Geruchsbelästigung

Schreinerei schließt, weil Shisha-Rauch genervt hat

Sina Gesell

Die Freiburger Schreinerei "Holzwurm" hat den Kampf gegen die benachbarte Shisha-Bar aufgegeben. Seit mehr als zwei Jahren beschwert sie sich über die Rauchschwaden, die die Kunden vergraulten.

Mehr als zwölf Jahre lang hat Winfried Dietsche an der Herrenstraße japanische Möbel verkauft, seit Ende Januar ist Schluss: "Unser Laden ist vernichtet worden", sagt der Geschäftsführer von "Holzwurm". Schuld sei das "Café Istanbul Royal" mit seinen Wasserpfeifen, aber auch auf die Behörden ist Dietsche sauer: "Sie reden, reden, reden, aber handeln nicht."


Ärger um die süßen Schwaden aus der Shisha-Bar

Dietsche berichtet von Umsatzeinbußen seit fast drei Jahren – seit Eröffnung der Shisha-Bar. Schon damals hatte sich Dietsche unter anderem beim Amt für öffentliche Ordnung beschwert An warmen Tagen sei es besonders schlimm, weil dann die Fenster der Shisha-Bar offen stünden. Der Rauch ziehe in sein Geschäft, ließe die Möbel danach riechen und vertreibe die Kunden. Auch er selbst habe davon Kopfschmerzen bekommen.

Etwa ein Jahr später hatte die Stadt eine Anordnung verhängt, dass Fenster und Türen geschlossen sein müssen. Gegen den Bescheid hatte der Betreiber Widerspruch eingelegt. Dies teilt das Regierungspräsidium (RP) mit, die zuständige Widerspruchsbehörde. Nach weiteren Beschwerden gab’s Vor-Ort-Kontrollen. Dabei stellte das Ordnungsamt fest, dass Fenster und Türen noch immer geöffnet sind, und legte ein Zwangsgeld in Höhe von 500 Euro fest. Das RP forderte derweil ein Gutachten vom Betreiber des Cafés zur Be- und Entlüftungsanlage, die dieser auf Anordnung der Behörden eingebaut hatte. Das Ergebnis: Die Abluftanlage ist geeignet, "die Geruchsimmissionen abzusaugen und zu filtern" – selbst wenn Fenster und Türen geöffnet sind. Allerdings muss die Anlage dafür auch eingeschaltet sein. Eine entsprechende Anordnung hat die Stadt im Dezember erlassen, der Betreiber legte im Januar erneut Widerspruch ein. Derzeit prüft die Stadtverwaltung das Verfahren, so Rathaussprecherin Edith Lamersdorf.

Der Schreiner hat seinen Mietvertrag vorzeitig gekündigt

Egal, wie es ausgeht, für Schreiner Dietsche ist es zu spät. Er hat seinen Mietvertrag, der bis 2022 gelaufen wäre, vorzeitig gekündigt. Nun will er es mit einem neuen Laden neben seiner Schreinerei in Schallstadt versuchen. "Ich wäre gerne geblieben", sagt Dietsche. Die Bedingungen – die gute Lage, die Räume – seien "optimal" gewesen. Zudem habe er sich einen Kundenstamm aufgebaut. Den Geschäftsführer der Shisha-Bar, Hasan Musaoglu, bezeichnet er als "rücksichtlos". Musaoglu war für die BZ auch auf mehrmalige Nachfrage nicht zu erreichen.

Dietsche hat aber noch weitere Schuldige ausgemacht: Der Vermieter der Schreinerei und der Shisha-Bar, die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH (WHS), habe nichts unternommen. Die WHS beruft sich auf den Datenschutz und macht gegenüber der BZ keine Angaben.

Auch den Behörden wirft Dietsche Untätigkeit vor. Das RP begründet die Verfahrensdauer damit, weil es sich bei Geruchsbelästigungen durch Raucherlokale um ein "schwieriges Rechtsgebiet" handle, zu dem es noch keine Grundsatzurteile gäbe. Zudem sei es ein langwieriger Prozess, Geruchsbelästigungen durch Shisha-Dampf objektiv festzustellen.

Ähnlicher Fall in Weingarten

Der Fall ist nicht der einzige seiner Art: Über Rauch und Lärm hatten sich Nachbarn der Shisha-Bar "Livingroom" in Weingarten beschwert. Nach Kontrollen und mit neuer Lüftungsanlage hat sich laut Lamersdorf die Lage beruhigt. Anfang des Jahres hat der Betreiber gewechselt.

Der neue Geschäftsführer Ali Durmaz weiß von den Problemen mit den Nachbarn und hat das Gespräch gesucht, sagt er: Der Austausch sei positiv gewesen. Zudem gebe es eine neue Musikanlage. "Da hört man draußen nichts mehr."

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