SCF: Unter der Sonne von Elversberg

Hannah Allgaier

Bitte einsteigen, es geht ins Saarland! Der Pokal hat seine eigene Gesetze und wir haben die Sonnencreme vergessen. Trotzdem ist Hannah im Bus der Fangemeinschaft mitgefahren, um den Sportclub im ersten DFB-Pokalspiel dieser Saison beim SV 07 Elversberg zu unterstützen. Zurück kam sie mit Lyonerwurst im Magen, Sonnenbrand und einem netten Bericht aus dem Gästeblock.



9 Uhr an der Paduaallee: Der Busfahrer der FG (Fangemeinschaft) startet den Motor zum Aufbruch. Schnell wird das letzte Bier im Bus verstaut und die Anwesenheit aller Fans gecheckt.


Dann der erste, kleine Dämpfer: Verkehrsmeldung. Stau auf der A 5 Richtung Karlsruhe. Doch der Stau bringt keinen aus der Ruhe, denn immerhin haben wir für die 200 Kilometer nach Elversberg etwa sechs Stunden eingeplant.



09.05 Uhr: Die ersten Fangesänge ertönen und das Badnerlied. Nach der ersten Euphorie wird es etwas ruhiger im Bus. Zeit, den Gesprächen seiner Mitfahrer zu lauschen. Hinten: Etwa eine halbe Stunde wird darüber diskutiert, ob Versatel oder die Deutsche Telekom der schlechteste Telefonanbieter sei. Vorne: Wird die erste Runde Jägermeister geschmissen. Neben dran: Dröhnt Musik von Bushido durch die Kopfhörer.

Über Landstraßen geht es nach Emmendingen, Herbolzheim, Lahr und Offenburg. Dann endlich Autobahn. Dort kommt man auch nicht schneller voran als vorher. Busfahrer Wolfgang: „Am ersten Ferienwochenende würde mich eigentlich nichts auf die Autobahn bringen. Außer der SC Freiburg.“



Immer wieder hält der Bus kurz an, damit die armen Nikotinsüchtigen ihre Raucherminute haben und nicht auf der Bustoilette zu qualmen beginnen. Bis nach Offenburg brauchen wir fast zwei Stunden. Um schneller voran zu kommen, beschließt man, über Frankreich zu fahren. Das SMS-Getippe nimmt deutlich ab, nachdem wir den Rhein passiert haben. „Über Paris fahren wir nach Elversberg“, wird nun gesungen. Dank der Klimaanlage haben die Fans keine Probleme mit der immer kräftiger strahlenden Mittagssonne. Auch der Kühlschrank neben dem Fahrer wird zum Luxus. Gekühltes Bier für einen Euro. Ein  Angebot, das gern genutzt wird. Die Hitze setzt uns trotz Air Condition ganz schön zu.

14.36 Uhr: Der Bus verlässt die Autobahn und ist wenige Minuten später am Waldstadion in Elversberg angekommen. Luxus: der Bus stoppt nur wenige Meter vom Eingang entfernt. Mit lauten Gesängen begrüßen die Freiburger Fans das Saarland. Noch sind nicht viele andere SC-Anhänger zu sehen.



Die meisten Fans gehen sofort in das kleine Stadion. Etwas irritiert schauen sich alle an: Musik von Daniel Kübelböck schallt aus den Lautsprechern. Nachdem dieser kleine Schock verdaut ist, folgt ein etwas größerer: Im Gästeblock gibt es weder Speis noch Trank. Außerdem sind die wenigen Schattenplätze schnell belegt. Nach einer halben Stunde lassen sich die Ordner darauf ein, die Fans nochmal aus dem Block zu lassen. Zum Glück befindet sich nur 200 Meter entfernt eine Tankstelle, die für viele Fans zur Anlaufstelle wird.

Gegen 15 Uhr kann man die Spielern beim Aufwärmen beobachten. Endlich gibt es auch etwas zu trinken. Allerdings nur Cola, Sprite und Apfelsaft. Aber kein Bier.



Die NBUler ( Natural Burn Ultras) präparieren den Gästeblock mit Zaunfahnen und Flaggen aller Art. Nach drei Jahren Stadionverbot ist es das erste Pflichtspiel, bei dem die Ultras wieder anwesend sein dürfen. Auch die Elversberger Ultras haben ein großes Spruchband vorbereitet: „Willkommen in Freiheit NBU.“



15.30 Uhr: Das Spiel beginnt. Alle sind gespannt auf den DFB-Pokal-Neuling SV 07 Elversberg. Dank der lauten Unterstützung von den Wilden Jungs und der Supporters Crew steigt die Stimmung so schnell wie die Temperaturen. Nicht nur die Spieler auf dem Platz kommen ins Schwitzen.  Ein Sonnencreme-Verkäufer hätte im Gästeblock an diesem Nachmittag ein gutes Geschäft gemacht.



Der SC ist von Anfang an die dominierende Mannschaft. Doch ein leichtes Spiel, wie von vielen erhofft, ist es nicht. Ein Fan sagt: „Wenn es nach 20 Minuten nicht 6:0 steht, dann hat der SCF nichts in der ersten Liga zu suchen." Allgemeine Zustimmung. Ein anderes Statement:„ Hoffentlich ergeht es uns nicht so wie Mainz. Das wäre eine Blamage." Die Mainzer verloren am Vortag beim Regionalligisten VfB Lübeck mit 1:2, Trainer Jörn Andersen ist inzwischen entlassen worden.

Die Elversberger erweisen sich in der Defensive als starker Gegner. Viele Versuche der Freiburger scheitern. Erst in der 30. Minute erzielt  Käptain Heiko Butscher das 1:0 für den SC. Nach einer Ecke von Ivica Banovic köpft Butscher den Ball ins rechte Eck. Freistoßexperte Julian Schuster musste  krankheitsbedingt passen. Ebenso Torwart Simon Pouplin, der sich beim Testspiel gegen Metz verletzt hat. Dafür steht nun Neuling Manuel Salz im Tor. Oft wird er nicht geprüft, doch in den entscheidenden Situationen pariert er gut.



In der Halbzeit kann man sich zwischen drei verschiedenen Wurstsorten entscheiden. Am beliebtesten ist die dicke Lyonerwurst mit einem Durchmesser von vier Zentimetern. Viele von uns kühlen sich den rot-verbrannten Nacken mit Wasser.

In der zweiten Halbzeit wird es etwas ruhiger im Gästeblock. Manchmal dringen sogar die Fangesänge der Ultras Elversberg durch. Auch das Spiel kann manchen Fan nicht davon abhalten, den Schatten der Getränkestände zu suchen, anstatt auf der Tribüne zu singen.

Kopfschütteln verursacht das stärker werdende Auftreten der Elversberger. Der Ausgleich liegt in der Luft. „Die Freiburger schieben doch den Ball auf der Linie hin und her. Ist ja schrecklich!“



Doch die Bezeichnung „Breisgau Brasilianer“ kommt nicht von Ungefähr, wie sich nun herausstellt. Mit der Sonne im Nacken können die Spieler umgehen.

Der eingewechselte Stefan Reisinger bringt die Entscheidung: in der 82. Minute spielt Cédrik Makiadi den Ball vor die Füße von Reisinger, der das Spielgerät nur noch ins Tor schieben muss. Nun gibt es keine Zweifel mehr über das Bestehen der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal. Die Stimmung hebt sich wieder. Auch, wenn die Hitze einigen zu schaffen macht.

Um 17.15 Uhr erfolgt der Abpfiff. Kurz kommen die Spieler an den Zaun und verabschieden sich von den Fans. Nach nur einer Minute verdrücken sie sich in die Kabine. Vielleicht ist es ihnen doch etwas heiß.



Kurz vor 18 Uhr fährt der Bus der FG in Richtung Heimat. Die Stimmung ist gut und man ist froh, dass es wieder kühles Bier gibt. So kann der Sonnenbrand im Gesicht oder auf dem Rücken wenigstens etwas gekühlt werden.



Gegen 22 Uhr erreichen die Fans wieder die Paduaallee. Dank der netten Leute im Bus ist der Abend noch nicht zu Ende. Man macht sich auf in die Stadt, um noch feiern zu gehen.

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