bodens untersuchen. "Das ist eine Methode, die schon von einigen Winzern und anderen Landwirten in Frankreich praktiziert wird. Damit vergleichen und untersuchen sie die Bodenqualität ihrer Anbauflächen", sagt Guillaume Chevallier, Physik- und Chemielehrer am DFG, der das Projekt betreut.


Auch zwei Winzer aus der Region haben bereits Interesse an dem Projekt gezeigt. Am Donnerstag haben die Schülerinnen und Schüler einen Pilotversuch gestartet. "Wir möchten etwas über die Beschaffenheit und Qualität des Bodens erfahren" erklärt Amelie, die die zehnte Klasse besucht. "Wenn der Boden viel Pestizidanteil hat, bleibt die Unterhose ganz, weil die Bodenfauna, abgetöt wird und die Baumwolle nicht von Mikroorganismen zersetzt wird. Je mehr Organismen aber dort aktiv sind, desto weniger bleibt von der Unterhose übrig und desto besser ist die Qualität des Bodens." Eine hundertprozentige Bio-Baumwoll-Unterhose wird an zwei verschiedenen Stellen auf dem Schulgelände vergraben und soll Ende November wieder ausgegraben werden.

Im März wollen die Schüler weitere Unterhosen vergraben

Beim Projektbeginn am Donnerstag am Deutsch-Französischen Gymnasium bleiben viele Schülerinnen und Schüler stehen und schauen zu. Während die Projektgruppe um Lehrer Chevallier die Baumwoll-Unterhose vergräbt, müssen alle leicht schmunzeln. Es ist ein ungewöhnlicher Anblick. Auch die französische Schuldirektorin, Christiane Polowykow, gräbt mit: "Was machen wir, wenn die Unterhose gar nicht zersetzt wird? Schließen wir dann die Schule?", scherzt sie. Ende November möchte die Biologielehrerin Karine Scherzinger mit ihren Schülern unter dem Mikroskop die Erde und die Mikro- und Makroorganismen untersuchen, die die Unterhose zerlegt haben. "Wir erhoffen uns auch, dass andere Schulen die Idee witzig finden und mitmachen", sagt Herr Chevallier. Im März, wenn der Boden fruchtbarer ist, sollen weitere Unterhosen vergraben werden, sofern der Pilotversuch erfolgreich war. Die beiden 10. Klässlerinnen Amelie und Elisa werden das Projekt an einem Science-Slam am 15. Mai 2020 vorstellen und ihre Ergebnisse somit mitteilen.

Ähnliche Projekte gab es dieses Jahr in der Schweiz, wo die Bundesforschungsanstalt Schweizerinnen und Schweizer zum Unterhoseneingraben aufrief, die unter dem Hashtag #SoilYourUndies lief. Auch andere Landwirte weltweit haben sich von dem Trend, der aus Nordamerika kommt, inspieren lassen.

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