Dokumentationen

Schüler des Friedrich-Gymnasium haben Filme über Freiburg nach dem Zweiten Weltkrieg gedreht

Johannes Tran

Statt der mündlichen Abiturprüfung Dokumentarfilme drehen – das haben dreizehn Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Gymnasium gemacht. Am Freitag zeigen sie "Freiburg unter Trümmern".

Dieser Film ist keine leichte Kost, das wird bereits nach wenigen Sekunden deutlich. Zeitzeugen berichten über die dramatische Nacht des 27. November 1944 – kurze, schnell geschnittene Interviewsequenzen mit einer alten Dame, die um Fassung ringt. Sie lassen den Schrecken jener Nacht erahnen, in der Freiburg von einem Bombenangriff ungekannten Ausmaßes erschüttert wurde.


Dreizehn Filme, zu vier Tableaus zusammengefasst

Hannah Muggenthaler, 17-jährige Schülerin des Friedrich-Gymnasiums in Herdern, hat einen beeindruckenden Dokumentarfilm über den Bombenangriff gedreht, bei dem knapp 2800 Freiburger Bürger ihr Leben verloren. Rund 16 Minuten ist er lang und trägt den Titel "Kein Stein mehr auf dem anderen – die Nacht, die alles veränderte?"

Der Film orientiert sich stark an seinen Protagonisten und gibt ihnen Raum zum Erzählen: Insgesamt kommen vier Zeitzeugen zu Wort, die allesamt die verhängnisvolle Nacht als Kinder miterlebt haben und dennoch in ganz unterschiedlicher Weise über den Angriff und die Jahre davor zu berichten wissen. "Es war schon eine schlimme Zeit", sagt etwa Hansjörg Gallinger (Jahrgang 1934) und bildet damit einen Gegenpol zu Gottfried Beck (Jahrgang 1932), der ganz offen über seine jugendliche Kriegsbegeisterung spricht: "Krieg war unser Leben, da war was los. Es waren schöne Zeiten." Der Horror des Krieges schien zu diesem Zeitpunkt meilenweit von ihm entfernt.



"Das war sehr persönlich. Unglaublich, was ich da gehört habe." Hannah Muggenthaler
Das änderte sich sich schlagartig in der Nacht des 27. November. In 20 Minuten fielen rund 14000 britische Brand- und Sprengbomben auf die Stadt und verwandelten Freiburg in ein Trümmerfeld. Hannah Muggenthaler lässt die Erinnerungen ihrer Zeitzeugen an diesen Tag wieder aufleben – dramatisch, intim, ergreifend. Beck erinnert sich noch ganz genau an seine Gefühlslage, als die Bomben einschlugen: "Am 27. November war Krieg. Lebensbedrohend, tödlich, verheerend. Das hat Todesangst ausgelöst." Am berührendsten ist der Bericht von Gerda Hormes (Jahrgang 1932), deren ganze Familie bei dem Angriff ums Leben kam. Die Sequenzen, in denen sie erzählt, wie sie an ihrem leblosen Vater rüttelte, sind als Zuschauer schwer zu ertragen.

Auch die Filmemacherin stieß in solchen Momenten an ihre Belastungsgrenze: "Das war sehr persönlich. Unglaublich, was ich da gehört habe", erzählt Hannah Muggenthaler. Heute gehe sie mit einem anderen Gefühl durch Freiburg, "weil ich weiß, was sich auf diesen Straßen abgespielt hat und was die Freiburger hier erlebt haben".

Der Film ist ein Produkt des "Seminarkurses Dokumentarfilm", an dem Oberstufenschülerinnen- und schüler des Friedrich-Gymnasiums mitgewirkt haben. An diesem Freitag eröffnet Hannah Muggenthalers Beitrag die Premiere in der Schulaula.
"Freiburg unter Trümmern – Gesichter und Geschichten einer versehrten Stadt": So lautet das Thema, mit dem sich Schülerinnen und Schüler der Kursstufe 1 des Friedrich-Gymnasiums im Rahmen eines Seminarkurses ein Jahr lang beschäftigt haben. Der Kurs ersetzt die mündliche Abiturprüfung. Unter Leitung des Medienpädagogen Gregor Delvaux de Fenffe erarbeiteten sie insgesamt 13 eigene Filmbeiträge, die am Freitag, 7. Oktober, ab 18 Uhr in der Schulaula, Jacobistraße 22, zum ersten Mal zu sehen sein werden. Der Abend wird in vier thematische Sektionen unterteilt sein. Der Eintritt ist frei; Spenden sind willkommen. Das Filmprojekt wurde in die Filmförderung Baden-Württemberg aufgenommen.