Schlachten, Sagen, Wikinger: Eine Freiburger Skandinavistin forscht über Viking-Metal-Bands

Thomas Steiner

Gutturale Gesänge, Schlachten, sagenhafte Helden aus dem hohen Norden: Die Freiburger Skandinavistin Imke von Helden (kleines Foto) erforscht die Viking-Metal-Szene mit Bands wie Amon Amarth, Arch Enemy oder Helheim (großes Foto) . Ein Interview.



In der Musikszene gibt es viele Künstler, die sich mittelalterlich geben, alte Instrumente spielen oder sich kleiden wie vor tausend Jahren. Mit dem Thema "Mittelalter und Musik" setzt sich am Freitag und Samstag ein Symposium der Forschergruppe "Historische Lebenswelten" an der Universität Freiburg auseinander. Einen Vortrag hält die Freiburger Skandinavistin Imke von Helden (32), die sich mit Bands aus der Szene des skandinavischen Viking Metal befasst.


Frau von Helden, Sie forschen über Heavy Metal, haben Sie selbst mal welchen gemacht?


Imke von Helden:
Mit 15 habe ich mal ganz kurz in einer Band Gitarre gespielt. Aber mich hat immer mehr das Umfeld interessiert. Als ich anfing, Heavy Metal zu hören, war das eine echte Männer-Domäne. Da hat sich bei mir früh der Wunsch geregt, das zu verstehen. Skandinavistik hat mich anfangs natürlich auch wegen der vielen Bands, die von dort kommen, angesprochen.

Warum ist das so?


Von Helden:
Generell hat die Musik in Skandinavien einen größeren Stellenwert als bei uns. Es gibt viel mehr musikalische Förderung für Kinder, vermutlich gibt es deshalb auch viele, die die Musik für sich entdecken. Und Metal passt ganz gut zur Kälte, zu der rauen Landschaft. Obwohl er eine schnelle, brutale Musik ist, hat er auch seinen epischen Momente.

Und wie kommt es, dass viele Bands sich auf die Wikinger beziehen?


Von Helden:
Das lässt sich vielleicht mit Cowboys und Indianern bei der Fastnacht erklären: Das hat einen hohen Unterhaltungswert. Vor allem bieten die alten Sagas tolle Geschichten, auch blutrünstige. In meinen Band-Interviews habe ich herausgehört, dass es sich für die Musiker richtig anfühlt, das mit der Musik in Verbindung zu setzen, diese Stereotype von raubeinigen Gesellen und Schlachten. Es hat aber meistens damit zu tun, dass Leute versuchen, die eigene Geschichte zu entdecken um sich zu verorten – nicht zuletzt wegen der voranschreitenden Internationalisierung und Globalisierung.

Und das Mittelalter wird zum Steinbruch, in dem man sich bedient?

Von Helden: Ja, das ist ja ein riesiger Fundus, diese tausend Jahre. Es geht aber nicht jeder bis dahin zurück. Die Geschichte ist schon oft repräsentiert worden, da gibt es viele Bilder, bei denen man sich bedienen kann. Eine der ersten schwedischen Viking-Metal-Bands kam auf die Idee, die Wikinger mit ihrer Musik zu verbinden, als sie sich den Hollywood-Film "Conan, der Barbar" anschaute.

Wird Viking Metal auf der ganzen Welt gehört?

Von Helden: Einige der Bands touren auch international sehr erfolgreich. Zum Beispiel Amon Amarth aus Schweden, Korpiklaani aus Finnland und Enslaved aus Norwegen. Viking Metal wird global rezipiert, und was aus Skandinavien kommt, das gilt in dem Genre als echt. Es gibt italienische Bands, die auf Norwegisch singen, ich habe auch eine japanische Band gefunden, die einen norwegischen Bandnamen hat.

Singen die Skandinavier auf Englisch oder doch noch in der Muttersprache?


Von Helden:
Bei kleineren Bands spielt oft noch der Dialekt eine große Rolle. Die großen sind meist zum Englischen übergegangen. Es gibt aber auch Helheim, die auf Nynorsk singen, einer der beiden Sprachen in Norwegen.

Und, klingt das gut in Ihren Ohren?

Von Helden: Ich finde schon. Es ist ja eh die Frage, wieviel man bei dieser Musik von den Texten versteht, bei dem extrem verzerrten Gesang.

Nochmal Ihre Männer-Frage: Hat sich da mittlerweile etwas geändert?

  Von Helden: Es sind viel mehr Frauen geworden in der Szene und auch als Akteure, etwa als Sängerinnen. Man würde ja denken, dass Frauen das nicht können, diesen gutturalen Gesang, das ist aber nicht so. Das kann jeder lernen. Ich habe mal einen Workshop bei der zierlichen Sängerin der schwedischen Band Arch Enemy gemacht, die hat so ins Mikro gebrüllt, dass der ganze Saal gewackelt hat.

Video: Amon Amarth - The Pursuit of Vikings

Quelle: YouTube
 

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