Jugendkunstpreis

Schülerinnen gewinnen Stipendium bei der Künstlerin Hilde Bauer

Patrick Schliffer

Emilia Laschke und Emma Quinn haben über den Jugendkunstpreis 2018/2019 ein Stipendium gewonnen. Mit der Künstlerin Hilde Bauers sprechen sie über ihre Bilder und Ideen.

Überall liegen selbstgemalte Bilder, die Arbeitstische sind besprenkelt mit Farben und verteilt über den Raum finden sich Arbeitsutensilien wie Spachtel oder Pinsel. Schon beim Betreten von Hilde Bauers Atelier in der Wiehre wird klar, Kunst zu schaffen ist mit dem Eintauchen in die Materie und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Material verbunden. Das wissen auch die beiden Schülerinnen Emilia Laschke und Emma Quinn, die über den Jugendkunstpreis 2018/2019 bei der freischaffenden Künstlerin ein Stipendium gewonnen haben. Einmal pro Woche kommen die 17- und die 18-Jährige in das Atelier, um zusammen mit der Künstlerin über ihre Bilder und Ideen zu sprechen und wertvolle Denkanstöße zu erhalten.


Aus der Komfortzone bewegen

Dass es sich bei den Schülerinnen keineswegs um Anfänger handelt, zeigt sich schon in der Art und Weise, wie überlegt und selbstkritisch sie ihre eigene Malerei beschreiben: "Die meisten Dinge, die ich so male sind zwar sehr technisch, aber eben ohne Substanz, also im Sinne von künstlerischem Eigenwert", erzählt die 18-jährige Emma über ihre Bilder. Genau hierin sieht Hilde Bauer ihre Aufgabe und den Sinn des Stipendiums: "Schön malen könnt ihr, es fehlt allerdings noch an Ausdrucksstärke in den Bildern".

Um zu finden, was einen selbst als Künstlerin auszeichnet, gibt es nur einen Weg: "Machen und ausprobieren", bringt es Hilde Bauer auf den Punkt. Emilia versucht sich momentan im Spachteln von Porträts. Daraus ist mittlerweile eine Serie geworden, in der die Bilder zunächst sehr abstrakt waren und im Verlauf der Übung immer konkreter wurden. "Ich habe sonst immer versucht, fotorealistisch zu malen", beschreibt die 17-Jährige ihre Bilder. Auch Emma hat sich aus ihrer Komfortzone gewagt: Die 18-Jährige hat zunächst viel mit Aquarell und Graphit gemalt und arbeitet im Atelier nun hauptsächlich mit Acrylfarbe.

Noch in der Kennenlernphase

Um die Schülerinnen immer wieder über sich hinauswachsen zu lassen, beginnt jede Ateliersession mit einer kleinen Aufgabe, beispielsweise einer realistischen Zeichnung. Dabei kam es allerdings auch schon zu Missverständnissen, wie Emma erzählt: "Hilde war ganz irritiert, als sie gesehen hat, was für unterschiedliche Dinge wir gemalt haben". Solche Unstimmigkeiten sind aber nicht weiter tragisch, befinden sich die drei doch noch in ihrer Kennenlernphase.

Sowohl Emma und Emilia als auch die Künstlerin haben verschiedene Vorstellungen von Malen und Zeichnen im Kopf, die erst noch aneinander angeglichen werden müssen. "Wenn ich jetzt sage, mal das bitte in einem dunklen Rot, haben wir alle drei ein unterschiedliches Bild dieser Farbe im Kopf", beschreibt die 56-Jährige diese Schwierigkeit.

Einig sind sich aber alle drei über den großen Stellenwert, den Malen für sie hat: "Man nimmt alles um einen herum nicht mehr wahr", beschreibt Emilia jenen schon fast tranceartigen Zustand, wenn sie in ihrer Arbeit versinkt. Oder als Möglichkeit, den Kopf freizubekommen: "Ich finde es beruhigend, etwas zu machen ohne nachzudenken", sagt Emma über ihre Leidenschaft. Philosophisch fasst Hilde Bauer zusammen: "Malen ist wie das Leben, jede Entscheidung hat Konsequenzen", denn selbst der kleinste Eingriff könne ein Bild vollkommen verändern.

Dass Kunst auch nach dem Stipendium weiterhin eine wichtige Rolle spielen soll, steht für die beiden Schülerinnen außer Frage. Emma möchte Kunst studieren und Emilia weiß zwar noch nicht genau, ob sie sich lieber mit Architektur oder Grafikdesign beschäftigen möchte, aber "zu 100 Prozent", dass es ein künstlerischer Bereich für sie sein muss.

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