Scholl-Unterschriften landen bei Klinsi

Adrian Hoffmann

Einige der 175.000 Unterschriften für Mehmet Scholl sollen angeblich bis ins Büro der Herren Klinsmann und Löw vorgedrungen sein. Die Freiburger Studenten Frank Enders (24) und Sebastian Glemser (25) die Initiatoren der Kampagne Mehmet-für-Deutschland, die im Internet eine Welle unterstützender Beiträge auslöste, haben am Mittwoch symbolisch 23 Druckseiten bei der DFB-Zentrale in Frankfurt abgegeben.



Symbolisch deshalb, weil Klinsmann sich genau für 23 auserwählte WM-Spieler entscheiden muss. Und der DFB-Kommunikationschef versprach immerhin, den Stapel auf den Schreibtisch der Chefs zu legen. Besteht Hoffnung für Scholl?


“Ich kann mir das nicht vorstellen”, sagt Frank. Er sei da realistisch. Die Aktion sei auch nicht als negative Kritik an Jürgen Klinsmann gemeint gewesen. In einer Pressemitteilung begründen sie ihre Initiative für den Dribbelkünstler des FC Bayern München so: “Wir möchten einer über alle Vereins- und Ländergrenzen hinweg herrschenden Auffassung von Fußballfans Ausdruck verleihen, nach der Mehmet Scholl dieser jungen Mannschaft helfen könnte, eine erfolgreiche WM zu spielen.”

Nur im Trainerstab der Nationalmannschaft hat man dazu offenbar etwas andere Ansichten, Klinsmann sagte kürzlich, er habe die 30 besten deutschen Spieler im Blick, und Scholl gehöre da zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu. Ansichtssache eben, aber Frank und sein Studienfreund wollten wenigstens den Versuch wagen: “Sonst hätten wir uns später vorgeworfen, es nicht probiert zu haben.” Eigentlich hatten sie noch deutlich mehr Unterschriften auf ihrer Website bekommen, aber leider von Unterzeichnern wie Mehmet Scholl selbst oder Saddam Hussein. Diese haben sie in mühsamer Kleinstarbeit aussortiert, herausgekommen sind die übrigen 175.000, oder in Druckseiten umgerechnet: 4100.

Jetzt warten Frank Enders und Sebastian Glemser mal auf eine Reaktion des DFB. “Die Hoffnung ist noch immer da”, sagt Enders. Noch kann sich Klinsmann die Sache überlegen, er gibt die Namen der ausgewählten Spieler am Montag, 15. Mai, 13 Uhr, in Berlin bekannt. Erfolgreich waren die beiden Studenten so oder so, deshalb haben sie sich nach ihrem Besuch in der DFB-Zentrale auch in einem schönen Frankfurter Biergarten einen Apfelwein gegönnt.