Studie

Schlechte Ökobilanz für Freiburg-Cup – mangels Nutzung

Simone Höhl

Vor gut einem halben Jahr ist der Freiburg-Cup mit viel Rummel auf den Markt gekommen. Jetzt legt ein Team der Uni eine Ökobilanz vor: Die Pfandbecher schneiden nicht viel besser ab als Pappbecher. Die Studienmacher halten das System für stark verbesserungsfähig. Die ASF will nachsteuern.

Zwei Studierende und ein Juniorprofessor haben zwei Fragen untersucht: Wird das Ziel erreicht, Müll zu vermeiden? Und belastet der Cup die Umwelt weniger als Wegwerfbecher? Von denen fallen zwölf Millionen in Freiburg jährlich an, schätzt die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung ASF, die den Cup einführte. Das Medienecho war riesig, die Nachfrage von Cafés und Bäckereien groß. Doch das Pfandsystem hakte. Die Becher kosten 1 Euro Pfand und können bei allen teilnehmenden Läden zurückgegeben werden.

"Die Umwelt kümmern gute Absichten nicht." Stefan Pauliuk
Eine Umfrage der Studierenden Kaja Weldner und Hannes Althammer ist mit nur sieben Cafés nicht repräsentativ, zeigt aber, dass der Anteil von Cups am Kaffee "to go" von 0 bis 100 reicht und in den größeren Cafés unter fünf Prozent liegt – Tendenz sinkend. "Erschreckend wenig", sagte Juniorprofessor Stefan Pauliuk. Unerheblich ist der gesparte Müll: geschätzt 840 Kilo Müll im Jahr.

In den meisten Punkten der Ökobilanz nehmen sich Cup und Pappbecher nicht viel – etwa beim Klimaeffekt und bei potenziellen Giften. Der Cup hat der Hygiene wegen auch einen Wegwerfdeckel, der seine Bilanz runterzieht. Pluspunkte macht er, weil kein Wald zu Pappe verarbeitet wird. Unterm Strich halten Pauliuk und sein Team das System aber nicht für verfehlt. "Der Umwelteffekt ist sehr bescheiden, weil die Menge sehr gering ist."

Cup solle Standard werden

Ein Erfolg könnte der Cup werden, wenn viele Leute ihn oft benutzen, am besten ohne Deckel, und die Läden ihn offensiv anbieten. "Die Umwelt kümmern unsere guten Absichten nicht", sagte der Umweltwissenschaftler. Der Cup solle Standard werden: Wer einen Pappbecher will, müsste den extra bestellen. Es sei Zeit, das System benutzerfreundlicher zu machen und besser zu etablieren.

"Dass ein paar Probleme bestehen, sehen wir – wir sind dran", sagte Broglin von der ASF. Die will besser auf die teilnehmenden Läden hinweisen. Die Kunden sollten die nächste Abgabestelle leichter finden, durch Fähnchen und einen QR-Code auf dem Becher. Wenig Einfluss habe die Stadttochter auf den Umlauf. "Das steht und fällt mit dem Thekenpersonal." Ob der Cup Standard am Tresen wird, sei die Entscheidung der Cafés, die ASF könne das nicht vorschreiben.

Broglin: Biotonne auch erst nach Jahren Standard

Trotz der schwachen Bilanz will Broglin das Pfandsystem noch nicht abhaken, sondern ihm noch Zeit geben. Die Biotonne sei auch erst nach Jahren Standard geworden. "Wir müssen eine Alternative bieten zu dem ganzen To-go-Problem, das kann ja nicht so weitergehen", sagte er am Donnerstag am Rande einer Fachtagung in Berlin. "Da war das schon Thema, das ist ein Zeichen, dass wir einen Nerv getroffen haben." Nach wie vor erhalte die ASF Anfragen von größeren Städten, alle hätten das gleiche Problem. Und je mehr Städte über eine Lösung nachdenken, um so besser und um so mehr Menschen würde es bewusst, hofft er.

ASF geht von 400 Nutzungen eines Cups aus

Wie viel Müll der Freiburg-Cup in Freiburg bisher vermieden hat, kann er nicht sagen. Er will sich mit dem Uni-Trio über ihre Ökobilanz austauschen. "Ich find’ das super." Und er hat Fragen zu Details, zum Beispiel warum nur mit 100 Nutzungen eines Cups gerechnet wird und nicht mit 400, von denen die ASF ausgeht. Die will nun recherchieren, was es mit dem festgestellten Rückgang des Marktanteils auf sich hat.

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