Gundelfingen

Schüler finden 30.000 Euro, Besitzer dankt mit Schokolade

Max Schuler

Fünf Gundelfinger Schüler haben 30.000 Euro gefunden. Nach Bezahlung des gesetzlichen Finderlohns bedankt sich der 47-jährige Besitzer bei den Kindern mit einem knappen Brief und einer Schachtel Merci-Schokolade.

Zuerst denken sie an Spielgeld. Joschua, Julius, Lena, Emma und Luis steigen von ihren Fahrrädern und lesen drei dicke Bündel vom Asphalt auf. Joschua hält die 500-Euro-Banknoten gegen das Licht, riecht an dem Geld und reibt das Papier zwischen den Fingern. Sein Urteil: Das Geld ist echt. Die Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums haben soeben 30 000 Euro in bar gefunden.


So erzählen die fünf ehrlichen Finder ihre spektakuläre Geschichte im Foyer des Gundelfinger Rathauses. Dort im Bürgerbüro haben die Zwölf- bis Dreizehnjährigen ihren Finderlohn in Höhe von 182 Euro pro Nase abgeholt, der ihnen gesetzlich zusteht. Wenn sie sich an die wohl unvergessliche Fahrt in die Schule am 23. November erinnern, strahlen sie noch immer über beide Ohren.

Als die Kinder das Geld an dem damaligen Morgen in der Hand halten, sind sie im ersten Moment verblüfft. Nur wenige Augenblicke zuvor sind andere Schüler an den Geldscheinen vorbeigeradelt und haben sie ignoriert oder nicht gesehen. Schnell ist allen klar, das Geld muss zur Polizei. Emma kennt das Revier. Die 500-Euro-Bündel stecken sie in die Taschen. Mit dem Jahreseinkommen eines Arbeiters radeln sie quer durch Gundelfingen.

Polizei ging von Scherz aus

Beim Polizeiposten klingeln die Fünf. "Die haben uns erst gar nicht reingelassen", sagt Joschua. Sie läuten erneut und halten die 500-Euro-Scheine in eine Kamera. Jetzt werden die Beamten doch neugierig und öffnen die Tür. "Ich habe es erst für einen Scherz gehalten", gesteht Polizist Gregor Jungblut. "Dann staunte ich aber nicht schlecht, als sie tatsächlich das Geld dabei hatten." Einen solchen Fund haben die Gundelfinger Polizisten zuvor noch nie auf dem Tisch gehabt.

Zusammen mit den Schülern fährt Jungblut zum Fundort zwischen der Gärtnerei Rückle und dem Gundelfinger Ortseingang. Die Kinder überreichen dem Polizisten eine weitere Entdeckung: Den Flyer eines Bankhauses, wo das Geld offenbar abgehoben wurde. Jungblut stellt den Kindern ein Entschuldigungsschreiben aus. Sie haben schließlich die erste Stunde Englisch und Französisch verpasst. Oben prangt der Briefkopf des Freiburger Polizeipräsidiums. "Mit dem Entschuldigungsschreiben sind sie stolz in die Schule gegangen. Ich habe es ihnen auch mitgegeben, damit sie eine Erinnerung an das Ganze haben", sagt Jungblut.

Eine Tafel Schokolade als Dankeschön

Am Gymnasium ist der Aufruhr unterdessen groß. Fünf Schüler fehlen, keiner weiß, wo sie sind. "Wir haben uns schon Sorgen gemacht und wollten gerade die Polizei verständigen, als uns ein Polizist anrief", erinnert sich Schulleiter Volker Knoop. Er teilt daraufhin der Klasse den Grund für die Verspätung mit. Wie viel Euro die Vermissten gefunden haben, erfahren die Mitschüler der siebten Klasse aber erst, als die Fünf den Raum betreten. An Unterricht ist danach nicht mehr zu denken. "In der ersten Pause stand um jeden von uns eine Gruppe von 30 bis 40 Schülern. Sofort wusste die ganze Schule Bescheid", erzählt Julius.

Tagelang ist unklar, ob die Polizei einen Besitzer ausfindig machen kann. Mehrere Menschen rufen beim Posten an und reklamieren die 30 000 Euro für sich. Die Schüler beginnen zu träumen: von einem neuen Flachbildfernseher, Flügen mit einer Drohne, einem Pferd oder einer Spende an Kriegsflüchtlinge. Wenn sich ein halbes Jahr lang kein Besitzer meldet, gehört das Geld den Findern.

Doch die Träume zerplatzen. Am 1. Dezember teilt die Polizei einen Ermittlungserfolg mit. Ein 47-jähriger Mann aus dem Großraum Freiburg hat das Geld beim Spazierengehen verloren. Er kann eine dazugehörige Geldtüte so exakt beschreiben, dass die Polizei ihm nach weiteren Überprüfungen Glauben schenkt.

Gesetzlicher Finderlohn

Der Besitzer der 30 000 Euro, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will, hat sich bei den Kindern bedankt: jeweils mit einem Satz auf einem Blatt Papier und einer Schachtel Merci-Schokolade. Es benötigt nicht viel Menschenkenntnis, um in den Gesichtern der Kinder lesen zu können, dass sie sich doch eine etwas großzügigere Geste gewünscht hätten. Die gesetzlich vorgeschriebenen 910 Euro Finderlohn (182 Euro pro Kind) musste der Mann allerdings bezahlen.

Statt Flachbildfernseher sind es Fußballschuhe, statt Pferd ist es eine Reithose geworden. Eines ist den ehrlichen Schülern aber gewiss: Hochachtung, die weit über die Gundelfinger Gemeindegrenzen hinausreicht. "Ich bin stolz. So schlecht scheint unsere Erziehung nicht gewesen zu sein", sagt eine Mutter der Kinder und spricht damit wohl die Gedanken der anderen Eltern aus.

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