Schlossbergfest-Veranstalter Gurath im Interview: "Wir machen das aus Liebhaberei"

Frank Zimmermann

Neuauflage eines Festklassikers: Nach zweijähriger Pause gibt es in Freiburg wieder ein Schlossbergfest. Frank Zimmermann sprach mit Veranstalter Bela Gurath über Neuerungen und Herausforderungen.



2012 und 2013 gab es kein Schlossbergfest. Warum gehen Sie jetzt doch wieder an den Start? Was wird anders sein bei dieser 31. Ausgabe?


Gurath:
Wir setzen auf das Altbewährte – das heißt, wir machen es wie in den letzten vier Jahren vor der Pause. Das Fest findet ausschließlich auf dem Berg statt und nicht wie früher auch noch im Stadtgarten und auf dem Karlsplatz. Dass wir uns auf den Berg beschränken, ist unser Entgegenkommen an die Anwohner. Die Musik wird pünktlich um 23 Uhr beziehungsweise 23.30 Uhr [am Freitag und Samstag, Anmerkung der Redaktion] enden.

Die einzige Neuerung wird in diesem Jahr sein, dass wir am Freitag und Samstag einen kleinen Platz oberhalb des Kanonenplatzes – die sogenannte Leopoldshöhe – bespielen werden.

Auf was setzen Sie musikalisch?

Auf alles – von Rock über Salsa bis hin zu Jazz und Blues, immer gespielt von Live-Bands.

Es war ursprünglich auch wieder von einem Berglauf und Mountainbikerennen die Rede.

Ja, das hatten wir beides in den letzten zwei Jahren vor der Pause, leider ist uns dieses Mal der Veranstalter abgesprungen und der neue hat es kurzfristig nicht mehr stemmen können. 2015 wollen wir aber beides wieder an den Start bringen.

Da ist rauszuhören, dass das Schlossbergfest wieder jährlich stattfinden soll?

Ja, wir gehen jetzt an den Start, um den Schlossberg die nächsten 30 Jahre zu bespielen.

Am kommenden Wochenende ist viel los in der Stadt. Es gibt das Seefest am Flückigersee, das Abschlusswochenende des ZMF, das Freiburger Filmfest, die Schauinsland Klassik, die Weinkost – und das Schlossbergfest.

Das verträgt sich, wir hatten beim Schlossbergfest immer schon eine gewisse "Konkurrenz".

Stadtfeste haben es nicht ganz leicht in einer Stadt mit großen Sommerveranstaltungsprogramm. Warum braucht Freiburg ein Schlossbergfest?

Es ist das einzige bestehende Stadtfest in Freiburg, alles andere sind kleine Stadtteilhocks. Ein Alleinstellungsmerkmal sind der herrliche Berg mit dem wunderbaren Panorama, die kilometerlangen Lichterketten und die verschiedenen kleinen Bühnen. Das ist eine sehr entspannte Atmosphäre.

Als das Schlossbergfest 2012 von Ihnen abgesagt wurde, nannten Sie als Veranstalter die Auflagen der Stadt als Grund.

Nicht die Auflagen waren das Thema, sondern die allgemeine Atmosphäre war mit ausschlaggebend. Die Auflagen sind diesmal nicht weniger geworden, im Gegenteil, sie haben sogar zugenommen.

Inwiefern?

Wir haben neue Auflagen, wodurch das Fest noch viel teurer geworden ist. Zum Beispiel werden wir es an einem Abend schallmesstechnisch an zwei Punkten überwachen lassen, das allein kostet uns 2000 Euro. Der Vorteil einer solchen Messung ist, dass sie beiden Seiten – den Veranstaltern und der Stadt – eine Grundlage bietet. Wir wissen, ob wir uns im Rahmen bewegen; und wenn sich jemand beschwert, können wir auf die Messungen verweisen.

Wir haben außerdem ein "Black-Out-Szenario" kreiert – bei Stromausfall können wir die Hauptachse und die oberen Plätze beleuchten. Es wurde außerdem mehr Security gefordert. Da ist also alles in allem einiges dazugekommen – aber das Anforderungsprofil an Feste, nicht nur an das auf dem Schlossberg, ist allgemein auf einem höheren Niveau als noch vor drei Jahren.

Die Atmosphäre zwischen Freiburger Veranstaltern und der Stadtverwaltung hat Gastronom Toni Schlegel 2012 mit den Worten umschrieben: "Man kommt sich in der Stadt vor wie ein Bittsteller in einem Obrigkeitsstaat wilhelminischer Prägung."

Genau. Es herrschte eine unschöne Atmosphäre, ich spreche mal provokant von einem Verhinderungsamt [gemeint ist das Amt für öffentliche Ordnung, Anmerkung der Redaktion]. Das hat sich mittlerweile verändert. Ich habe das Gefühl, dass man im Rathaus die verschiedenen Feste wertschätzt, und mit der neuen "Stabsstelle Veranstaltungen" wurde ein Posten geschaffen, mit dem die Stadtverwaltung zum Ausdruck bringt, dass sie solche Feste will. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Woher kommt dieser Stimmungswandel?

Woher er kommt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Das muss ein schönes Gefühl sein, wenn Sie nun mit dem Ersten Bürgermeister Otto Neideck das Fass anstechen. Immerhin hatte der Sie vor drei Jahren nach der "Sea of Love" noch ins Abseits gestellt mit der Ankündigung, dass Sie hier in Freiburg keine großen Veranstaltungen mehr machen werden. Das jetzt sieht nach einer schönen Rehabilitation für Sie aus.

Sagen wir es mal so: Wir haben uns ausgesprochen und jetzt gucken wir gemeinsam in die Zukunft.

Ist so ein Fest für Sie ein finanzielles Risiko, das stark vom Wetter abhängt?

Ich bin seit gut 15 Jahren am Schlossbergfest beteiligt, Toni Schlegel sogar noch länger. Das ist ein sehr großes Risiko für uns – das Budget ist sechsstellig –, über die Jahre gesehen sind wir mit einem leichten Minus rausgekommen. Mit diesem Fest kann man kein Geld verdienen. Wir machen das fast schon aus Liebhaberei.

Was braucht es denn, um schwarze Zahlen zu schreiben?

Es braucht einen starken Freitag und einen starken Samstag. Wir werden einen Kulturbeitrag zwischen 1 und 2 Euro verlangen, das ist nicht viel für fünf Bühnen mit DJs und Live-Bands wie The Brothers und Cris Cosmo, das sind ja alles keine Hochzeitsbands.

Zur Person

Der 45 Jahre alte Konzert- und Veranstaltungsmanager Bela Gurath ist Geschäftsführer der Firma "Endless Event". Er hat in der Vergangenheit viele Veranstaltungen in Freiburg organisiert, die Public Viewings im Eschholzpark, die Veranstaltungen zum 550. Geburtstag der Uni Freiburg, die Eisbahn am Karlsplatz, das Kneipen- und Clubfest "Monkey Jump" und vieles mehr.

Mehr dazu:

Was: Schlossbergfest.
Wann: Donnerstag, 31. Juli - Sonntag, 3. August 2014, ab 19 Uhr.
Wo:
Schlossberg. [Foto: Ingo Schneider]