Schock und Unglauben: Eine in Freiburg studierende Amerikanerin über die US-Wahl 2016

Bernhard Amelung

"Ich könnte jetzt sagen, dass ich dann einfach in Deutschland bleibe", hat Susannah Brooks noch am Dienstag über den möglichen Wahlsieg von Trump gesagt. Der Fall ist eingetreten: Wie wirkt sich das Ergebnis auf das Leben von Susannah aus?

Fudder: Susannah, wie hast du die Wahlnacht erlebt?
Susannah Brooks: Ich habe die Wahlberichterstattung in der ARD verfolgt. Über Facebook und Whatsapp stand ich außerdem in Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden in den USA. Ich blieb viel länger wach als zuvor gedacht. Ich bin erst um vier Uhr morgens schlafen gegangen. Mir half dabei, dass mein Sohn den besten Schlaf seines Lebens hatte. Er ist noch zu klein, um eine Vorstellung davon zu haben, was in dieser Nacht passiert ist.


Fudder: Was waren deine ersten Gedanken zum Wahlergebnis?
Brooks: Schock und Unglauben. In meinem Zustand des Schlafmangels dachte ich zuerst, dass ich nur geträumt hatte. In diesem Zustand sagte mir mein Mann, dass es so aussehe, als würde Trump gewinnen. Nun habe ich doch auch Angst, was mit dem Fortschritt geschehen wird, den das Land unter den beiden Amtszeiten von Barack Obama erreicht hat. Was wird zum Beispiel mit Frauenrechten, den Rechten der LGBTs und anderen Minderheiten geschehen? Es ist schrecklich.

Fudder: Was hat deiner Meinung nach Donald Trump zum Wahlsieg verholfen?
Brooks: Ich denke, es ist der gleiche Impuls, der aktuell durch viele Länder geht. Bestimmte Gruppen von Menschen sehen sich durch diverse Veränderungen bedroht. Sie sind auf der Suche nach extrem einfachen und falschen Antworten auf komplexe Fragen wie Arbeitslosigkeit und Einwanderung. Sie scheinen nicht zu verstehen, dass Vielfalt und Integration nicht zu ihrer Unterdrückung führt. Leider glaube ich, dass es in den Vereinigten Staaten noch viel mehr Rassisten und Sexisten gibt, als manche von uns dachten. Oder es gibt viel mehr, als wir glauben wollten.

Fudder: Wie wirkt sich das Wahlergebnis auf dein zukünftiges Leben aus?
Brooks: Nun, mein Leben in Deutschland ist ziemlich beständig. Ich bin mit einem deutschen Mann verheiratet, habe einen Sohn, der nun Deutsch-Amerikaner ist, und ich habe gerade eine Promotion begonnen, die mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen wird. Trotzdem habe ich heute morgen als erstes einen Termin beim US-Konsulat vereinbart, um meinen Sohn endlich für seinen US-Pass zu registrieren.

Fudder: Vor zwei Tagen sagtest du noch, dass ein Sieg Donald Trumps dich schockieren würde und du sagen könntest, dass du dann einfach in Deutschland bleibst. Wie sieht es nun aus?
Brooks: Ich habe das so gemeint, wie viele Leute vor oft einer Wahl sagen: ’Wenn der oder der gewinnt, ziehe ich da und dorthin.’ In Deutschland zu bleiben, ist natürlich eine Option für mich. Ich lebe seit sechs Jahren in diesem Land, bin mit einem Deutschen verheiratet, wir haben ein gemeinsames Kind. Fragen, die sich mir jedoch aktuell stellen, beziehen sich eher auf das Ob und Wann eine Einreise in die USA aktuell wird, wie Donald Trump und ein republikanischer Kongress die Einwanderungsmöglichkeiten einschränken werden und wie sich das auf meinen Mann auswirken wird.

Fudder: Du sagtest auch, dass es gerade im Falle eines Trump-Siegs wichtig sei, sich politisch zu engagieren. Was für ein Engagement könnte das sein?
Brooks: Im Moment bedeutet politisches Engagement für mich, mich weiterhin zu informieren und progressive politische Organisationen zu unterstützen. Möglicherweise bedeutet das auch, an politischen Kundgebungen teilzunehmen, sofern sie dann auch in Freiburg stattfinden.

Mehr zum Thema: