Schüler des Friedrich-Gymnasium ist Landessieger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Anja Bochtler

Der 18-jährige Jakob Ortmann wurde für seinen Film über die Mitglieder des Freiburger Kreis ausgezeichnet.

Bilder von umjubelten Nazi-Aufmärschen vor dem Martinstor wechseln ab mit Erzählungen von Christine Blumenberg-Lampe. Sie ist die Tochter von Adolf Lampe vom "Freiburger Kreis" – der Gruppe aus Wissenschaftlern und Christen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus die Grundzüge der sozialen Marktwirtschaft schufen.


Solche Zusammenhänge vermittelt der 18-jährige Jakob Ortmann in einem 23 Minuten langen, beeindruckenden Dokumentarfilm. Damit wurde er einer von 24 Landessiegern beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

"Filme sind so ungeheuer vielseitig."


Er hat gerade erst sein Abi gemacht, doch Filme macht Jakob Ortmann schon lange: Als Sechstklässler landete er, 1998 in Hamburg geboren, im Medienzentrum des Friedrich-Gymnasiums. Leiter ist der Lehrer Gregor Delvaux de Fenffe. Anfangs interessierten Jakob Ortmann technische Fragen. Später schätzte er Filme als "Schnittmenge aller Kunstformen" immer mehr: "Filme sind so ungeheuer vielseitig."



Er blieb dran. 2014, als 15-Jähriger, hatte er bereits seinen ersten honorierten Auftrag: Mit dem Musiker Babek Bodien fuhr er in einem VW-Bus auf dem Schauinsland herum und filmte Bodien mit seiner Gitarre. Daraus entstanden weitere Aufträge, viele im Musikbereich.

Das passt, denn Jakob Ortmann singt selbst, unter anderem beim Chor "Voice event", außerdem spielt er Jazz-Klavier. Jetzt nach dem Abitur will er zunächst ein Jahr lang weiter Filme machen – unter anderem steht die Begleitung von Claudio Monteverdis Oper "L’orfeo" vom Ensemble Resonance an.

Verborgenes Thema in die Öffentlichkeit bringen

Sein Film "Der Freiburger Kreis – akademischer Widerstand wird Thinktank Deutschlands" war sein Einstieg ins Dokumentarische. Er entstand im Schuljahr 2015/16, als Jakob Ortmann in der 11. Klasse war, im Seminarkurs "Freiburg unter Trümmern – Geschichten und Gesichter einer versehrten Stadt" bei Gregor Delvaux de Fenffe.

Auf den Freiburger Kreis stieß er zufällig, erzählt der Abiturient. Er sei sofort fasziniert gewesen, umso mehr, weil er nichts drüber gewusst hatte und das verborgene Thema in die Öffentlichkeit bringen wollte.

Politische Verantwortung ist dem Abiturienten wichtig

Viele hätten ihn gefragt, warum er das wichtig findet – die Antwort ist für ihn klar: "Ein Blick in die derzeitige Situation in der Türkei reicht doch. Politische Verantwortung ist wichtig." In seiner Kindheit seien zumindest in Europa immer mehr Mauern eingerissen worden, jetzt entstünden seit einigen Jahren wieder neue.

Und so wurden die Männer des Freiburger Kreises für ihn zu Vorbildern. Jakob Ortmann hat viel Aufwand betrieben: Bei der schwierigen Suche nach Zeitzeugen traf er irgendwann auf Christine Blumenberg-Lampe, die, 1942 geboren, lange in Freiburg gelebt und über das wirtschaftliche Programm des Freiburger Kreises promoviert hatte.

Die Arbeit an dem Film hat ihn politisiert

Sie lud ihn ein Wochenende zu sich nach Sylt ein und erzählte über ihren Vater, den Ökonom Adolf Lampe, der unter anderem mit Walter Eucken und Constantin von Dietze Denkschriften verfasste und ein Wirtschaftssystem zwischen Kapitalismus und Kommunismus anstrebte. Im Film tauchen die Christuskirche als Treffpunkt der Widerständigen und das Gefängnis auf, wo Christine Blumenberg-Lampe ihren Vater mit der Mutter 1944 als Zweijährige besuchte.

Die Arbeit für den Film habe ihn politisiert, sagt Jakob Ortmann. Dass das Thema zum Motto "Gott und die Welt" beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten passte, war Zufall.

Wie geht es für ihn nun weiter? Nach seinem Jahr Filmpause muss sich Jakob Ortmann entscheiden: Filmhochschule, an der Uni Volkswirtschaft studieren – oder Geschichte?