Fischzucht-Projekt

Schüler und Geflüchtete züchten Speisefische in eigener Anlage

Sandra Hennig

Seit eineinhalb Jahren betreibt die Edith-Stein-Schule ein Aquaponik-Projekt. Jetzt waren die Nilbarsche bereit, gefangen und verspeist zu werden – das machten Schüler und Geflüchtete gemeinsam.

Es müssen nicht immer nur Worte sein, die zusammenführen – es können auch mal Fische sein. Die Nilbarsche der Aquaponik-Anlage, die die Edith-Stein-Schule seit anderthalb Jahren betreibt, wurden am Mittwoch zum integrativen Projekt: Sie waren bereit, gefangen und verspeist zu werden. Und das machten die Schülerinnen und Schüler der elften Klasse des agrarwissenschaftlichen Gymnasiums nicht allein, sondern gemeinsam mit neun Flüchtlingen aus der "Klasse zur Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen", kurz: VABO.


Aquaponik verbindet Fischzucht und Nutzpflanzen

Eine Schule mit eigener Aquaponik-Anlage, die die Aufzucht von Fischen mit der Kultivierung von Nutzpflanzen verbindet, das gibt es nicht oft. Die Edith-Stein-Schule durfte die selbstgebaute Anlage der Nachbarschüler der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule übernehmen und baut seitdem unter der Leitung von Bernd Raber nicht nur selbst an, sondern hat auch eine eigene Fischzucht.

"Eigentlich war es so gedacht, dass die Elftklässler die Fische fangen und ausnehmen, weil unter ihnen einige Angler sind, und die VABO-Schüler kochen", erklärt Antje Hirth, Abteilungsleiterin der Oberstufe "dann hat sich aber herausgestellt, dass einer der VABO-Schüler auch mit dem Fischfang vertraut ist." Abubakar Danso, der aus Gambia stammt, fängt deshalb die Tilapien im Kescher ein, während der 17-jährige Jaron Markstahler sie kloppt. Kloppen? "So nennt man den Schlag, den man den Fischen direkt nach dem Fang verpasst, um sie zu betäuben", erklärt der Gymnasiast und passionierte Angler, der die Nilbarsche gemeinsam mit Daniel Popovic ausnimmt.

Die gemeinsame Arbeit schafft Kontakt

In der Küche müssen Markstahler und Popovic nicht weiter beim Schuppen helfen, denn die gebürtige Syrerin Illham Naseef und ihre Mitschülerinnen wissen, was zu tun ist: Gekonnt schnappen sie sich Fisch und Messer, während die Gymnasiastinnen Lea Gorenflos und Stina Wehrmeyer bewundernd zuschauen. Für sie ist es das erste Mal, dass sie einen Fisch selbst zubereiteten. "Das ist etwas Neues für uns", betonen sie, "aber eine schöne Abwechslung."

Auch wenn das Deutsch der VABO-Schülerinnen und -Schüler noch rudimentär ist – "sie haben gerade das lateinische Alphabet gelernt", erklärt Klassenlehrerin Nora Thiele-Rapuc – verstehen sie schon deutlich mehr, als sie selbst sagen können. "Durch solche praktischen Übungen und den Kontakt mit den deutschen Schülern lernen sie vielleicht sogar etwas schneller", so Thiele-Rapuc. Die Wörter könne man sich zumindest leichter merken, wenn man sie direkt mit einem Bild oder Gegenstand verbindet, stimmt Naseef zu. Auch wenn es ab und an sprachliche Hürden zu nehmen gilt – die Schülerinnen und Schüler beider Klassen sind mit Spaß und vor allem mit Engagement bei der Sache.

Eine eigene Idee bringt die gebürtige Syrerin Manal Nassif ein. Sie wolle ein paar Fische auf arabische Weise zubereiten: "In Stücke schneiden, würzen, in Mehl wenden und in der Pfanne braten", erklärt sie. Die anderen Fische werden im Backofen zubereitet, mit Rosmarin, Petersilie, Olivenöl, Knoblauch und Minze – letzteres aus eigenem Anbau.

Die Aquaponik-Anlage der Edith-Stein-Schule, da sind sich alle Beteiligten einig, ist eine feine Sache. Nicht nur wegen des Lerneffekts, sondern auch wegen des leckeren Essens für Lehrer und Schüler.
Info

Zum Bildungsangebot der Edith-Stein-Schule findet am Mittwoch, 22. Februar, 19.30 Uhr, ein Info-Abend im Schulgebäude, Bissierstraße 17, statt.