Offenburg – Freiburg

Schaden an Rheintalbahn behoben – Brückenarbeiten sorgten für erneute Sperrung

Der Oberleitungsschaden an der Rheintalstrecke ist behoben. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wegen planmäßiger Brückenarbeiten blieb sie noch mehrere Stunden lang gesperrt. Dennoch hatten manche Reisende Glück.

Stundenlang war auf der Rheintalstrecke der Bahnfernverkehr unterbrochen. Ein kurzes, aber heftiges Unwetter hatte am Sonntag gegen 14 Uhr die Ortenau heimgesucht und hatte zwischen Lahr und Orschweier auf 600 Meter Länge die Oberleitungen kaputt gemacht. Die Bahn stoppte die Züge in den jeweils nächst gelegenen Bahnhöfen.


Für Fernreisende aus dem Norden war in Karlsruhe die Fahrt beendet, für Passagiere aus Süden in Freiburg. Auf Hochtouren war die Bahn darum bemüht, die Züge wieder an den Start zu bringen – doch auf Twitter musste ein anvisierter Zeitpunkt nach dem anderen revidiert werden. Bei der Pressestelle hieß es stets: "Es gibt keine zuverlässige Prognose."

Kurz nach Mitternacht dann die Nachricht: Die Strecke ist wieder befahrbar. Aus Norden wurden zwei ICE mit Passagieren auf die Strecke geschickt, aus Süden einer. Eile war geboten, denn: Kurz nach 0:30 Uhr wurde die Strecke zwischen Offenburg und Freiburg wieder für Fernzüge gesperrt. Planmäßig in diesem Fall. "Grund hierfür sind Brückenarbeiten bei Malterdingen, die bis 4.30 Uhr beendet sein werden", so ein Mitarbeiter der Bahn. Das habe nicht verschoben werden können.

Frustrierte Bahnpassagiere in Freiburg

"Die Hotelzüge bleiben vorerst in den Bahnhöfen stehen, so es doch noch gestrandete Reisende gibt", sagte eine Bahnsprecherin. Diese wurden am Abend in den Bahnhöfen Karlsruhe, Offenburg und Freiburg bereit gestellt, nachdem nicht absehbar war, wann die Strecke wieder freigegeben würde.

Das frustrierte zahlreiche Menschen, die an diesem Sonntag in Südbaden unterwegs waren. Am Freiburger Hauptbahnhof wurde folglich die Schlange am Informationsschalter immer länger und länger. Etliche Bahnreisende bemängelten die Informationspolitik der Bahn. Ihr Frust wurde zusätzlich angeheizt durch die Tatsache, dass sie bei dem Versuch scheiterten, in Freiburg ein Hotelzimmer zu finden.

Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet

Ärger und Frust auch am Offenburger Bahnhof, wo Ausnahmezustand herrschte: Zwar verkehrten Richtung Orschweier sieben Ersatzbusse, um die Reisenden zum Regionalzug zu bringen. Doch bis dahin hatten die meisten Betroffenen schon mehrere Stunden Aufenthalt am Offenburger Bahnhof hinter sich. Denn bis der Ersatzverkehr eingerichtet war, hieß es: Warten. Und warten.

Neben dem Oberleitungsschaden zwischen Lahr und Orschweier beschäftigte die Bahn ein weiterer im Offenburger Stadtteil Windschläg. "Dieser war allerdings nicht so gravierend", so die Bahnsprecherin. Dort standen zeitweise statt vier nur zwei Gleise für den Verkehr zur Verfügung. Bei Orschweier gibt es wegen einer Baustelle derzeit nur ein Gleis. Demnach ging an dieser Stelle gar nichts mehr – und damit stand der gesamte Fernverkehr auf der Rheintalstrecke.

Und das seit etwa 14.15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Züge in den jeweiligen Bahnhöfen angehalten. In Offenburg strandeten Hunderte von Bahnreisenden und warteten am Busbahnhof zunächst vergeblich auf den Ersatzverkehr. Es herrschte Ausnahmezustand: Die Busse ließen auf sich warten, Taxis waren Mangelware. Am frühen Abend spitzte sich die Situation weiter zu: Ein EC von Hamburg Altona, der seit gut drei Stunden auf offener Strecke stand, sollte in den Bahnhof einfahren. An Bord: 400 bis 500 Passagiere, darunter viele Kinder und ältere Menschen. "Zum Glück konnten wir die Türen des Zuges öffnen für ein bisschen Durchzug", berichtet ein Freiburger, der in der Bahn stundenlang ausharren musste.

Gegen 17.45 Uhr trafen die ersten Gelenkbusse des Ersatzverkehrs Richtung Orschweier ein. Sie sollten bis zu 500 Passagiere weiterbefördern. Sofort bildete sich eine dichte Traube entnervter Menschen mit zum Teil hoch roten Köpfen vor den Türen. Auf die Gestrandeten warteten Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes. Sie hatten sich rasch organisiert, um schnell helfen zu können. Und das war gut so: Zahlreiche Menschen erlitten Kreislaufzusammenbrüche und mussten versorgt werden. Die Feuerwehr schenkte zwar Wasser aus, doch für einige waren die Strapazen einfach zu viel.

Bahnmitarbeiter auf Tauchstation

"Unser Zug stoppte gegen 14.15 Uhr in Lahr", berichtete ein Bahnpassagier auf der Fahrt nach Freiburg. Und sofort seien die Bahnmitarbeiter auf Tauchstation gegangen. "Es gab keinerlei Information, keine Organisation." Gegen 14.30 Uhr habe man die Passagiere aus dem Zug gelassen. Eine Dreiviertelstunde später habe es die Durchsage gegeben, dass es gegen 18 Uhr weitergehe. Als Grund wurde das Unwetter genannt, aber keine Rede davon, dass ein Schienenersatzverkehr eingerichtet würde. Das Problem am Lahrer Bahnhof: Es gibt keine Toilette, kein Schalter ist besetzt. "Ich werde jetzt von einem Freund abgeholt – diese Informationspolitik ist doch unter aller Kanone", empörte sich der 52-Jährige.

So wie er taten es ihm zahlreiche Menschen am Offenburger Bahnhof gleich. Sie ließen sich abholen, gingen ein Eis essen, oder machten sich auf die Suche nach einem Hotel. Doch auch nach 19 Uhr warteten mehr als 600 Menschen darauf, ihre Reise von Offenburg aus fortsetzen zu können.

Die Bahn bietet Informationen darüber, welche Entschädigung Ihnen bei Zugverspätungen, verpassten Anschlüssen oder ausgefallenen Zügen zusteht und was Sie tun müssen, um diese zu erhalten. bahn.de/fahrgastrechte