Schimmel in der Schule: Experimente mit Brot

Lorenz Bockisch

Jacob (12) und Daniel (11) haben unter wissenschaftlichen Bedingungen ihre Schulbrote verschimmeln lassen. Mit Schimmel kennen sie sich aus: Gießkannenschimmel, pelzige Wesen, unangenehmer Geruch - und all das für den Wettbewerb "Schüler experimentieren". Uns haben sie auch auf ihren grünlich-weißen Trip gebracht.



In den Hinterräumen der Physik- und Chemie-Zimmer der Hansjakob-Realschule im Freiburger Stadtteil Stühlinger sind an mehreren Stellen wirklich eklige Dinge versteckt. In einer großen Box liegen mehrere Plastiktüten mit verschieden angeschimmeltem Brot.


Dahinter steckt ein Experiment von Jacob Veeßer (12) und Daniel Häringer (11), die anfangs eigentlich nur rauskriegen wollten, ob Schimmelpilze Luft zum Überleben brauchen. Also leiteten sie Stickstoff in eine Vesperbox und verschlossen sie ganz schnell wieder. „Aber das schimmelt trotzdem“, erzählt Jacob von einem ihrer ersten Experimente. Bei einem anderen sollte zwei Brotscheiben unter einer Vakuumglocke die Luft entzogen werden. „Das war aber nicht dicht und hat irgendwie Luft gezogen“, und so schauten die beiden dabei zu, wie sich über Wochen zwei pelzige Wesen aus den Brotscheiben entwickelten. Auch anfängliche Fehlschläge können also sehr interessante Ergebnisse liefern.



Der Experimentiergeist war bei den beiden geweckt, also versuchten sie verschiedenste Möglichkeiten, die sie von Lehrern, Eltern oder aus dem Internet hatten. Sowohl selbstgebackenes als auch Toastbrot kamen etwa in den Kühlschrank, in den Tiefkühler oder bei 80°C in den Brutschrank. Das von der Anschauung her schönste Exemplar entstand mit dem selbstgebackenen Brot. "Das fing erst an zu gären und schimmelte dann", sagt Daniel und zeigt nicht ohne Stolz auf das grünlich-weiße Ergebnis in der Plastiktüte (siehe Bild).

Aber auch ein paar Möglichkeiten, die Schimmelbildung zu verhindern, fanden sie. Der tiefgefrorene Toast etwa wurde nur hart und bekam keinen Schimmel. Ebenso die Ergebnisse anderer Versuchsanordnungen (siehe die vier Toastscheiben auf dem Bild unten): In einem Beutel mit Salz wird der Toast hart und trocken, bekommt aber keinen Schimmel. Nicht ganz so schnell hart wurden die drei in Backpapier eingepackten Toastscheiben. Das Papier war jeweils mit Zitronensäure, Essig oder Natriumacetat getränkt. "Das stand bei manchen Brotsorten auf der Verpackung", erklärt Jacob, wie sie auf dieses eher haushaltsununübliche Konservierungsmittel kamen.



Über zehn Tage halten die Toastscheiben schon in den drei Backpapierpäckchen – sie riechen aber nach ihren Konservierungsstoffen. Auch die Toastscheibe aus dem Kühlschrank und die, die eine Stunde im Brutschrank war, verströmen einen unangenehmen Geruch, der deutlich ekliger ist – Schimmel ist aber keiner zu sehen. Das beste Langzeitresultat bezüglich geruch, Haltbarkeit und Schimmelvermeidung brachte der Tiefkühler.

Und wie es zu einem wissenschaftlichen Experiment gehört, untersuchten die beiden auch die Pilzfäden unterm Mikroskop und enteckten mehrere Arten: "Blauschimmel war häufig, aber auch Gießkannenschimmel und grüner Brotschimmel", berichtet Daniel von den Beobachtungen.

Auf die Bedenken, ob das Ganze nicht krank machen könnte, entgegnet Jacob Veeßer: "Das hab ich auch meinen Arzt gefragt. Der meinte, dass die meisten Schimmel einem gesunden Menschen nicht gefählich werden. Nur essen soll man sie nicht."

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