SCF: Viel mehr als nur ein Spiel verloren

Günther Hetzer

Die gestrige Niederlage des SC Freiburg gegen die TSG Hoffenheim ist zur Nebensache geworden. Die Freiburger Fans denken an Achim Stocker, den Mann, der Profifußball im Dreisamstadion überhaupt erst möglich gemacht hat. Am Rande eine Analyse des Spiels.



Es hatte schon etwas vom Pfeifen im Walde, wenn man, um die Erfolgschancen gegen die TSG Hoffenheim  zu begründen, unter anderem die persönliche Erfolgsstatistik von Robin Dutt in Heimspielen gegen die Nordbadener anführen musste.


Zumindest in der ersten Halbzeit machte der SC Freiburg keinen Mucks und spielte verängstigt und desorientiert. Es offenbarte sich ein Klassenunterschied. Die TSG Hoffenheim  - angeführt von einem überragenden Carlos Eduardo – spielte einen sowohl läuferisch als auch spielerisch klar unterlegenen SC Freiburg teilweise an die Wand. Bereits nach zwanzig Minuten hätten die Kraichgauer nach schweren individuellen Fehlern von Butscher, Jäger und Banovic klar in Führung gehen können, ja müssen. Teilweise hatte man das Gefühl, die TSG Hoffenheim hätte einen Mann mehr auf dem Platz, so indisponiert wirkten die Gastgeber in Punkto Passgenauigkeit, Schnelligkeit und Zweikampfverhalten.



Bis zur 39. Minute war das glückliche 0:0 der mangelnden Chancenverwertung der TSG sowie einem guten Simon Pouplin zu verdanken, dann verwechselten Butscher und Bastians Stellungsspiel mit "in Stellung verharren", Maicosuel  nahm von Ibisevic den Ball auf und lupfte ihn zum 0:1 ins rechte obere Eck.

Kurze Zeit später wurde die Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet. Nach der Halbzeit kamen Makiadi für Bechmann und Reisinger für Cha. Der SC Freiburg fand nun endlich ins Spiel, attackierte energischer und  es entwickelte sich zeitweise ein offener Schlagabtausch. Immer noch mit Chancenvorteilen für Hoffenheim, aber kein Vergleich zum mutlosen Auftritt  der ersten Halbzeit. Der SC war nun im Spiel angekommen, agierte couragiert und lies die Hoffenheimer deutlich weniger zur Entfaltung  kommen. Idrissou vergab nach gutem Zusammenspiel mit Bastians die dickste Chance. Es gab weitere Torgelegenheiten durch Banovic und Reisinger.



Im Gegensatz zur diskussionslosen ersten Halbzeit war es nun ein Spiel mit hätte, wäre, wenn und aber. Hätte die Mannschaft schon von Anfang an so gespielt, wäre der Kopfball von Idrissou ins Tor gegangen. Warum diese Konjunktive erst so spät zum Tragen kamen, sollte der SC Freiburg bereits zum nun richtungsweisenden Spiel in Bochum ergründet haben, andernfalls droht einstweilen der freie Fall.



Nach dem Spiel erreichte Fans und Mannschaft die Nachricht vom Tod des Präsidenten Achim Stocker und so ist das gestrige Spiel letztendlich bedeutungslos. Das man sicher aber in Freiburg  über die schönste Nebensache der Welt in dieser Form überhaupt Gedanken machen kann, ist das Verdienst  und Lebenswerk dieses Mannes.

Danke, Achim Stocker.

[Fotos: Hetzer, dpa]