Schlechter Empfang: Bringen die Erstsemester das WLAN der Uni an seine Grenzen?

Konstantin Görlich

Ist das Uni-WLAN seit Vorlesungsbeginn unzuverlässiger geworden, oder schon seit Verlust des Exzellenztitels? Oder sind es nur gefühlte Verbindungsprobleme? fudder-Autor Konstantin Görlich ist der Sache auf den Grund gegangen:



Vor knapp vier Wochen Wochen hat an der Universität Freiburg die Vorlesungszeit des Wintersemesters begonnen. Endlich gibt es wieder Kaffee im KG IV und hier und da überfüllte Hörsäle. Auch die Netzwerkinfrastruktur, namentlich der Internetzugang über das WLAN der Uni, scheint seither an ihre Grenzen zu kommen, wenn man gelegentlichen Flüchen über Verbindungsabbrüche glauben schenken mag.


Wir konnten im Test zwar keine reproduzierbaren Problembereiche feststellen, aber dennoch kommt manchmal gar keine Verbindung zum WLAN zu Stande oder sie bricht ab. Meist scheint eine Verbindung zu bestehen, der Datendurchsatz geht aber gegen Null – man ist de facto also offline. Ein Albtraum? Nicht für den 22-jährigen Politikstudenten und digital native Cornelius Kibelka: „Ja, manchmal fällt die Verbindung über eduroam aus, aber dann nutze ich eben das Mobilfunknetz. Kein Problem!“



Im fudder-Test mit dem Netzwerkanalysewerkzeug „fing“ konnten wir bei Stichproben seit Ende Oktober mehr als doppelt so viele Geräte in einer Zelle des Uni-WLANs „eduroam“ finden wie bei Vergleichsmessungen Ende August – also mitten in der vorlesungsfreien Zeit.

Den Unterschied dürften die Heerscharen an Erstsemestern ausmachen, die nun Uni und WLAN bevölkern. Sie gehören der internet- und smartphoneaffinsten Generation an, die jemals an die Universitäten kam: Laut einer GfK-Studie nutzt die Hälfte der Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren bereits ein Smartphone – Tendenz steigend. Es sind also nicht nur mehr Studierende, sondern auch viel mehr WLAN-fähige Geräte in der Uni unterwegs.



Fühlt sich das Netz zu Recht überlastet an? Einer, der es wissen muss, ist Prof. Dr. Gerhard Schneider, Direktor des Rechenzentrums der Uni Freiburg: „Das Gefühl ist nicht ganz von der Hand zu weisen, ist aber vor allem durch die WLAN-Spezifikationen bestimmt.“ Zu Spitzenzeiten konnten wir in einer einzigen eduroam-Zelle 700 bis 800 Geräte antreffen: „Das ist ein Indiz dafür, daß die WLAN-Technologie ans Limit kommt. Eine „eduroam-Zelle“ ist für etwa 1000 Nutzer ausgelegt – konservativ gerechnet", sagt der Herr über mehr als 800 WLAN-Accesspoints (AP), die das Rechenzentrum insgesamt in Betrieb hat.

Das klingt nach viel, ist es aber nicht: „Ein AP kann theoretisch 256 Nutzer aufnehmen. Bei 15-30 ist technisch aber Schluss, weil die Nutzer schließlich Daten schicken und sich die Bandbreite aufteilen müssen. Je mehr gleichzeitig senden, desto schneller bricht der Durchsatz ein. Da kann man nichts machen.“

Auch ein Ausbau des Netzwerks mit mehr Zugangspunkten brächte kaum Abhilfe: „In einer Problemzone wie einem Hörsaal, können wir nicht mehr als 4 APs aufstellen, weil die 13 Kanäle so gewählt sind, dass höchstens vier - meist nur drei - gleichzeitig genutzt werden können. Damit können in einem Hörsaal 3 bis 4 mal 20 bis 30 Geräte, also maximal etwa 100, gleichzeitig bedient werden.“



„Der Flashmob" an einem AP ist schwer zu versorgen, da man nie weiss, wo sich gerade viele Studis ballen", erklärt Schneider. „Ein bisher mäßig genutzter Seminarraum mit einem AP vor der Tür wird zum Problembereich, wenn dort 30 Nutzer ihre jeweils zwei Endgeräte ins Netz bringt. Denn das Smartphone schaltet niemand ab, wenn der Laptop hochgefahren wird.“

Eine Aussicht auf Besserung gibt es aber trotzdem: „Wir werden in der nächsten Zeit in den Problembereichen neue APs aufstellen, die den Standard 802.11a unterstützen, die wir aber erst seit kurzem zu normalen Preisen erhalten. Leider unterstützen viele Mobilteile den a-Standard nicht, aber wenn zumindest Laptops und iPads darauf ausweichen, dann hilft das, wie bereits in etlichen aufgerüsteten Hörsälen. Aber 800 APs kann man nicht mal eben so austauschen.“ 802.11a funkt auf anderen Frequenzen als gängigere WLAN-Standards und wird beispielsweise von allen iPads, aber von keinem iPhone außer dem iPhone 5 unterstützt.

Sieht der Semesterbeginn in den Nutzungsstatistiken in diesem Jahr dramatischer aus als in vergangenen Jahren? „Dramatisch ist nicht ganz richtig – es ist doch positiv, wenn nach 13 Jahren RZ-Predigt nun tatsächlich fast alle drahtlos online gehen, ohne Angst vor den WLAN-Strahlen zu haben. Vor zehn Jahren wurden darüber noch lange Diskussionen geführt. Also ist die Entwicklung erfreulich.“

Mehr dazu:

  [Alle Bilder: Könstantin Görlich]