SCF in Mainz: Begleitschutz, Rauch und scharfe Würste

Hannah Allgaier

Hannah ist am Samstag bei der Auswärtsfahrt nach Mainz dabeigewesen. Zu berichten hat sie einiges, was man in der Sportschau nicht mitbekam: die Rauchbombe im Gästeblock, die Pfiffe gegen Tommy Bechmann und das Geständnis von Mainzer Anhängern, die nach dem Spiel gesagt haben: "Dass Fans nach nem Rückstand noch so gut drauf waren, haben wir noch nie erlebt."



Die Anfahrt

Samstagfrüh auf dem Freiburger Hauptbahnhof. Der Bahnsteig an Gleis 2 ist mit vielen Polizisten besetzt.  Die Fahrgäste schauen verwundert. Was ist denn hier los?

In die hinteren zwei Waggons des bereitstehenden Zugs dürfen normale Reisende nicht einsteigen. Die Plätze sind reserviert für Sportclubfans, die eine Zugfahrt zum Auswärtsspiel nach Mainz gebucht haben.

Die Bilder vom 13. April in Mainz sind uns noch gut in Erinnerung. Der Tag, an dem Bano und Kollegen den wohl wichtigsten Auswärtssieg der vergangenen Saison klarmachten: Das 2:1 am Bruchweg ebnete den Weg zur Meisterschaft. Inzwischen ist die Konstellation eine andere. Es werden sich zwei Aufsteiger gegenüber stehen und der Gastgeber hat mit Thomas Tuchel einen würdigen Andersen-Nachfolger auf der Bank, der schon für einen Sieg gegen die Bayern verantwortlich zeichnen konnte.

Um 8.03 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Die ersten 50 Minuten nach Offenburg ist es ruhig. Begleitet werden wir den ganzen Tag über von etwa 50 Polizisten und zehn Zivilbeamten.
In Offenburg müssen wir umsteigen gen Karlsruhe. Der dortige Aufenthalt bereitet manchen Fans ein flaues Gefühl im Magen. In den vergangenen Jahren ist das Verhältnis zwischen SCF- und KSC-Fans nicht das beste gewesen. Im Abteil von NBU und der Supporters Crew kann man die Stimmung schon als ausgelassen bezeichnen.

Man sammelt Geld in einer Mütze, um die Entjungferung eines Fans bezahlen zu können. Solche Aktionen verursachen breites Grinsen in den Fangesichtern. Einen Fehler mit Folgen machen zwei Mädels: Sie schießen ein Foto mit erhobenem Stinkefinger. Leider sind im Hintergrund zwei Polizisten zu sehen.

Das finden die Polizisten weniger witzig. Sofort müssen die Mädchen das Foto löschen und bekommen eine ordentliche Standpauke zu hören. Kopfschütteln im Abteil. Wir erreichen Karlsruher Stadtgebiet. Sofort stimmen die Fans provozierende Lieder an: "Karlsruh, Karlsruh, wir scheißen euch zu."
Am Karlsruher Bahnhof erwartet uns ein großer, grüner Block. Sind wir der Papst oder Obama? Der Bahnsteig ist voller Polizisten. Sie fürchten einen Besuch der Karlsruher Ultras. Doch der bleibt aus.

Weiter geht's gen Mainz. Die Bierkästen leeren sich, die Stimmung in unserem Abteil wird freudiger und lauter. Man stimmt das Badnerlied an und andere bekannte Songs. Die Luft ist stickig. Aber die Fenster dürfen die Fans nicht öffnen. Zur schlechten Luft tragen auch die Raucher bei. Die Nichtraucher sind genervt.
Nach 3:45 Stunden erreichen wir den Mainzer Hauptbahnhof. Es ist 11.45 Uhr. Die meisten Fans versammeln sich vor dem Bahnhof und schwätzen ne Runde.

Mutige probieren eine Mainzer Currywurst. Der Wurstverkäufer übertreibt es etwas mit den Gewürzen. Schnell steigen den ersten Fans die Tränen in die Augen, weil die Wurst unerträglich scharf ist. Wir machen lieber einen Abstecher zu einem Einkaufsmarkt und füllen unseren Biervorrat auf.

Gegen 13 Uhr brechen wir zum Stadion auf. 1,5 Kilometer Fußmarsch, bergauf.



Nach 20 Minuten sind wir da. Noch ist nicht viel los. Vor dem Gästeeingang steht eine Handvoll Freiburger Fans. Die folgenden Kontrollen beim Einlass lassen wir über uns ergehen, regen uns wie immer über das Wegschmeißen von Speis und Trank auf.



Die nun einsetzende Zeit des Wartens ist öde. Die Fans setzen sich auf die Tribüne und vergraben den Kopf in den Händen.

Die Mainzer Fans kommen überraschend spät ins Stadion. Erst eine Stunde vor Spielbeginn wird es langsam voller auf den Stehplätzen der Gastgeber. Unser Gästeblock dagegen ist rappelvoll. Nichts mehr mit Sitzen.



Simon Pouplin ist der erste Freiburger, der sich zeigt. Sofort wird er von den Fans begrüßt. Er zeigt durch Klatschen seinen Dank. Auch der Rest der Mannschaft findet sich auf dem Spielfeld ein. Ein Spieler nach dem anderen wird besungen. Die Stimmung im Fanblock ist jetzt schon großartig. Die Mainzer werden laut ausgepfiffen, als sie aus der Kabine kommen. Die Mainzer Fans halten sich stark zurück. Am Ende des Spiels kriegen sie die Quittung aus dem Gästeblock: „Ihr seid nur zum Klatschen da" oder "Ihr seid nur ein Karnevalsverein.“

Die Bombe

Dann der Anpfiff. Plötzlich sehen wir einen Mann, der auf dem Boden etwas anzündet. Neben uns ruft ein Fan, dass wir den Schal vors Gesicht ziehen sollen. Und dann geht die Rauchbombe los. Wir direkt dahinter. Alles wird weiß, man sieht überhaupt nichts mehr. Das Atmen fällt schwer und versetzt viele Fans in Panik. Nach einer Minute ist der Spuk vorbei. Überall sieht man Fans, die sich die Augen reiben und husten. Die Polizisten suchen während des gesamten Spiels und auch bei der Rückfahrt nach dem Zünder der Rauchbombe. Anscheinend wurde er gefunden.



Das Spiel

Freiburg ist von Anfang an die bessere Mannschaft. Die Mainzer kommen nicht richtig ins Spiel. Doch in der 24. Minute die Ernüchterung. Plötzlich steht es 1:0 für die Gastgeber. Wie konnte das passieren? Der Mainzer Stürmer Ivanschitz lupft den Ball über unseren Keeper Pouplin. Tor.



Die Freiburger Fans stöhnen kurz auf. Doch es muss weitergehen:  "Auf geht’s Freiburg, kämpfen und siegen." Der Rückstand tut der Stimmung nicht den geringsten Abbruch. Der gesamte Block ist am Start, wenn der Vorsänger ein Lied anstimmt.

In der Halbzeit gönnen sich die Fans ein weiteres Bier oder eine Mainzer Frikadelle. Nach der scharfen Currywurst ein angenehmer Kontrast. Wer zu lange am Bierstand ansteht oder in Gesprächen vor dem Fanblock verwickelt ist, verpasst das 2:0 für die Mainzer.



Nach dem zweiten Tor sind die Freiburger kurz geschockt, doch schnell fangen sie sich wieder. Man merkt der Mannschaft an, dass sie das Spiel noch drehen will. Doch dank der hervorragenden Paraden des Mainzer Torhüters Müller bleibt eine Null bei den Freiburgern stehen. Im Nachhinein sagt Tommy Bechmann:“Wir hatten Chancen für drei Spiele.“

Zu Tommy Bechmann ist noch zu erwähnen, dass er bei jedem Ballkontakt von den Mainzer Fans ausgepfiffen wurde. Wegen ein paar Fouls zu Beginn des Spiels hat er sich zum unbeliebtesten Spieler auf dem Platz gemacht. Letztlich legen die Mainzer noch einen drauf, 3:0.

Kopfschütteln im Freiburger Block. „Warum setzen sie ihre Chancen nicht um,“ hört man immer wieder. Nach Abpfiff kommen die enttäuschten Spieler kurz an den Gästeblock.
Die Fans feiern ihr Team trotzdem. Immerhin haben wir gesehen, dass die Mannschaft kämpft. Leider hat das nicht ausgereicht.

Die Mainzer hingegen feiern ihre Mannschaft nun lauthals. Das ganze Spiel über hat man die 05er allerdings nur bei Toren jubeln gehört. Gastgeber-Stimmung am Bruchweg also: Fehlanzeige.



Als wir das Stadion verlassen, treffen wir zwei Mainzer: “Mann, wart ihr laut in eurem Block. Man hat euch die ganze Zeit gehört. Das haben wir noch nie erlebt, dass die Fans nach einem Rückstand noch so gut drauf waren,“ geben sie zu.

Rückfahrt

Unser Zug fährt um 18.13 Uhr am Bahnhof ab. Zeit, noch fix nen Döner zu mampfen. Die Fahrt nach Karlsruhe ist angenehmer als die Hinfahrt, denn alle können sitzen und die Raucher halten sich zurück.



Kurz vor Karlsruhe kribbelt's wieder ein wenig. Doch die Gerüchte über einen Angriff der Karlsruher Ultras entpuppen sich als Quatsch. Trotzdem sind die Polizisten in Alarmbereitschaft. Es wartet ein außerplanmäßiger Zug, damit die SC-Fans keine 1,5 Stunden Aufenthalt in Karlsruhe haben.

Wir erreichen wieder Offenburg und stellen fest, dass wir zwei Stunden lang auf den nächsten Zug nach Freiburg warten müssen. Gejammer macht sich breit. Alle wollen so schnell es geht nach Hause.



Plötzlich kracht ein Feuerwerkskörper auf dem Boden des Bahnsteigs. Die Fans lachen und die Polizisten sind genervt.

Manche Fans fragen einen Taxifahrer, ob er sie nach Freiburg fährt. Wir sind zu zehnt und die Fahrt würde 110 Euro kosten. Bei diesem Angebot sagen wir nicht Nein und steigen in das Großraumtaxi.

Um 21.45 Uhr erreichen wir die Heimat unter lautem Gejohle, das die SWR1-Songs im Taxiradio begleitet. „So, alle aussteigen und wehe, einer hat mir ins Taxi gekotzt,“ sagt der Taxifahrer scherzhaft. Draußen ist es kalt und nass. Wir freuen uns auf unsere Betten und hoffen auf einen Sieg gegen Hoffenheim.

Mehr dazu: