Schreiben für das Internet: 10 Tipps

Markus Hofmann

Am Frankreichzentrum der Uni Freiburg habe ich in diesem Wintersemester ein Seminar zum Thema Online-Journalismus gehalten. Unter anderem behandelten wir dort das Thema "Sprache und Internet". Bei meinen Recherchen bin ich auf eine hervorragende amerikanische Quelle gestoßen, die ich auf fudder (um eigene Gedanken erweitert) zusammen fassen möchte: 10 Tipps für journalistisches Schreiben im Internet



1) Kenne dein Publikum!

  • Mediennutzung Internet ist nicht gleich Mediennutzung Print ist nicht gleich  Mediennutzung TV
  • Surfer gleiten über die Site, sie suchen, sie sind aktiv und jagen nach Informationen
  • Denk immer an dein Publikum, wenn du Inhalte für das Netz produzierst. Immer!
2) Denk nach – denk multimedial
  • Bevor du anfängst zu schreiben, mach dir klar: Was ist die Essenz dessen, über das du berichten möchtest?
  • Verwende Text, Foto, Graphik, Audio, Video und interaktive Elemente gleichermaßen
  • Setz all diese Elemente ein – aber nur, wenn es sinnvoll ist
  • Print-Reporter suchen nach Information. TV-Reporter suchen nach Emotion. Online-Reporter suchen von beidem etwas
  • Denk dran, dass Fotos im Netz nur dann wirken, wenn du nah am Motiv dran bist
  • Nimm Interviews nach Möglichkeit digital auf – damit du starke Aussagen als O-Ton verwenden kannst
3) Schreib lebendig und stark
  • Online-Schreibe ist härter und schlagkräftiger als Print, aber literarischer und ausführlicher als Rundfunk
  • Verwende aktive Verben, kein Passiv
  • Vermeide Klischees und verunglückte Metaphern
  • Benutze Humor
  • Habe eine Haltung
  • Sei unkonventionell!
  • Langweile deine Leser nicht. Sie haben im Netz unendlich viele Alternativen
 
4) Erkläre!
  • Geschwindigkeit ist wichtig im Netz! Trotzdem wollen deine Leser verstehen, was passiert ist. Und warum. Am Ende werden sie nur solche Seiten besuchen, denen dies gelingt.
5) Denk an den Teaser!
  • Im Netz ist es essentiell, den Lesern unverzüglich zu erklären, warum sie eine Story lesen sollen
  • Der Teaser gibt deinen Lesern diesen Grund – gib dir viel Mühe mit ihm!
6) Schwafel nicht!
  • Jede Geschichte kann in 800 Wörtern erzählt werden - dies ist ein Rat, aber keine Ideologie
  • Auch im Internet werden lange Texte gelesen - wenn sie lesenswert sind.
  • Sei nicht selbst verliebt in deinen Text, nimm dich nicht wichtig.
  • Dein Ziel muss es sein, dass deine Leser deine Stücke lesen – und zu Ende lesen
7) Absätze, Zwischenüberschriften und Listen
  • Strukturiere deine Text in kurze Absätze – deine Leser danken es dir
  • Verwende Zwischenüberschriften
  • Verwende Listen, Bullet Points, Tabellen und Graphiken wo immer es geht
 
8) Überschriften: Lass deine Leser nicht grübeln!
  • Überschriften sind essentiell - Deine Leser wollen genau wissen, was sie erwartet, bevor sie klicken
  • Verzichte auf Sprachspiele und feuilletonistischen Witz in der Überschrift – denk dabei auch an Google
  • Deine Headline sollte anschaulich, einfach und intuitiv verständlich sein
  • Bevor du den Text beginnst, muss die Headline stehen – dann weißt du, worauf du  hinaus willst
9) Keine Angst vor Hyperlinks
  • Fast alle Web-Seiten klassischer Medien haben Paranoia, andere Seiten zu verlinken
  • Aber: Links sorgen für Kontext, Hintergrundwissen und vertiefende Information - setze Links, wann immer es Sinn macht. Aber nur dann
  • Leser merken es, wenn ihnen eine Seite weiter hilft – und kehren zurück, auch wenn sie die Seite zwischenzeitlich über einen Hyperlink verlassen haben.
10) Scheu keine Risiken – aber vergiss dein Handwerk nicht
  • Das Internet kennt kaum Normen und Konventionen - sei bereit, Risiken einzugehen – probier neue Dinge aus!
  • Aber vergiss nie dein Handwerk – die Regeln des klassischen Journalismus: Fact-Checking, Präzision, Ethik, Objektivität, Fairness. 
  • Vor allem: Sorgfältige Recherchen sind die Mütter guter Texte
  • Im Internet ist guter Journalismus wichtiger als je zuvor

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