SCF vs Frankfurt: Wir sind dann mal eingepennt

Clemens Geißler

Samstag im Dreisamstadion: Kurz vor Ende der Partie SCF-Eintracht Frankfurt ist ein Zuschauer auf der Haupttribüne hemmungslos weggeschnarcht. Um ihn herum rüstet man bereits vielfach zum Aufbruch. Ein besseres Bild für die Bewertung dieses Fußballnachmittags aus Freiburger Sicht hätte man nicht finden können.



Das nicht ganz ausverkaufte und bezeichnenderweise von hessischen Schlachtgesängen dominierte Stadion beherbergt Zeugen einer bitteren und verdienten Heimschlappe.


Allein die Anzahl der Freiburger Chancen kann man auch mit viel Wohlwollen nicht höher als eine Handvoll beziffern. 18. Minute: Kopfball Krmas und 35. Freistoß Schuster – beide sichere Beute von Nikolov. Zwei bessere Möglichkeiten fallen in so etwas wie eine kurze Drangphase des Aufsteigers kurz nach dem Wechsel: Banovics Freistoß landet an der Querlatte und Bechmanns Schuss, den Nikolov nur abprallen lässt, erwirkt ein kurzes Missverständnis in der ansonsten gut sortierten und kaum geforderten Eintracht-Abwehr.

Um die 68. Minute wird innerhalb kürzester Zeit klar, warum Frankfurt das Spiel als Sieger verlässt: Ein Allerweltsstandard reicht den Gästen zur Führung durch Maik Franz, wohingegen im nächsten Angriff drei Freiburger sich gegenseitig am Einschuss hindern und der ohnehin im Abseits befundene Banovic aus kurzer Distanz nur den Schlussmann der Gäste trifft. Der Gegner trifft, Freiburg nicht – ein schon mehrmals in dieser Saison beobachteter Befund.



Der Eintracht mitsamt dem Ex-Freiburger Zlatan Bajramovic in ihren Reihen reicht letztlich eine mittelmäßige Leistung mit wenigen klaren Chancen, um auch nach dem fünften Spiel noch ungeschlagen zu sein. Die Hessen erwischen den besseren Start und gefallen dabei auch mit sicherem Direktspiel aus der eigenen Hälfte heraus. Zwar lassen sie dann bald etwas nach, aber über 90 Minuten verlieren sie nie die Ordnung. Überhaupt hat man das Gefühl, dass jeder der Eintracht-Akteure wenigstens eine grobe Vorstellung davon hat, was man in diesem Spiel erreichen will – und vor allem, mit welchen Mitteln.



Letzteres trifft auf die Dutt-Elf nicht zu. Eine klare Struktur, hier und da ein Tempo- oder gar Positionswechsel, Ideen nach vorn oder wenigstens phasenweise präzise Zuspiele – alles Dinge, an denen es der Darbietung der Breisgauer gebricht. Zwar versucht etwa Abdessadki immer wieder das Spiel anzukurbeln, doch erstens landen auch seine Bälle oft beim Gegner und zweitens fehlen ihm ähnlich ambitionierte Gesinnungsgenossen. Ein Tommy Bechmann erwacht beispielsweise erst in der Schlussviertelstunde aus seiner Lethargie und auch den eingewechselten Reisinger und Makiadi gelingt nichts.

Idrissou gewinnt zwar gefühlte dreißig Kopfballduelle, wodurch sich aber keiner seiner Mitspieler aufgefordert sieht, mal in irgendeiner Form in Ballnähe nachzurücken.



In dieser Weise könnte man das Spiel noch weiter zerlegen, was aber für die wichtigen Erkenntnisse nicht von Belang ist:

1. Will man in der Liga bleiben, muss man gegen Frankfurt zuhause punkten. Dies ist misslungen.

2. Das Offensivspiel der Freiburger ist am Samstag nicht erstligatauglich gewesen, weil Laufbereitschaft, Einsatz, Ideen und besonders individuelle Qualität fehlen. Gefahr entsteht beinahe ausnahmslos nach Standards.

3. Allerdings dauert eine Saison bekanntermaßen lang und ein Fehlstart wie dieser kann noch kompensiert werden. Ohne eine massive Steigerung wird das aber nicht gehen.

Man kann nur hoffen, dass Ömer Toprak dazu auch bald wieder seinen Beitrag leisten wird – immerhin konnte man ihn am Samstag schon wieder lächelnd auf der Haupttribüne sehen.

[Fotos: Clemens Geißler (1), dpa]

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