Initiative

Schülerinnen und Schüler setzen ein Zeichen für Europa

Christian Engel

Schüler der Aktion "Fridays for future" und des United World Colleges hatten mit der Initiative "Pulse of Europe" zur Kundgebung aufgerufen: Rund 400 Menschen kamen auf dem Platz der Alten Synagoge.

Vor allem Jugendliche äußerten ihre Meinung zu Politik, Klima, Zusammenhalt und Populismus.

Der Satz fiel gleich zu Beginn und ganz beiläufig, fasste aber dennoch die Kernbotschaft zusammen, für die die Kundgebung stand: "Wäre cool, wenn wir bisschen mehr zusammenrücken könnten", sagte Kristoffer Jorns, einer der Organisatoren der Veranstaltung. Er wollte damit die 400 Zuhörer, die sich auf dem Platz der Alten Synagoge verteilten, auffordern, ein wenig näher zu ihm ans Rednerpult heranzurücken – und fand damit genau die richtigen Worte.


Jung, engagiert und mit klarer Haltung

Kristoffer Jorns, Schüler des United World Colleges (UWC), war einer der jungen Redner: 17 Jahre, politisch engagiert, mit klarer Meinung. Jorns hat das Gefühl, Europa werde faul, zeige Symptome einer Großmacht, die langsam bröckle und in alte Muster verfalle. "Wir müssen aktiv werden, damit sich Geschichte nicht wiederholt", sagte er in Bezug auf den Nationalsozialismus.

Ein lebendiges Europa mit Visionen wünscht sich Jesko Treiber, Vorsitzender des Schülerrats. Er fordert einen Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 und sagt, dass man Klimaziele nicht auf nationaler Ebene lösen könne, diese Klimaziele aber dennoch erst einmal national erreicht werden müssten.
Interview mit Kristoffer Jorns: "Ich bin überzeugt von der europäischen Idee"

Ein Schüler des UWC, Andrei, 18, aus Rumänien, hielt einen flammenden Appell für die Dialogbereitschaft zwischen EU-Kritikern und -Befürwortern. Man müsse zuhören und reden. Die EU habe Probleme: "Dann gehen wir sie an."

Anna Müller, bei "Fridays for future" aktiv, sagte, man müsse lauter sein als die Kritiker. "Wir haben eine historische Verantwortung." Dann gab sie das Mikrofon frei für alle, die spontan etwas sagen wollten. Da war eine Britin, die sagte "Brexit ist scheiße" – und ging. Eine Frau aus dem ehemaligen Jugoslawien sagte: "Gestatten wir nicht, dass wieder Kriege entstehen." Und ein britischer Urlauber sagte: "Hoffentlich gehören wir bald wieder zu euch." Und die Europa-Flaggen, die zu Beginn der Veranstaltung noch im eisigen Wind zu zittern schienen, wirkten am Ende, als würden sie dem Gegenwind trotzen.