Gundelfingen

Schüler können die gefundenen 30.000 Euro vielleicht behalten

Max Schuler

Was passiert mit dem 30.000-Euro-Fund von Gundelfingen, wenn sich kein Besitzer bei der Polizei meldet und diese keinen findet? Es gibt verschiedene Szenarien. Eine Variante sieht vor, dass die Finder das ganze Geld behalten dürfen.

Handschuhe, Schlüssel, Brillen: Diese Gegenstände befinden sich für gewöhnlich in der Schublade des Gundelfinger Fundbüros. Demnächst könnte die dort arbeitende Alexandra Kromer aber den wohl spektakulärsten Fund in diesem Jahr von der Polizei überreicht bekommen: 30.000 Euro in bar. Falls die Ermittlungen kein Ergebnis bringen, übergeben die Beamten das Geld dem örtlichen Fundbüro. Wenn es so kommt, brächte Kromer das Geld natürlich sofort auf die Bank. Mit einer solchen Summe in der Schublade würde sie sich eher unwohl fühlen in ihrem Fundbüro.


"Falls sich kein Besitzer meldet, wäre es natürlich schön, wenn die Kinder das Geld bekommen würden. Das würde allen Menschen zeigen, dass sich Ehrlichkeit am Ende doch auszahlt." Alexandra Kromer, Fundbüro Gundelfingen
Bisher hat die Polizei noch keinen Besitzer des Geldes ermittelt, das am vergangenen Mittwochmorgen zwischen der Gärtnerei Rückle und dem Gundelfinger Ortseingang von sechs Jugendlichen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums gefunden wurde. Die Namen der Schüler im Alter von zwölf bis dreizehn Jahren sind bisher nicht bekannt, die Schule und die Eltern möchten nicht, dass sie in der Zeitung stehen. Dennoch ist ihre Ehrlichkeit das Gesprächsthema im Ort.

Szenario 1: Besitzer wird gefunden, Schüler erhalten Finderlohn

Falls die Polizei in Erfahrung bringen sollte, wem das Geld gehört, erhalten die Kinder einen Finderlohn in Höhe von 910 Euro. Nach Bekanntwerden des Fundes haben sich Anrufer bei der Polizei gemeldet und einen Anspruch angemeldet – diese Anrufer werden derzeit überprüft und müssen einen einwandfreien Besitznachweis vorlegen, dass ihnen das Geld auch tatsächlich gehört.

Szenario 2 : Geld stammt aus einer Straftat – Staatsanwaltschaft übernimmt

Keinen Finderlohn für die Schüler gibt es wohl, wenn die Polizei herausfinden sollte, dass das Geld aus illegalen Geschäften stammt oder es sich um Schwarzgeld handelt. "Wenn der Anfangsverdacht einer Straftat besteht, dann wird das der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, und die entscheidet, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird oder nicht", sagt Horst Haug, Pressesprecher vom Landeskriminalamt. Doch dazu bräuchte die Polizei erstmal einen Verdacht oder eine Anzeige. Ohne so etwas handelt es sich bei den 30 000 Euro in erster Linie um verlorenes Geld, das als unbelastet angesehen werden muss.

Szenario 3: Kein Besitzer wird gefunden, Finder erhalten das Geld

Wenn die Polizei keinen Besitzer herausfindet und auch keinen Verdacht hinsichtlich einer Straftat hat, übergibt sie das Geld nach Abschluss der Ermittlungen dem örtlichen Fundbüro in Gundelfingen. Natürlich können sich auch auf dem Fundbüro noch Besitzer melden, die man dann überprüfen müsste. "Falls dies nicht der Fall ist, erwerben sechs Monate nach Auffinden des Bargelds die Finder das Eigentumsrecht daran", sagt Alexandra Kromer vom Fundbüro.

Abzüglich einer geringen Verwaltungsgebühr, die die Gemeinde für das Aufbewahren des Geldes auf einem Konto erhebt, dürfte also für jeden der sechs Finder ein ordentlicher Geldbatzen übrigbleiben. Da die Kinder noch minderjährig sind, müsste das Fundbüro den Betrag nach Ablauf der Frist wohl an die Eltern ausbezahlen. "Falls sich kein Besitzer meldet, wäre es natürlich schön, wenn die Kinder das Geld bekommen würden. Das würde allen Menschen zeigen, dass sich Ehrlichkeit am Ende doch auszahlt", sagt Kromer vom Fundbüro.

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