Schokolade und Salami für den Münsterturm

Kathrin Aldenhoff

Schokolade, Salami, Begräbnis-Urnen - die Menschen in Freiburg sind erfinderisch, wenn es darum geht, die Restaurierung des Münsterturms zu unterstützen. Sogar 8-jährige Buben helfen dabei mit - hat Kathrin Aldenhoff heraus gefunden.



Seit fast drei Jahren steckt er hinter Gittern, dabei hat er doch gar nichts getan. Nur alt ist er eben, und mürbe geworden in den vergangenen Jahrzehnten. Die Spitze mit der frisch vergoldeten Fahne lugt schon aus dem Gerüst hervor, aber der Großteil des 116 Meter hohen Münsterturms ist immer noch Arbeitsplatz eines Teams aus Steinmetzen und freien Restauratoren.


Werbetafeln prangen am Gerüst, örtliche Unternehmen nutzen das Wahrzeichen der Stadt als Werbefläche. Und das ist auch so gewollt vom Münsterbauverein. Denn das gibt Geld. Und das braucht der Münsterturm im Moment am allermeisten.



Seit Anfang 2006 wird er von der Spitze abwärts renoviert, 2010 sollen die Arbeiten beendet sein. Etwa zwei Millionen Euro an Spenden benötigt der Münsterbauverein, um den Turm für die nächsten Jahrzehnte flott zu machen. „Den Menschen früher ist es gelungen, dieses Bauwerk zu schaffen, da müsste es uns doch heute möglich sein, das Münster zu erhalten“, sagt Christine Spangenberg, Mitarbeiterin des Münsterbauvereins.

Die Werbeeinnahmen tragen dazu bei, ebenso die Mitgliedsbeiträge von 5300 Freiburgern. Wichtig sind auch die Spenden. „Das Interesse der Freiburger an ihrem Turm ist da: Jeder spendet nach seinen Möglichkeiten, und das wissen wir zu schätzen.“ Noch fehlen 700.000 Euro, aber Spangenberg ist zuversichtlich, dass das Geld zusammenkommt.



Die Statistik gibt ihr Recht: Die Deutschen spenden zwar am meisten für die humanitäre Hilfe. Gleich danach aber kommt der Bereich Kultur und Denkmalpflege. Von den 903 Millionen Euro, die laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im ersten Halbjahr dieses Jahres gespendet wurden, gingen 6,1 Prozent an die Kultur. Im Vorjahr waren es nur 4,7 Prozent. „Die Spendenbereitschaft für den kulturellen Bereich und die Denkmalpflege nimmt in letzter Zeit zu“, sagt Erik Lämmerzahl von der GfK.   

Klar, wenn einem das Spenden so versüßt wird: Die Freiburger Migros im Karstadt-Kaufhaus verkauft vor Weihnachten Schokoladentafeln mit dem Münstermotiv. 20 Cent pro Tafel spendet der Supermarkt für die Turmsanierung. Ein Metzger verkauft Münster-Salami, es gibt Münster-Pralinen und ganz speziell ist der Einfall eines Bestattungsunternehmers: Bei dem Kauf einer Urne mit Münstermotiv gehen 50 Euro an den Turm. Viele Ideen also, um die Bischofskirche mitten in der Stadt zu erhalten.



Frederik hat das Ganze noch direkter gemacht: Der 8-Jährige ging mit seinem Freund Jakob und einer selbstgebastelten Büchse in der Hand von Haustür zu Haustür, klingelte und fragte nach Geld für den Turm. Einfach so. „Wir wussten, dass an dem Münster gebaut wird und dachten uns, wir helfen denen“, sagt Frederik.

Was ihm am Münster so gut gefällt? „Das ist so schön und groß und hat viele Schnörkel.“ Der Drittklässler hat mit seinem Freund 41 Euro gesammelt. Die hat er im Münsterladen abgegeben. Und hat so seinen eigenen Beitrag dazu geleistet, dass der Turm auch den nächsten Generationen noch als Wahrzeichen der Stadt leuchtet.

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