Schlafzimmerblick (11): Sebastian Boysen

Denise Beil

In der Robert-Schuman-Kaserne in Müllheim sind 5000 Männer und Frauen aus der Deutsch-Französischen Brigade stationiert. Einer von ihnen, Instandsetzungssoldat Sebastian Boysen (20) aus Schleswig-Holstein, gewährt uns einen Einblick in sein Schlafzimmer.



Seit Dezember 2007 rüstet der gelernte Kfz-Mechatroniker die Fahrzeuge der Bundeswehr in Südbaden. Kasernenstubenromantik! „Unsere Stube ist zwölf Quadratmeter groß und für sechs Mann ausgelegt. Momentan sind wir zu fünft.

Das Zimmer ist hell – zwei Fenster nach Westen, mit Blick in die Rheinebene und Frankreich. Die Grundausstattung für jeden: ein sehr schmales Bett, Spind und Stuhl. Nachttisch? Gibt’s nicht. iPod und Buch bewahre ich unter dem Kopfkissen auf. Im Moment ist alles grün und blau, aber die Bundeswehr stellt  auf Buchendekor um. Das ist viel schöner.

Andere Kameraden haben besser eingerichtete Stuben mit Kühlschrank und Fernseher, dort sitzen wir dann abends, anstatt bei uns. Ich bin in meiner Stube nur zum Schlafen. Bei uns heißt das übrigens nicht schlafen, sondern ruhen; geschlafen wird nur am Wochenende. Eigentlich fahre ich jedes Wochenende heim. Vor dem Ruhen hier denke ich oft an meine Freundin und meine Familie. Ich hatte zehn Sekunden, um mich zu entscheiden, ob ich nach Müllheim möchte. Als ich später auf der Karte nachgeschaut habe, wo Müllheim ist, war ich geschockt. Ganz, ganz unten.

Es gibt übrigens Bundeswehrschlafanzüge – die sind freiwillig. Ich habe keinen. Morgens wecken wir uns selbst, dann heißt es Rasieren, Zähneputzen und Bett machen. Und schließlich treues Dienen von 7 bis 17 Uhr. Komisch, die erste Zeit beim Bund wollte ich unbedingt wieder weg. Jetzt bin ich seit einem Jahr Soldat auf Zeit.“