Schlingernde Spuren

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie Bremsspuren entstehen? Jeder kennt die dunklen parallelen Streifen auf den Straßen, die mit ihrem schlingernden Verlauf von ehemaligen Schockmomenten künden. Solche durchgehenden Spuren stammen von Fahrzeugen, die über kein Antiblockiersystem verfügen. Doch auch Autos mit ABS hinterlassen bei einer Vollbremsung ihre Spuren.

Vor allem in der Unfallanalytik ist das Lesen und Verstehen solcher Spuren sehr wichtig. Der Unfallforensiker unterscheidet dabei zwischen der intensiven Blockierspur, bei deren Entstehung die Reifen blockiert waren und auf der Fahrbahn gerutscht sind, und der Bremsspur, bei der die Reifen zwar noch gerollt sind, aber eben langsamer als das Fahrzeug. Nur wer richtig auf die Klötzer geht, kann also eine Blockierspur erzeugen.


Die dunkle Farbe der Spuren ist dabei nicht nur abgeriebener Gummi. Wenn es zwischen Reifen und Fahrbahn zu Haft- oder Gleitreibung kommt, entsteht ziemlich plötzlich eine recht hohe Temperatur. Und wegen dieser „schwitzt” der Asphalt die in ihm enthaltenen Bindemittel aus, die dann ihren farblichen Beitrag zu der Blockierspur leisten.

Wenn ein Auto aber über ABS verfügt, entstehen trotzdem nachweisbare Spuren. Obwohl die Regelelektronik es nicht zum vollständigen Blockieren und damit Rutschen der Räder kommen lässt, so entsteht doch eine durchaus intensive Reibung zwischen Rad und Straße. Die ist zwar nicht so deutlich sichtbar, doch kann anhand dieser Regelflecken (ja, die ABS-Bremsspur heißt wirklich so!) nachgewiesen werden, wann und wie intensiv gebremst wurde.

Übrigens wird durch ein Anti-Blockier-System der Anhalteweg auf keinen Fall kürzer, eher im Gegenteil. Auf normaler Fahrbahn bleibt das Auto mit ABS nur lenkbar, was oft sehr entscheidend sein kann. Bei dichter Schneedecke oder auf Sand haben Autos ohne ABS sogar einen kürzeren Bremsweg, weil sich vor den blockierten Rädern ein mitbremsender Keil bildet. Ein ABS lässt das Fahrzeug einfach darüber hinwegrollen.