"Schopfheim City ist die geilste Kleinstadt"

Philipp Aubreville

SK Crew: Die Schopfheimer Sprücheküche zählt nach Gigs mit Rapgrößen wie K.I.Z oder Frauenarzt zu den hoffnungsvollsten HipHop-Crews in Südbaden. fudder-Mitarbeiter Philip hat sich mit den vier Mitgliedern Double D, MC Pohse, NesBeats und DJ AndiTablez unterhalten.

Wie würdet ihre euren Stil beschreiben?


Unser Stil ist in erster Linie Power und Party-Rap. Aber Representer kommen  auch nicht zu kurz. Wir feiern gerne ausgiebig Party, und das ist immer etwas durchgeknallt. Besonders gerne reißen wir  die Party auf der Bühne und sind immer wieder erfreut wenn die Leute vor der Bühne auch am Zeiger drehen.

Ihr kommt aus Schopfheim, das knapp 20.000 Einwohner hat; gleichzeitig handeln eure Texte auch von Drogen und Gewalt. Was sagt ihr den Leuten, die meinen, dass echter Rap und eine solche kleinstädtische Idylle nicht zusammen passen?

Schopfheim City ist die geilste Kleinstadt die es gibt. Es ist schon für die Größe eine sehr durchgedrehte und verrückte Stadt. Drogen und Gewalt haben für uns nicht nur etwas mit der Größe einer Stadt zu tun. Natürlich ist es in Berlin, Frankfurt oder Hamburg nochmal etwas ganz anderes weil das in den Städten viel Härter zur Sache geht als in Kleinstädten oder Dörfern. Drogen und Gewalt gibt es aber auch in unserer Stadt und sicherlich überall in Deutschland. Wir machen ja auch absolut keinen Gangsterrap. Scheisse über die man rappen könnte passiert auch hier bei uns. Aber das ist nicht der SK-Crew Stil. Und speziell zu unserem Album: Wir rappen ja nur über Weed und Alkohol und sonst über keine Drogen. Mit der Gewalt darf man das auf dem Album auch nicht überbewerten. Ist halt representen und da haut man halt auch mal auf die Kacke. Punchlines. Gesundes Selbstbewusstsein nennen wir das.

Wie schätzt ihr generell die Rapszene in der Region ein? Gibt es da engere Beziehungen?

Die Rapszene hier in der Region ist zwar kleiner als anderswo, aber wir finden das hier trotzdem sehr viel getan wird um Baden und den Schwarzwald auf der Hip-Hop Landkarte gut zu präsentieren. Dennoch ist es schon sehr schwer die Aufmerksamkeit der Rapgemeinde Richtung Süden zu lenken. Es muss und wird sicherlich noch viel mehr gehen als bisher.

Was haltet ihr von anderen Crews und Rappern aus Südbaden?

Wie gesagt es wird hier sehr viel gemacht von den Crews und Solokünstlern und es gibt definitiv auch richtig gute Leute hier in der Szene. Und damit meinen wir neben Rappern auch Writer, Djs und B-Boys im Dirty Dirty South. (Double D lacht.)

Gibt es da engere Beziehungen?

Ja, klar man kennt sich in der Szene und es gibt engere Beziehungen zu anderen Künstlern. Bei Einigen ist diese mit der Zeit auch zu einer richtigen Freundschaft geworden. Darum freuen wir uns auch immer auf die Konzerte oder Jams. Man tritt da auch oft mit anderen regionalen Rappern auf, die man kennt und dann wird meistens gut gebechert und  man feiert zusammen.

Apropos Südbaden: In eurem Song „SKCrew“ rappt ihr „im Dreiländereck sind viele auf uns sauer.“ Hat das einen realen Hintergrund?

Neider hat man leider überall und speziell in der Rapszene ist das extrem, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland nur eine sehr kleine Musiksparte ist. Aber das geht regional  schon ab. Manche gönnen Einem einfach nichts. Die Zeile ist in erster Linie den Leuten bei uns im Dreiländereck gewidmet, die neidisch auf unseren bisherigen Erfolg sind.

Obwohl ihr ja gute Verbindungen in die deutsche HipHop-Szene habt und beispielsweise im Vorprogramm von K.I.Z aufgetreten seid, gibt es auf eurem aktuellen Album „Auf dem Weg nach oben“ keine Features. Warum nicht?

Wir wollten auf unserem ersten Album erst mal nur die SK-Crew präsentieren, damit die Leute uns auch hören und sich ein genaues Bild von uns verschaffen zu können. Außerdem waren, als wir solche Kontakte knüpfen konnten, die meisten Tracks schon fertig, so dass wir unser Album schon so gut wie im Kasten hatten.

Wir haben schon Features mit anderen Rappern gemacht und es werden sicherlich weitere folgen. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja auf unserem zweiten Album ein Feature von Rappern aus der 1.Liga in Deutschland.



Habt ihr denn andere Pläne was die Zusammenarbeit mit derartigen Rapgrößen angeht? Habt ihr über diesen Weg vielleicht auch schon einen Fuß bei dem ein oder anderen Label in die Tür bekommen? Soweit ich weiß, sucht ihr ja zur Zeit nach einer Plattenfirma.

Pläne mit den Größen im Rapgame bisher noch nicht. Das ist auch nicht so einfach mal eben  ein Topakt für einen gemeinsamen Track zu gewinnen. Man muss sich Kontakte aufbauen, ehrgeizig bleiben und geduldig sein. Glück oder Geld gehören selbstverständlich auch dazu. Um uns irgendwo einzukaufen, fehlt leider letzteres. Es haben uns auf jeden Fall einige Leute, die was zu sagen haben, bereits Live gesehen. Insbesondere bei den Gigs von K.I.Z als Vorgruppe 2007.

Double D ist ja jetzt auf der Popakademie in Mannheim und hat da auch schon interessante Personen kennengelernt und wird in den nächsten Jahren hoffentlich gute Kontakte knüpfen können. So etwas hilft dann der gesamten Gruppe weiter. Ebenfalls gute Kontakte hat auch unser Dj AndiTablez, der ja für das Universal D.O.G. in Lahr arbeitet und dort Rapkonzerte veranstaltet. Aber konkret ist da bisher weniger passiert. Wir haben noch keinen Labeldeal. Also an alle die Bock haben uns für massig Geld zu signen, greift zu. Wir meinen es wirklich sehr ernst mit der Musik. Ansonsten werden wir das ganze selber hochziehen.

Euer Album ist ja seit dem Sommer veröffentlicht. Wie war das bisherige Feedback und wie seid ihr mit dem bisherigen Verkauf zufrieden?

Unser  Album "Auf dem Weg nach oben" ist endlich nach langer und harter Arbeit Ende August erschienen. Wir sind sehr froh, dass wir nach unserer Demo-Cd nun endlich das erste Album geschafft haben fertigzustellen und zu veröffentlichen. Das Feedback das wir bisher bekommen haben war sehr  positiv. Auch die CD-Kritiken in den Regionalen Zeitungen waren durchweg gut. In Schopfheim fahren die Leute im Auto rum und hören unsere Mucke oder haben es auf ihren Handys drauf. Da ist man dann auch ein bisschen Stolz. Auch mit dem Verkauf sind wir bisher zufrieden. Wir haben jetzt die Hälfte, also 500 Alben rausgehauen, wobei aber 400 verkauft wurden. Der Rest wurde verschenkt oder für Promotion verwendet. Jetzt ist die zweite Hälfte fällig.(Nes lacht.)

In euer Album habt ihr ja sehr viel Energie gesteckt und auch die zahlreichen Konzerte, die ihr spielt, sind ja sicherlich anstrengend. Gibt es für euch einen Punkt, an dem man sich zwischen „Rapkarriere“ und dem normalen Studiums- bzw. Arbeitsalltag entscheiden muss? Habt ihr diesen Punkt vielleicht sogar schon erreicht?

Dieses Jahr war für uns echt nicht schlecht. Die vielen Auftritte oder die Arbeit an einem Album sind natürlich manchmal sehr anstrengend. Aber das mit dem Rapding ist natürlich unser Leben. Es gibt nichts besseres als live aufzutreten! Darum stecken wir ganz viel Arbeit in unser Projekt und sind extrem ehrgeizig. Wir wollen probieren es mit der Musik zu schaffen und werden noch mehr an uns arbeiten. Ohne ein Ziel vor Augen, bräuchte man das alles nicht machen. Darum sind wir schon an einem Punkt angekommen, wo wir sagen, dass wir All-In gehen um früher oder später den Pot zu holen.

Es ist alles sehr hart, aber man darf nicht ans Aufgeben denken. Aber trotzdem macht ja jeder noch was. AndiTablez arbeitet wie gesagt im D.O.G. als Konzertveranstalter, und Double D studiert Musikbusiness an der Popakademie. Ist ja auch nicht das schlechteste für die Sprücheküche.

Wie sehen eure weiteren Pläne aus?

2008 wollen wir unbedingt ein  zweites Album raushauen; ein schönes fettes Konzeptalbum.
Außerdem wollen wir bei uns in Schopfheim unbedingt noch ein Video drehen; das wird aber wohl erst im Frühling klappen. 2008 wird sicherlich eine Menge passieren.



Personalien

Es war das Jahr 2003, als sieben junge Schopfenheimer sich zu regelmäßigen Freesytle-Rap-Runden trafen - die Sprücheküche war geboren.

Mittlerweile ist die SK-Crew, wie sich die Gruppe auch nennt, auf vier Mitglieder geschrumpft: Double D und MC Pohse sorgen für die Texte; NesBeats und DJ AndiTablez kümmern sich ums Musikalische.

Nach einer ersten Demo veröffentlichte das Quartett im August 2007 ihr Debüt-Album "Auf dem Weg nach oben" und machte als Vorgruppe von etablierten Rap-Acts wie der Berliner Gruppe K.I.Z von sich reden.